Plakat in Fußballstadion fordert Rückkehr der Fans | Bildquelle: dpa

Beratung über Fan-Rückkehr "Gefahr von Massenansteckungen real"

Stand: 10.08.2020 13:19 Uhr

Trotz Corona sollen Fußballfans bald wieder in die Stadien dürfen. Dazu hat die DFL ihr Konzept überarbeitet und wird von Gesundheitsminister Spahn gelobt. Ärzte und Bayerns Ministerpräsident Söder warnen hingegen.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) will trotz Pandemie wieder Bundesligaspiele mit Fans möglich machen. Vor dem Hintergrund eines Gesprächs der Gesundheitsminister am Montag warnte der Ärzteverband Marburger Bund eindringlich vor einer Rückkehr der Fußballfans in die Stadien. "Die Gefahr von Massenansteckungen wäre real", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Das in der vergangenen Woche von der DFL vorgelegte Infektionsschutzkonzept nannte sie "unrealistisch".

Johna sagte, sie halte es für "unrealistisch", dass der DFL-Plan Ansteckungen verhindern könne. Ein einziger Infizierter unter den Fans könne zur Folge haben, dass sich das Virus "wie ein Lauffeuer" ausbreite. Dass die Fans auf ihren Sitzen sitzen blieben, wenn ihre Mannschaft ein Tor schieße, könne sie sich nicht vorstellen: "Da liegt man sich in den Armen und denkt nicht an Corona."

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder steht einer Rückkehr von Zuschauern kritisch gegenüber: "Ich habe mich sehr für den Start von Geisterspielen eingesetzt, das läuft auch hervorragend. Aber bei vollen Stadion zum Bundesliga-Start bin ich außerordentlich skeptisch", sagte der CSU-Politiker. "Es ist auch nicht klug, wenn wir Schulstart haben, wenn wir beginnenden Herbst haben, zu überlegen, dass wir dann zusätzlich 20.000, 25.000 Leute in den Stadien haben", sagte er weiter. In der letzten August-Woche werde er versuchen, in Abstimmung mit dem Bund eine Ministerpräsidentenkonferenz zum Thema Bundesliga abzuhalten.

Beratungen am Nachmittag

Über Regeln für die mögliche Rückkehr von Fans in die Fußballstadien wollen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Nachmittag beraten. Der DFL-Plan sieht weder Stehplätze noch Alkohol bis Ende Oktober, einen Verzicht auf Gästefans bis zum Jahresende und die Sammlung sämtlicher Kontaktdaten vor.

Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher sprach sich für eine Rückkehr der Fans in die Stadien aus. "Warum soll es nicht möglich sein, ein Fußballstadion mit einigen tausend Zuschauern aufzumachen?", sagte er der "Bild"-Zeitung. Es müsse um die Verhältnismäßigkeit gehen. "Das, was angesichts von Risikoschutz möglich ist, sollte man machen." In Hamburg sei es in der Elbphilarmonie bereits möglich, Konzerte mit bis zu 750 Personen auch live zu verfolgen.

Spahn lobt DFL-Konzept

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn lobte das Konzept, mahnte aber eine sinnvolle und präzise Anwendung an. "Wir haben sehr großen Wert darauf gelegt, dass auch im Stadion 1,5 Meter Abstand gewährleistet werden müssen", sagte er. "Da ist das Konzept noch einmal überarbeitet worden und vieles andere mehr." Aus Sicht des Gesundheitsministers ist weniger das Stadion selbst ein Problem als vielmehr die An- und Abreise der Fans. Das Konzept müsse deshalb mit den zuständigen Gesundheitsbehörden vor Ort und den Vereinen besprochen werden. Klar sei aber auch, dass keine Tests verschwendet werden sollten, nur damit die Fans wieder ins Stadion kommen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer, der auch für den Sport zuständig ist, ist schon länger der Meinung, dass wieder Zuschauer ins Stadion gelassen werden sollten, wenn es ein starkes Hygienekonzept gibt. Er habe die Erfahrung gemacht, dass auf DFL und DFB Verlass sei, sagte der Minister.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. August 2020 um 09:02 Uhr.

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