Bundeswehrsoldaten beim Einsatz in der Nähe von Kundus | Bildquelle: dpa

Bundeswehr-Mandat Wie weiter in Afghanistan?

Stand: 11.03.2020 03:36 Uhr

Schrittweise wollen sich die US-Truppen aus Afghanistan zurückziehen - so sieht es ein Abkommen mit den Taliban vor. Sollte der NATO-Partner Deutschland nachziehen?

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Gemeinsam rein, gemeinsam raus - so lautet das Motto der NATO-Staaten für ihren Afghanistan-Einsatz. Womit sich folgende Frage geradezu aufdrängt: Wenn es nach dem Willen der US-Regierung nun ganz schnell gehen soll und die Amerikaner, wie angekündigt, ihre Truppenzahl innerhalb von 135 Tagen massiv herunterschrauben - nämlich von 13.000 auf 8600 Soldaten: Wird dann nicht auch die Bundeswehr reagieren müssen?

Bislang gibt es keinerlei Anzeichen, dass die Bundesregierung an der deutschen Truppen-Obergrenze für Afghanistan irgendetwas ändern möchte. Die liegt bei 1300. Und auch wenn die Oppositionsparteien FDP und Grüne nun ein neues Mandat fordern: In der Großen Koalition scheint man sich den Spielraum nicht mit einer Absenkung der Obergrenze beschneiden zu wollen. Eine endgültige Entscheidung über die Verlängerung der Ausbildungs- und Trainingsmission am Hindukusch soll der Bundestag Ende März treffen.

US-Abkommen mit Taliban sieht Abzug aller Truppen vor

In den nächsten Wochen dürfte auch klarer werden, was der angekündigte US-Rückzug konkret für die Deutschen bedeutet: Ob auch die anderen Nationen ihr Engagement herunterfahren, müsste - gemäß dem "Gemeinsam rein, gemeinsam raus"-Motto - in Abstimmung mit den Partnern bei der NATO entschieden werden.

Einiges dürfte davon abhängen, ob die geplanten Friedensgespräche zwischen afghanischer Regierung und Taliban-Extremisten vorankommen - beziehungsweise überhaupt erst einmal losgehen. Da sich in Kabul gerade erst zwei Männer gleichzeitig zum Präsidenten erklärten, ist völlig unklar, wer mit den Extremisten reden soll.  

Klar ist: Ziehen die USA auch für die Sicherheit der deutschen Truppen in Nordafghanistan wichtiges Gerät ab, dürfte die Bundeswehr kaum in der bisherigen Stärke dort bleiben. Ende Februar hatten die USA und die Taliban ein Abkommen unterzeichnet. Es sieht Friedensgespräche zwischen afghanischer Regierung und den Extremisten vor. Im Gegenzug sollen die ausländischen Truppen das Land verlassen - wenn die Taliban ihre Zusagen einhalten.  

Diskussion über Bundeswehr-Mandat in Afghanistan
Kai Küstner, ARD Berlin
11.03.2020 11:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 11. März 2020 um 01:12 Uhr.

Korrespondent

Kai Küstner | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

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