Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung "Pro Chemnitz" versammeln sich vor dem Karl-Marx-Denkmal, an dem ein Plakat mit der Aufschrift "Chemnitz ist weder grau noch braun" angebracht ist.  | Bildquelle: dpa

Chemnitz Demos bleiben weitgehend friedlich

Stand: 01.09.2018 22:27 Uhr

Erneut haben in Chemnitz Tausende demonstriert - je nach Lager gegen Fremdenhass oder die Flüchtlingspolitik. Die Stimmung wurde im Laufe des Abends angespannter. Die Polizei meldete aber keine großen Zwischenfälle.

Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot sind in Chemnitz rund 8000 Menschen verschiedener Lager bei mehreren Kundgebungen auf die Straße gegangen. Knapp eine Woche nach den tödlichen Messerstichen und den folgenden ausländerfeindlichen Ausschreitungen nahmen laut Versammlungsbehörde rund 3500 Menschen an einem gemeinsamen Marsch der AfD und des ausländerfeindlichen Bündnisses "Pegida" teil.

Diesem schlossen sich auch Demonstranten der rechtspopulistischen Bürgerbewegung "Pro Chemnitz" an, nachdem deren Kundgebung vom Veranstalter beendet wurde. Er rief dazu auf, sich dem "Trauermarsch" der rechten Gruppen anzuschließen. Auch Björn Höcke, der thüringische AfD-Fraktionsvorsitzende, nahm teil und stellte sich mit einer weißen Rose im Knopfloch in die erste Reihe des Demonstrationszugs.

Björn Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag, nimmt an der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis "Pegida" teil, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben. | Bildquelle: MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/REX/Shutt
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Björn Höcke in der ersten Reihe der AfD-Demo.

Die berittene Polizei kommt an der Karl-Marx-Statue vorbei. | Bildquelle: AP
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Die Polizei setzte auch berittene Einheiten ein.

"Hass ist krass. Liebe ist krasser"

Gleichzeitig kamen zu einer Veranstaltung für Frieden und gegen Ausländerfeindlichkeit den Angaben zufolge rund 4000 Menschen auf einen Parkplatz bei der Chemnitzer Johanniskirche. Das Motto lautete "Herz statt Hetze". Auf Plakaten der Teilnehmer war etwa zu lesen "Kein Platz für Nazis", "Gebt Sachsen nicht auf" oder "Hass ist krass. Liebe ist krasser".

Viele Politiker waren dort: Die Bürgermeisterin und sächsische Landespolitiker, aber auch Bundespolitiker von SPD, Grünen und Linken. Darunter waren die SPD-Vizechefin Manuela Schwesig, die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und der Linken-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch. Sie wollte gegen gegen "Hass, Hetze und Gewalt" demonstrieren, sagte Schwesig. Baerbock mahnte, ein "Angriff auf Demokratie und Rechtsstaatlichkeit" erfordere ein "Aufstehen der ganzen Gesellschaft".

"Gezwungen, unmittelbaren Druck einzusetzen"

Mit Fortschreiten der Kundgebungen wurde die Stimmung in der Stadt angespannter. Der Zug mit rechten Demonstranten kam am frühen Abend nur stockend voran. Nach einem verspäteten Start wurde der Marsch kurz vor dem Denkmal mit dem Karl-Marx-Kopf wieder gestoppt und schließlich unter lautstarkem Protest abgebrochen. Wasserwerfer fuhren auf. Ein Großteil der Teilnehmer weigerte sich trotz mehrfacher Aufforderung, die abgebrochene Kundgebung zu verlassen und stand dem starken Polizeiaufgebot feindselig gegenüber. Die Demonstranten riefen "Widerstand" und "Lügenpresse".

Ein Teilnehmer der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei unter dem Motto "Herz statt Hetze" hält ein Schild in Form eines Herzen hoch | Bildquelle: dpa
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"Herz statt Hetze" lautete das Motto der Friedensdemo.

Menschen protestieren gegen eine Demonstration der Anti-Immigrationspartei AfD in Chemnitz | Bildquelle: REUTERS
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Gegendemo zum AfD-Aufmarsch in Chemnitz.

Wie die Polizei mitteilte, hatten Gegendemonstranten zuvor versucht, auf die Strecke zu gelangen. "Unsere Einsatzkräfte werden teilweise gezwungen, unmittelbaren Zwang einzusetzen! Noch mal unser Aufruf, bitte bleibt gewaltfrei!", schrieb die Polizei bei Twitter. Auch an anderen Stellen der Stadt musste die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben eingreifen.

Gruppe von SPD-Politiker angegriffen

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol berichtet davon, dass eine Besuchergruppe von Rechtsradikalen überfallen wurde. "Meine Gruppe aus Marburg wurde gerade auf dem Weg zum Bus von Nazis überfallen", schrieb der hessische SPD-Politiker bei Twitter. Alle SPD-Fahnen seien "zerstört" worden, einige seiner Begleiter seien "sogar körperlich angegriffen" worden.

Bartol fügte hinzu: "Ich bin entsetzt" und "Was ein Schock". Die Polizei sei "schnell" da gewesen und habe "einen guten Job gemacht". Seine Gruppe sei dann von der Polizei bis zum Bus begleitet worden.

Der Tatort liegt dazwischen

Zwischen den unterschiedlichen Kundgebungen lag der Tatort, an dem vergangene Woche ein 35-Jähriger Mann erstochen wurde. Tatverdächtig sind ein Iraker und ein Syrer, die in Untersuchungshaft sitzen. Erneut legten Bürger Blumen an der Gedenkstelle nieder und zünden Kerzen an. Auch um den Tatort herum musste immer wieder die Polizei einschreiten, um und Auseinandersetzungen zwischen den Lagern zu unterbinden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. September 2018 um 23:30 Uhr.

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