Bundesgesundheitsminister Jens Spahn | Bildquelle: ANDREAS GORA/POOL/EPA-EFE/Shutte

Corona-Medikament Bund kauft neues Antikörper-Mittel

Stand: 24.01.2021 13:31 Uhr

Impfstoffe gegen das Coronavirus gibt es inzwischen viele, Medikamente für Erkrankte sind dagegen noch rar. Gesundheitsminister Spahn hat nun 200.000 Dosen eines Mittels gekauft, das auch Ex-US-Präsident Trump geholfen haben soll.

Die Bundesregierung hat für Deutschland ein neues Corona-Medikament auf Antikörper-Basis gekauft. "Ab nächster Woche werden die monoklonalen Antikörper in Deutschland als erstem Land in der EU eingesetzt. Zunächst in Uni-Kliniken", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn der "Bild am Sonntag" ("BamS"). "Der Bund hat 200.000 Dosen für 400 Millionen Euro eingekauft." Das entspricht einem Preis von 2000 Euro pro Dosis.

Wie wirkt das Antikörper-Medikament?
tagesthemen 22:45 Uhr, 24.01.2021, Claudia Drexel, NDR

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Milderer Verlauf bei Risikopatienten

Die Behandlung mit Antikörpern soll erwachsenen Patienten mit milden oder moderaten Symptomen und einem Risiko für schwere Verläufe zugute kommen. "Sie wirken wie eine passive Impfung. Die Gabe dieser Antikörper kann Risikopatienten in der Frühphase helfen, dass ein schwerer Verlauf verhindert wird", sagte Spahn. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) erfolgt eine Anwendung nach individueller Nutzen-Risiko-Abschätzung der behandelnden Ärzte.

Monoklonale Antikörper werden im Labor hergestellt und sollen das Virus nach einer Infektion außer Gefecht setzen. Monoklonal bedeutet, dass die eingesetzten Antikörper alle gleich sind und das Virus an einem fest definierten Ziel angreifen. "Nach vorliegender Studienlage könnte die Medikation möglicherweise dabei helfen, die Virusmenge im Körper zu begrenzen und so einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben", teilte eine Ministeriumssprecherin mit.

Anwendung auch ohne Zulassung möglich

Den Angaben zufolge hat sich das Ministerium Kontingente von zwei Arzneimitteln gesichert. Es handele sich zum einen um den Antikörper Bamlanivimab, der vom US-Pharmaunternehmen Eli Lilly entwickelt wird, zum anderen um die beiden Antikörper Casirivimab/Imdevimab der US-Firma Regeneron, die gleichzeitig verabreicht werden müssen.

In den USA gibt es für diese Arzneimittel eine Notfallzulassung der Arzneimittelbehörde FDA, in der Europäischen Union sind die Mittel bisher nicht zugelassen. Nach Bewertung der zuständigen Bundesoberbehörde, des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), lasse das ermittelte Sicherheitsprofil eine Anwendung nach individueller Nutzen/Risiko-Einschätzung in Deutschland grundsätzlich zu, wenn geeignete zugelassene Therapiemöglichkeiten fehlten, so das Ministerium. Die Arzneimittel sollen in den kommenden Wochen nach und nach den spezialisierten Krankenhäusern kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Wirkstoff greift Spike-Protein des Virus an

Mit dieser Form der Antikörper wurde dem "BamS"-Bericht zufolge auch der frühere US-Präsident Donald Trump nach seiner Corona-Infektion behandelt. Trump war Anfang Oktober mit dem Antikörper-Cocktail REGN-COV2 von Regeneron behandelt worden.

Der Wirkstoff von REGN-COV2 ist eine Kombination aus zwei speziell entwickelten Antikörpern, die sich an das sogenannte Spike-Protein des Coronavirus binden und so dessen Struktur deformieren können. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass das Coronavirus menschliche Zellen angreifen und sich vermehren kann. Die Kombination aus zwei verschiedenen Antikörpern soll laut Regeneron verhindern, dass der Erregervirus Sars-COV2 mutiert.

Bitte um Verständnis für schwierige Entscheidungen

Spahn warnte im Gespräch mit der Zeitung außerdem vor Schuldzuweisungen bei der Aufarbeitung der Corona-Pandemie. "Über Fehler und Versäumnisse reden ist wichtig. Aber ohne dass es unerbittlich wird. Ohne dass es nur noch darum geht, Schuld auf andere abzuladen", sagte Spahn.

Der Minister hatte bereits zu Beginn der Pandemie im April um Verständnis für schwierige politische Entscheidungen in der Corona-Krise geworben. Im Bundestag sagte er, "dass wir miteinander wahrscheinlich viel werden verzeihen müssen in ein paar Monaten". Neben der Politik werde auch für die Gesellschaft und die Wissenschaft eine Phase kommen, in der man feststelle, dass man vielleicht an der einen oder anderen Stelle falsch gelegen habe oder etwas korrigieren müsse.

"Wir haben dem Virus zu viel Raum gelassen"

Für die hohen Infektionsraten und Todeszahlen in der zweiten Welle der Pandemie tragen nach Spahns Worten Politik und Bürger gemeinsam Verantwortung. "Wir hatten alle zusammen das trügerische Gefühl, dass wir das Virus gut im Griff hätten. Die Wucht, mit der Corona zurückkommen könnte, ahnten wir, wollten es aber in großer Mehrheit so nicht wahrhaben."

Er räumte ein, dass die Bundesregierung und die Länder zu zögerlich bei der Pandemie-Bekämpfung waren: "Wir haben dem Virus zu viel Raum gelassen. Wir hätten schon im Oktober bei geringeren Infektionen härtere Maßnahmen ergreifen müssen." Vor allem einige Ministerpräsidenten hatten sich damals gegen einen härteren Kurs gewehrt, wie ihn Kanzlerin Angela Merkel und viele Virologen befürwortet hatten. Die Skeptiker konnten sich dabei unterstützt fühlen von Teilen der Opposition und der Bürger.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Januar 2021 um 09:00 Uhr.

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