Folgen der Pandemie Sozialverband warnt vor Vereinsamung

Stand: 10.12.2020 12:21 Uhr

Alte, Langzeitarbeitslose oder Alleinstehende - sie sind durch die Kontaktbeschränkungen in Folge der Pandemie besonders von Vereinsamung bedroht. Der Sozialverband Deutschland fordert daher ein Gegensteuern der Politik.

Der Sozialverband Deutschland hat vor den Folgen zunehmender Einsamkeit durch die Corona-Krise gewarnt. Die Pandemie lege "grundlegende Systemfehler und langjährige Fehlentwicklungen" in den Sozialsystemen "wie in einem Brennglas" offen, erklärte Vizepräsidentin Ursula Engelen-Kefer bei der Vorstellung eines Gutachtens zum Thema.

Sie verwies dabei unter anderem speziell auf die Folgen von Kontaktbeschränkungen in Pflegeheimen oder für chronisch Kranke. Auch Langzeitarbeitslose, sehr alte Menschen, von Armut Betroffene und viele Alleinerziehende seien besonders von sozialer Isolation bedroht, fügte Engelen-Kefer hinzu. Die deutsche Gesellschaft sei in dieser Hinsicht schon vor der Corona-Krise tief gespalten gewesen.

Folgen auch für Jugendliche

Die an dem Gutachten beteiligten Experten warnten zugleich vor den Folgen der Corona-Eindämmungsmaßnahmen für junge Menschen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene litten durch Kontaktbeschränkungen besonders, erklärte die Expertin Claudia Neu von den Universitäten Göttingen und Kassel. Allgemein wirke sich außerdem die Schließung von Bildungseinrichtungen und anderen wichtigen Begegnungsorten wie etwa Schwimmbädern, Vereinsheimen und Sportclubs sehr negativ aus.

Besonders gravierend ist das Problem der Einsamkeit nach Einschätzung der Wissenschaftler in ländlich geprägten Regionen. Dort gebe es oft kein ausgebautes barrierefreies Nahverkehrsnetz sowie nur wenige Kultureinrichtungen und soziale Begegnungsorte.

Infrastruktur verbessern

Der Sozialverband forderte daher mehr Geld für Maßnahmen, die soziale Teilhabe besonders einsamkeitsbedrohter Menschen ermöglichen. Die Kommunen müssten beim Aufbau der entsprechenden Infrastruktur unterstützt werden, forderte Engelen-Kefer.

In ihrem Gutachten zitierten die Autoren unter anderem auch aus früheren Erhebungen, wonach sich jeder fünfte Mensch in Deutschland nicht mehr zur Gesellschaft zugehörig fühlt. Eigene Befragungen erfolgten für die Analyse nicht. Sie fasst vielmehr den Erkenntnisstand zusammen und ordnet die aktuellen Entwicklungen ein.

Einsamkeitsstudie vom Sozialverband Deutschland
Kilian Pfeffer, ARD Berlin
10.12.2020 15:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Dezember 2020 um 15:15 Uhr.

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