Fragen und Antworten

Rettungskräfte stehen vor einer Schule in Iserlohn.  | Bildquelle: dpa

SARS-CoV-2 Coronavirus - und nun?

Stand: 10.03.2020 10:10 Uhr

Die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland steigt, Grund zur Panik gibt es aber nicht. Wichtig ist, die Ausbreitung einzudämmen. Wie gelingt dies am besten, und wann muss jemand in Quarantäne? Antworten auf diese und andere Fragen gibt es hier.

Alles einklappen

Wie ist die aktuelle Situation?

Wie geht die Bundesregierung mit der Corona-Epidemie um?

Die Bundesregierung hat einen gemeinsamen Krisenstab gebildet aus dem Gesundheits- und dem Innenministerium. Das Bundesgesundheitsministerium stimmt sich eng mit den Länder-Ministerien sowie dem Robert-Koch-Institut ab, das in Deutschland federführend auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention ist. Das Bundesinnenministerium ist unter anderem für Bevölkerungsschutz, Krisenmanagement und die Bundespolizei zuständig.

Zuständig sind zunächst die Behörden der Länder einschließlich der Gesundheitsämter. Spitzt sich die Lage - wie momentan - zu, übernimmt der Krisenstab der Bundesregierung.

Welche Maßnahmen können die Behörden ergreifen?

Das Wesentliche regelt das bundesweit gültige Infektionsschutzgesetz. Wenn es darum geht, die Ausbreitung einer Krankheit einzudämmen, geht es zum einen um umfangreiche Kontrollmaßnahmen etwa in Verkehrsmitteln wie Flugzeugen, Bussen oder Bahnen. Per Verordnung kann etwa geregelt werden, dass Bahnreisende beim Überschreiten der Grenze kontrolliert werden und bis zur Klärung eines Krankheitsverdachts nicht weiterreisen dürfen. Zum anderen dürfen Veranstaltungen oder Ansammlungen verboten werden. Personen kann zudem vorgeschrieben werden, einen Ort nicht zu verlassen.

Behörden können zudem Blutentnahmen und Abstriche von Schleimhäuten verlangen. "Krankheitsverdächtigen" und "Ansteckungsverdächtigen" kann ein Berufsverbot auferlegt werden.

Welche Symptome verursacht das neue Coronavirus?

Bei vielen Menschen zeigen sich nur leichte Erkältungssymptome mit Frösteln, Halsschmerz und gegebenenfalls Fieber. Hinzu kommen können Husten, Kopfschmerzen und Durchfall. Bei schweren Verläufen können Atemprobleme oder Lungenentzündung hinzukommen.

Die Inkubationszeit - also die Zeit zwischen Infektion und Beginn erster Symptome - beträgt nach derzeitigem Stand meist zwei Wochen. Das ist der Grund dafür, dass Verdachtsfälle zwei Wochen isoliert werden.

Coronavirus, Sars-CoV-2 und Covid-19

Coronavirus ist die geläufigste Bezeichnung für das neuartige Virus aus China. Dessen offizieller Name, den die WHO festgelegt hat, lautet Sars-CoV-2. Die aus dem Virus resultierende Lungenkrankheit heißt Covid-19.

Was sollten Personen tun, die Sorge haben, sich mit Coronavirus angesteckt zu haben oder aus offiziellen Risikogebieten zurückkehren?

Wer unabhängig von einer Reise Kontakt zu einer Person hatte, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollte sich unverzüglich - auch symptomfrei - an sein zuständiges Gesundheitsamt wenden. Dieses kann über eine Datenbank des Robert-Koch-Instituts (RKI) ermittelt werden.

Wer sich in einem vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet aufgehalten hat, sollte - auch wenn er oder sie keine Krankheitsanzeichen hat - unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zuhause bleiben.

Wer etwa 14 Tage nach einer Reise oder auch unabhängig davon Krankheitssymptome wie Fieber, Husten und/oder Atemnot entwickelt und vermutet, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte zunächst seine Ärztin oder seinen Arzt telefonisch kontaktieren und keinesfalls die Praxis aufsuchen. Ist der Hausarzt nicht erreichbar, dann die Notfallnummer 116117 wählen. Geht es dem Betroffenen sehr schlecht, sollte der Notruf 112 gewählt werden.

Was bedeutet eine Quarantäne?

Verhängt das Gesundheitsamt eine Quarantäne, muss diese beachtet werden. "Die Betroffenen müssen Folge leisten und dürfen die Quarantäne nicht verlassen", sagt Dr. Rudolf Ratzel von der Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht im Deutschen Anwaltsverein (DAV). Hält sich der Betroffene nicht daran, kann die Anordnung des Gesundheitsamts sogar gerichtlich und mit Polizeigewalt durchgesetzt werden. Die behördlichen Befugnisse gehen sogar so weit, dass Betroffene, die sich offenbar nicht an die Isolationsmaßnahmen halten, etwa im Krankenhaus eingeschlossen werden dürfen. Nötig ist für eine derartige Zwangsmaßnahme aber eine richterliche Anordnung.

Immer gilt jedoch das Prinzip der Verhältnismäßigkeit. Die Maßnahmen müssten personell, räumlich und zeitlich bestimmt und begrenzt sein, erläutert etwa der Bayreuther Staatsrechtler Stephan Rixen. Dass hierzulande wie in China ganze Städte komplett abgesperrt werden, hält etwa der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, für unwahrscheinlich.

Was ist mit dem Lohnausfall während einer Quarantäne?

Sollte es wirklich einmal dazu kommen, muss in dieser Zeit niemand um sein Gehalt bangen. Wer am Coronavirus erkrankt ist und zuhause bleiben muss, bekommt weiterhin sein Gehalt gezahlt: Bei Covid-19 gelten die gleichen Regeln wie sonst im Krankheitsfall.

Wer nicht krank ist, aber trotzdem einer Quarantäne-Anordnung unterliegt, hat laut dem Infektionsschutzgesetz einen Entschädigungsanspruch in Höhe des Verdienstausfalls. Die Entschädigung hat der Arbeitgeber zu zahlen, der sich das Geld von der Behörde erstatten lassen kann. Diese Regelung gilt auch dann, wenn die Quarantäne nur vorbeugend angeordnet wurde. Auch Selbstständige können sich ihren Verdienstausfall erstatten lassen, müssen dies aber selbst bei der Behörde beantragen.

Was muss ich bei der Krankmeldung beachten?

Krankmeldungen sind zur Entlastung der Ärzte vorübergehend einfacher möglich: Patienten mit leichten Erkrankungen der oberen Atemwege können sich nach telefonischer Rücksprache mit ihrem Arzt bis zu sieben Tage krankschreiben lassen. Patienten müssen dafür nicht die Arztpraxen aufsuchen. Die Regelung gilt für Patienten, die keine schwere Symptomatik vorweisen oder offizielle Kriterien für einen Verdacht auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus erfüllen. Diese Vereinbarung gilt zunächst bis 5. April.

Wie ansteckend ist das Coronavirus?

Das Virus verbreitet sich von Mensch zu Mensch hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion - also wenn man zum Beispiel direkt angehustet oder angeniest wird. Aber auch sogenannte Schmierinfektionen können als Ansteckungsweg nicht ausgeschlossen werden. Dabei werden Erreger über eine Kette von Berührungen weitergereicht. Die neuartigen Coronaviren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob das neuartige Coronavirus auch über den Stuhl verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt.

Das neuartige Coronavirus vermehrt sich im oberen Rachenbereich. Bei den oberen Atemwegen ist der Ansteckungsweg deutlich kürzer, als wenn ein Erreger erst von der Lunge eines Patienten in die Lunge eines anderen Menschen gelangen muss. Auch Grippeviren vermehren sich im Rachen.

Der Erreger ist deutlich infektiöser als anfangs angenommen. Denn inzwischen gehen Virologen davon aus, dass auch gänzlich symptomfreie Menschen die Erreger weiter verbreiten, also andere Menschen anstecken können.

Für wen ist eine Ansteckung gefährlich?

Der aktuelle Stand der Forschung ist: Vor allem für junge Menschen oder Menschen im mittleren Alter ist das Virus nicht lebensgefährlich, wenn sie grundsätzlich gesund sind. Die meisten Erkrankten zeigen vermutlich nur einen Infekt der oberen Atemwege, also erkältungsähnliche Symptome. Noch ungeklärt ist, warum die Krankheit bei manchen Patienten einen sogenannten Etagenwechsel vollzieht, sich also auf die Lunge legt und dort schwere Symptome auslöst. Und warum auch Ärzte und Pflegepersonal in China schwer erkrankt oder sogar gestorben sind.

Von den gut dokumentierten Fällen leiten die Experten ab: Gefährlich ist das Coronavirus für ältere Menschen und für jene mit Vorerkrankungen. Es gibt kaum schwere Verläufe bei Kindern und Jugendlichen. Männer sind ein wenig stärker betroffen als Frauen.

Wie kann man sich schützen?

Verzichten Sie auf das Händeschütteln! Gründliches Händewaschen und natürlich Abstand halten, sind zudem zwei Grundregeln. Mindestens 1,5 Meter sollte der Abstand zu Erkrankten betragen, erklärt der Virologe Schmidt-Chanasit gegenüber tagesschau.de.

Außerdem sollte die sogenannte Husten- und Nies-Etikette eingehalten werden:

  • Beim Husten oder Niesen mindestens einen Meter Abstand von anderen Menschen halten und sich wegdrehen.
  • Am besten ein Einwegtaschentuch benutzen - nur einmal verwenden und anschließend in einem Mülleimer mit Deckel entsorgen. Wird ein Stofftaschentuch benutzt, sollte dies anschließend bei 60°C gewaschen werden.
  • Nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten gründlich die Hände waschen.
  • Ist kein Taschentuch griffbereit, kann in die Armbeuge geniest werden.

Desinfektionsmittel sind eine gute Unterstützung beim Händewaschen. Das Robert Koch-Institut schreibt dazu:

"Zur chemischen Desinfektion sind Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit, mit dem Wirkungsbereich 'begrenzt viruzid' (wirksam gegen behüllte Viren), 'begrenzt viruzid PLUS' oder 'viruzid' anzuwenden."

Generell werden die Maßnahmen empfohlen, die grundsätzlich bei ansteckenden Krankheiten ratsam sind. So sollten akut Erkrankte möglichst zu Hause bleiben, um sich auszukurieren, damit das Virus nicht weiterverbreitet wird.

Helfen Atemschutzmasken gegen eine Ansteckung?

Hier ist sich die Forschung einig: Für gesunde Menschen ergibt es keinen Sinn, eine Maske zu tragen. Sie ist natürlich eine mechanische Barriere gegen Tröpfcheninfektion. Aber: Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie in der Münchner Klinik, die deutsche Patienten behandelt hatte, weist darauf hin, dass Masken nicht geeignet sind, um dauerhaft dahinter ein- und auszuatmen:

"Im Übrigen darf ich darauf hinweisen, dass die Befeuchtung der Maske den Barriereschutz schon im Bereich von 20 Minuten aufhebt. Da gibt es ganz klare Hinweise, dass langes Tragen vom Masken sinnlos ist."

Anders ist die Situation für Ärzte, die zum Beispiel eine Isolierstation betreten, und sich und bereits erkrankte Patienten vor weiteren Infektionen schützen - und die Maske nur kurz tragen.

Was ist über die Sterberate bekannt?

In der chinesischen Stadt Wuhan, dem Ursprungsort der Epidemie, lag die Sterberate laut WHO bei zwei bis vier Prozent. Als an anderen Orten in China Menschen erkrankten, waren die Behörden bereits zu zuverlässigeren Tests auf das Virus in der Lage und konnten Patienten mit milderen Krankheitsverläufen erfassen - also mehr Fälle. In der Folge lag die Todesrate im Rest des Landes deutlich niedriger: bei 0,7 Prozent - das entspricht sieben Tote auf 1000 Infizierte.

Zum Vergleich: Die Sterberate bei der saisonalen Grippe liegt im Durchschnitt bei etwa 0,1 Prozent. Selbst wenn die korrekte Zahl für das Coronavirus bei 0,7 Prozent liegt, ist das immer noch mehr als in einer durchschnittlichen Grippesaison.

Wie sinnvoll ist ein Vergleich mit der Grippe?

Der Vergleich macht zumindest deutlich, dass die gesundheitliche Bedrohung durch das Virus für die meisten keinen Grund zur Panik darstellen sollte. Das sagt selbst der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, der die Situation im Prinzip eher als besorgniserregend einstuft:

"Wir sind noch weit davon entfernt, auf dem Niveau der Grippe zu sein, der saisonalen Influenza, wo wir weltweit ungefähr 650.000 Tote im Jahr haben. Das kann sich in den nächsten Wochen ändern."

Das RKI informierte am 05.03.2020 über den Stand der Grippe in Deutschland: So wurden seit Oktober knapp 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das Institut gemeldet, rund 200 Menschen seien bereits daran gestorben. Rund 17 Prozent der Erkrankungen verlief so schwer, dass die Patienten in ein Krankenhaus eingeliefert wurden.

Grippe-Gefahr
galerie

Gegen die Grippe kann bereits geimpft werden. Zudem haben viele Menschen schon Antikörper gegen Grippeviren gebildet.

Bei der Grippe machen sämtliche Isolierungsmaßnahmen wenig Sinn, weil das Virus in verschiedenen Ausprägungen längst verbreitet ist und an jeder Türklinke lauern kann. Eine Ansteckung ist damit also viel gefährlicher.

Der entscheidende Unterschied ist, dass viele Menschen vermutlich längst Antikörper gebildet haben. Außerdem gibt es Impfstoffe für die Risikogruppen. Vor allem in Zeiten einer schweren Grippewelle wie vor zwei Jahren wurden zehn Millionen zusätzliche Arztbesuche in Deutschland gezählt. Deshalb ist es jetzt wichtig, Zeit zu gewinnen, bis die aktuelle Grippesaison abklingt. Denn eine doppelte Last - Grippe und Coronavirus - könnte das Gesundheitssystem nur schwer stemmen.

Epidemie und Pandemie

Eine Epidemie bezeichnet in der Regel eine Erkrankungswelle. Bestimmte Erkrankungsfälle mit der gleichen Ursache treten vermehrt auf, heißt es vom Robert Koch-Institut. Eine Epidemie ist zeitlich und räumlich begrenzt.

Für eine Pandemie gibt es keine eindeutige Definition, oft ist damit die Ausbreitung einer Krankheit über mehrere Kontinente oder weltweit gemeint. Die WHO definiert eine Pandemie als eine Situation, in der die gesamte Weltbevölkerung potenziell einem Erreger ausgesetzt ist - und das Risiko besteht, dass "ein Teil von ihr erkrankt". Die Einstufung als Pandemie sagt aber nichts darüber aus, wie ansteckend oder tödlich die jeweilige Krankheit ist. Der Pandemiebegriff setzt sich aus den altgriechischen Wörtern "pan" für "alles" und "demos" für "Volk" zusammen.
In den vergangenen Jahrzehnten hat die WHO immer wieder von Pandemien gesprochen, wenn Krankheiten sich über Grenzen hinweg ausbreiteten. So wurden etwa der Ebola-Ausbruch ab 2013 in Westafrika und die Schweinegrippe in den Jahren 2009 und 2010 als Pandemien eingestuft.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. Februar 2020 um 11:00 Uhr.

Darstellung: