Ein Mann schaut sich in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac einen Träger mit Bakterien an, aus denen DNA und anschließend RNA gewonnen wird (gestellte Szene). | Bildquelle: dpa

Corona-Forschung Sind Patienten nach der Genesung immun?

Stand: 26.03.2020 17:26 Uhr

Tausende Corona-Patienten sind inzwischen wieder genesen. Aber sind sie damit auch immun gegen eine Neuansteckung? Forscher - unter anderem in Köln - versuchen, darauf eine eindeutige Antwort zu finden.

Von Jan Koch, WDR

Auf diesen Moment hat sie sich zwei Wochen lang gefreut. Emily Jürgens darf wieder raus, spazieren gehen. "Ich freue mich so sehr und genieße jeden Sonnenstrahl. Ich habe zuerst einmal meine Eltern umarmt. Das war ein wunderbares Gefühl."

Die Berliner Jura-Studentin lebt noch bei ihren Eltern. Dort hatte sie sich die vergangenen 14 Tage in ihrem Zimmer einsperren müssen. Sie hatte Corona. Jetzt ist sie wieder gesund. Aber ist sie auch immun?

Immunität "sehr wahrscheinlich"

Die meisten Virologen sagen, dass die Wahrscheinlichkeit immun zu sein, "sehr wahrscheinlich ist" - so auch die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Institut. "Wir wissen, dass die Patienten eine Immunantwort haben, aber wie lange diese aufrecht erhalten bleibt, wissen wir nicht. Wir kennen das Virus erst seit Mitte Januar."

Eine eindeutige Antwort darauf, versucht die Forschung gerade zu finden. Hierbei ist die Forschung mit Antikörpern essentiell. Erste Tests konnten Antikörper bei einer wieder genesenen Patientin nachweisen. Auch Tests mit Makaken zeigen, dass nach einer ersten Infektion mit dem neuen Coronavirus eine erneute Infektion nicht stattfand - und das obwohl sie einem Vielfachen des Virus ausgesetzt waren. Die Makaken waren immun.

Keine verlässlichen Ergebnisse bei Schnelltests

Eines der führenden Institute, was die Erforschung von Immunität angeht, ist die Universitätsklinik in Köln. Florian Klein forscht hier mit einem Team an der Entwicklung von Antikörpern. "Was wir aktuell machen, ist zu untersuchen, welche Antikörper und welche Immunantwort sich bilden", erklärt Klein. "Wir untersuchen, wie wirksam die Zellkulturbedingungen eine Infektion verhindern können. Wenn wir in den Blutgruppen schauen, dann können wir sehen, ob sich Antikörper gebildet haben. Wir können dann sagen, ob in der Vergangenheit eine Infektion stattgefunden hat."

Antikörpertests befinden sich gerade in der Entwicklung. Ziel sei es, einen verlässlichen Test zu finden. Schnelltests könnten zum Teil keine verlässliche Aussage treffen. "Es ist ein Feld, was noch am Anfang ist, wo wir in den nächsten Wochen und Monaten Genaueres erkennen werden", so der Kölner Virologe Klein.

Mittel gegen andere Krankheiten werden getestet

Neben der Erforschung sinnvoller und verlässlicher Testwege, um die Immunität nachzuweisen, versuchen viele Institute in der Welt, Medizin und Impfstoffe zu entwickeln. Momentan gibt es noch keine Therapieform, die explizit für Covid-19-Patienten geeignet ist.

Es werden jetzt allerdings Medikamente an Corona-Patienten getestet, die eigentlich gegen andere Viren wie Ebola oder HIV wirken. Das Robert Koch-Institut sagt, es könnte ein wirksames Mittel in absehbarer Zeit zur Verfügung stehen.

Tests in Tübingen ab Sommer?

In Sachen Impfstoff steckt das Tübinger Unternehmen CureVac gerade in der heißen Entwicklungsphase. Dort geht man davon aus, schon bald testen zu können, erzählt der Vorstandsvorsitzende Franz-Werner Haas:

"Wir arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung eines Impfstoffes, um Menschen weltweit vor dem neuartigen Coronavirus zu schützen. In präklinischen Tests haben wir bereits die erfolgversprechendsten Impfstoffkandidaten aus mehreren Konstrukten ausgewählt. Daher sind wir optimistisch, im Frühsommer 2020 die klinische Phase 1-Studie an gesunden Menschen beginnen zu können, um zu testen, ob unser Impfstoff sicher sowie gut verträglich ist und Menschen vor dem Virus schützt."

Ohne Impfstoff wird jemand nur immun, der krank war und wieder genesen ist. Das sei der Stand der Dinge, wobei das Ziel ein anderes sei, betont Florian Klein von der Uniklinik Köln: "Wir möchten jede Infektion verhindern, weil jede Infektion auch einen schweren Verlauf und Risikogruppen einhergehen kann. Immunität ist unser Ziel durch eine wirksame Impfung."

Impfstoff wohl nicht vor 2021

Es gibt in eine gute Basis - auf die sich auch weitere Unternehmen in der Welt stützen, die an der Entwicklung eines Impfstoffes sitzen. Denn erste Entwicklungen gab es bereits für den SARS-Virus, an dem Anfang der 2000er-Jahre Viele erkrankten.

Experten gehen davon aus, dass erst Anfang 2021 ein geeigneter Impfstoff entwickelt, getestet und auf den Markt gebracht wird.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. März 2020 um 17:00 Uhr.

Korrespondent

Jan Koch | Bildquelle: Jan Koch Logo WDR

Jan Koch, WDR

@janvkoch bei Twitter
Darstellung: