In einem Fahrzeug der Ruhrbahn bestreicht ein Mitarbeiter einen Haltegriff mit einem Spezialmittel.  | Bildquelle: dpa

Test in Bussen und Bahnen Mit Klarlack gegen das Coronavirus

Stand: 11.06.2020 07:48 Uhr

Aus Angst vor Ansteckung meiden viele Menschen seit Wochen öffentliche Verkehrsmittel. Die Deutsche Bahn will mit einer Hygieneoffensive Vertrauen schaffen. Die Essener Ruhrbahn hat eine andere Idee: Klarlack.

Von Jens Eberl, WDR

Die Idee klingt gut: Ein spezieller Lack wird an den Haltegriffen in Straßenbahnen und Bussen aufgetragen. Fällt Licht auf die Farbe, sollen die Viren automatisch zerstört werden. Das Mittel heißt Dyphox. "Bei einer Einstrahlung von Licht bildet es eine leichte Schicht auf dem Gegenstand, die aus Sauerstoff besteht und dadurch kann das Virus abgetötet werden", sagt Ruhrbahn-Betriebsleiter Martin Dreps.

In vier Bussen und jeweils zwei Straßen- und U-Bahnen des Essener Unternehmens werden zum Beispiel Lenkräder, Handgriffe und Haltestangen beschichtet. Entwickelt wurde die Technologie in Regensburg und dort von der Universität erfolgreich getestet.

Deutsche Bahn mit Hygieneoffensive

Auch die Deutsche Bahn verwendet viel Energie, um Flächen möglichst keimfrei zu halten. Vergangene Woche stellte sie einen Feldversuch in Düsseldorf vor. Hier gibt es nun keimfreie Handläufe durch UV-Licht und einen übergroßen "Hygiene-Tower" mit Waschbecken auf dem Bahnhofsvorplatz. "Wir arbeiten kräftig daran, das Vertrauen der Menschen auch in einer Pandemie aufrechtzuerhalten", sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst bei einer Vorstellung des Projekts.

Wüst und Vertreter der Bahn stellten unter anderem UV-Licht-Anlagen in den Rolltreppen vor, die Viren und Bakterien auf den Handläufen abtöten sollen. Noch seien allerdings nicht alle Rolltreppen mit der Technik ausgestattet. Der Düsseldorfer Bahnhofsmanager Peter Grein versicherte, dass "25 Mitarbeiter des Reinigungsteams 24 Stunden, sieben Tage die Woche" im Dienste der Sauberkeit im Einsatz seien. Oft genutzte Kontaktflächen wie Fahrkarten-Automaten oder die Displays würden regelmäßig desinfiziert.

Eine Rolltreppe an einem Bahnhof mit der Aufschrift: "Keimfreier Handlauf durch UV-Licht" | Bildquelle: dpa
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UV-Licht soll die Handläufe von Rolltreppen an Bahnhöfen virenfrei halten.

Gefahr vor allem durch Übertragung in der Luft

Im Schnitt würden die Bahnen drei Mal täglich gereinigt, erläutert der Vorsitzende der DB Regio NRW, Frederik Ley. "Wir haben mehr Kollegen reingeholt und setzen den Fokus bei der Reinigung auf Kontaktflächen." Bei Strecken mit vollen Bahnen kämen die Reinigungskräfte auch öfter zum Einsatz. Vor der Corona-Krise hätten sie in der Regel zwei Mal täglich die Bahnen sauber gemacht. Allerdings gebe es keinen Hinweis darauf, dass Busse und Bahnen Hot-Spots von Infektionsübertragungen seien. "Natürlich haben viele Fahrgäste weiterhin ein mulmiges Gefühl", bestätigt der Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn NRW.

Unter Experten ist umstritten, wie wichtig es ist, die Haltestangen Corona-frei zu halten, "denn Viren werden nur selten über Oberflächen übertragen und viel häufiger über sogenannte Aerosole in der Luft", so Hygieniker Rudolf Eckert. Der Leiter der Klinik-Hygiene im Essener Krupp Krankenhaus ist skeptisch, ob der Lack wirklich einen Effekt hat.

Wichtig sei es deshalb, dass auch in der Bahn Abstand gehalten werde und die Züge nicht überfüllt seien. Durch einen konstanten Luftaustausch lässt sich die Gefahr der Übertragung durch Aerosole verringern. Die Essener Ruhrbahn will deshalb auch neben dem Lackexperiment dafür sorgen, dass die Wagen öfter durchlüftet werden.

Die größte Gefahr durch das Virus droht übrigens dem Nahverkehr selbst. Durch den dramatischen Rückgang der Fahrgäste in den vergangenen Monaten sind Verluste in Millionenhöhe angefallen. Das wieder auszugleichen, dürfte schwierig werden. Um hier wieder mit guten Zahlen zu glänzen, braucht es mehr als Klarlack.

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