Pressekonferenz Merkel | Bildquelle: AFP

Corona-Krisenkommunikation Im Erklärmodus

Stand: 03.11.2020 10:36 Uhr

Pressekonferenzen, Regierungserklärung, Podcast - Corona-Krisenkommunikation auf allen Kanälen. Nicht nur die Kanzlerin ist im ungewohnten Erklärmodus.

Von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

Bundeskanzlerin Angela Merkel kommuniziert über Pressekonferenzen, über eine Regierungserklärung im Bundestag, jeden Samstag über ihren Podcast. Direkte Bürgerformate gibt es höchstens in Wahlkampfzeiten, doch reicht das für die Krisenkommunikation in der Corona-Pandemie aus? Eher nicht - und das weiß Merkel auch.

"Ich glaube, dass ich verschiedene Formate unter Corona-Bedingungen genutzt habe, dazu können auch andere Formate kommen. In den letzten Tagen war auch sehr viel Arbeit zu leisten, damit wir erst mal zu solchen Beschlussfassungen kommen. Also: Alles hat seine Zeit, würde ich sagen." Das war am vergangenen Mittwochabend, als mal wieder Zeit für eine Pressekonferenz war. Merkel und die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen hatten gerade die massiven Corona-Maßnahmen im November beschlossen.

Im März ist es für sie Zeit für eine Fernsehansprache, ein Aufruf zu Solidarität und Disziplin. Jetzt, einige Monate später mit Blick auf Herbst und Winter, eine ungewöhnliche Aktion im Netz: Merkels Podcast vom 17. Oktober wird eine Woche später nach wenigen einleitenden Worten wiederholt. Das kann man als Aufruf verstehen: Es ist mir ernst, hört endlich zu.

Erklären, antworten, werben

Und auch Merkels kurzfristig anberaumte Pressekonferenz zum Start der November-Regeln fällt aus dem Rahmen. Normalerweise sind ihre Auftritte lang vorher angekündigt, dieses Mal nicht. Über eine Stunde lang beantwortet sie Fragen, bringt Fakten, rechnet vor, wirbt um Solidarität und darum, gemeinsam den November zu einem Wendepunkt zu machen. Manchmal wird sie sogar ein wenig emotional:

"Schwer bleibt es. Kein Mensch hat sich so etwas gewünscht. Nur wir können ja nicht zusehen, wie wir dann sozusagen Menschenleben opfern."

Dass die Kanzlerin ganz zu Beginn der Pandemie mal in Quarantäne war - vorsichtshalber - ist schon fast vergessen. Dass es inzwischen einen Minister gibt, der infiziert war, nicht. Jens Spahn, als Bundesgesundheitsminister ganz vorn dabei in der Krisenbewältigung und -kommunikation, war bis Sonntag zuhause isoliert. Begleitet auch von Häme im Netz - ob er sich denn nicht gut genug geschützt habe? Spahn lässt sich aus dem Homeoffice in Fernsehsendungen zuschalten, gibt Interviews mit persönlichem Anstrich, der Spitzenpolitiker als Betroffener, wie hier im ZDF:

"Es macht einen Unterschied, ob man zehn Monate darüber redet und politisch agiert in dieser Pandemie, oder ob man es selber hat, das macht einen noch ganz anders demütig."

Spahn sieht seine Ansteckung als Beweis dafür, dass man das Risiko durch Einhaltung der AHA-Regeln reduzieren, aber eben nicht auf Null fahren kann. Deshalb auch die Einschränkungen für den November. Nur nicht warten, bis es zu spät ist und das Gesundheitswesen an seine Grenzen stößt.

Jens Spahn | Bildquelle: dpa
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Er habe durch seine eigene Corona-Erkrankung einen anderen Blick auf die Pandemie gewonnen, sagt Spahn. Die Erfahrung habe ihn "demütig" gemacht.

Krisenkommunikation auch in den Ländern

Werbende Worte für die strengen Corona-Auflagen kommen auch vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, über eine Ansprache im Fernsehen:

"Wir haben uns beraten lassen, lange diskutiert, alles miteinander abgewogen. Und wir mussten einsehen: Es geht nicht anders."

Und der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, stellt sich im WDR eine Stunde lang den Fragen der Hörerinnen und Hörer. Was ist mit der Schulen? Was mit den Künstlern? Wie sieht es mit den Entschädigungen aus? Laschets Appell: Alle müssen mitmachen.

"Wenn jeder nur sein kleines Schlupfloch im Gesetz sucht und sich trotzdem anders verhält, dann werden wir das nicht schaffen. Wir schaffen es nur, wenn jeder für sich auch sagt: Ok, diese vier Wochen nur die allernötigsten Kontakte."

Die Spitzenpolitiker aus Bund und Ländern im Erklärmodus - weil sie alle genau wissen: Jede Regel ist nur so gut, wie sie eingehalten wird. Und das am besten bereitwillig und ohne Druck.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 03. November 2020 um 06:36 Uhr.

Korrespondentin

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Birgit Schmeitzner, BR

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