Debatte um Schnelltests Chance auf ein "Stück Freiheit"

Stand: 15.02.2021 19:12 Uhr

Beim Impfen läuft es nicht rund, nun will die Regierung Schnelltests für zu Hause vorantreiben. Anfang März könnten sie zugelassen werden. Die FDP macht Druck auf die Bundesregierung.

Von Angela Tesch, ARD-Studio Berlin

Fünf mal in der Nase bohren, das Wattestäbchen vorsichtig in eine Pappkarte mit Vertiefung schieben und Lösungsmittel darauf tropfen: So einfach geht ein Schnelltest, den Schulkinder in Österreich selber machen. Nach 15 Minuten zeigt ein roter Streifen das negative Ergebnis, zwei Streifen ein positives.

Vom Corona-Schnelltest für zu Hause wird in Deutschland schon lange geredet. FDP-Chef Christian Lindner hat den Eindruck, "dass die gewisse Schläfrigkeit, die es beim Impfen gegeben hat, sich jetzt gerade wiederholt bei der Frage, wie Selbst-und Schnelltests eingesetzt werden."

Bei den Herstellern Kontingente gesichert

Der Finanzminister widerspricht am Wochenende in der ARD-Sendung Anne Will. Er habe gerade mit dem Gesundheitsminister darüber gesprochen. "Wir sorgen gerade dafür, dass in riesiger Menge die Zahl der Testmöglichkeiten ausgeweitet werden kann, damit man so was machen kann", sagt Olaf Scholz.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat die Schnelltests für jedermann bislang zurückhaltend bewertet. Erst Anfang Februar hat er die Testverordnung geändert, so dass zum Beispiel Lehrer angelernt werden können, um das Kollegium zu testen.

Spahn will Selbst-Tests nur zulassen, wenn sie eine hohe Qualität aufweisen und sicher und leicht anzuwenden sind. Und zwar für jeden und jede. Spahns Sprecher wiederholte das heute in Berlin. Man habe sich bei den Herstellern Kontingente für Schnelltests gesichert: "Aber jetzt müssen wir die Zulassung für die Selbst-Tests abwarten, bevor wir da weiter drüber sprechen, wie man eventuell Kontingente sichern kann."

Erste Zulassungen wohl Anfang März

Eventuell Kontingente sichern? Anders als beim Impfstoff geht der Staat bei den Selbst-Tests nicht ins Risiko und investiert vor der Zulassung. Die ist langwierig und entweder mit einer CE-Kennzeichnung für Europa zu bekommen, wie man es auch von FFP-2-Masken kennt.

Doch CE-geprüft ist noch kein Selbst-Test. Schneller geht es per Sonderzulassung durch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte. Das kann bei besonderem medizinischen Bedarf eine Zulassung nur für Deutschland erteilen, die zeitlich befristet ist. Auch das Paul-Ehrlich-Institut muss die vorgelegten Daten begutachten. Knapp 30 Firmen haben eine solche Zulassung beantragt. In zwei Wochen - Anfang März - rechnet das Amt mit den ersten Zulassungen. 

Grünen-Chefin will vor allem Schüler testen

Grünen-Chefin Annalena Baerbock fordert eine Teststrategie, bei der vorrangig in Schulen getestet wird. Schließlich öffnen nun nach und nach immer mehr Schulen: "Das heißt Kinder und Lehrkräfte werden jeden 2. Tag getestet mit Selbst-Tests, es gibt jetzt die Gurgel-Tests, die Spuck-Tests - das können auch Siebenjährige", so Baerbock. Österreich habe das schon gemacht. "Wir haben zehn Millionen Schüler, die kommen ja nicht alle auf einmal."

Rund ein Drittel werde zunächst zum Präsenzunterricht kommen. Allein für diese Schüler würden nach Rechnung der Grünen-Politikerin in den nächsten zehn Wochen 25 Millionen Tests gebraucht.

"Impfausweis für einen Tag"

Christian Lindner spricht von einer großen Chance, mit der ein Stück Freiheit zurückgewonnen werden kann. Weil jeder negativ Getestete, "sozusagen einen Impfausweis für einen Tag bekommt. Dann am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, das in der Schule nutzen kann. Das kann eine echte Chance sein, wie wir mit dem Virus Freiheit erreichen können, selbst wenn noch nicht alle geimpft sind."

Allerdings bergen diese Tests zu Hause - ob in der Nase oder per Spucke - auch Risiken. Bei vielen falsch negativen Ergebnissen, könnten Menschen in der Annahme, nicht infiziert zu sein, andere anstecken. Nach den ersten Zulassungen wollen Bund und Länder beraten, welche Rolle solche Tests spielen sollen bei der Pandemiebekämpfung, heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium.

 

Wann kommen Corona-Tests für Laien?
Angela Tesch, ARD Berlin
15.02.2021 18:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Februar 2021 um 18:19 Uhr.

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