Grundschulklasse | Bildquelle: dpa

Karliczek zu Schulöffnungen Zurück zum Alltag - notfalls im Container

Stand: 30.05.2020 11:44 Uhr

Wie soll der Schulalltag nach den Ferien aussehen? Geht es nach Bildungsministerin Karliczek, sollen Schülerinnen und Schüler wieder verlässlich unterrichtet werden. Die Sommerpause müsse genutzt werden, um nach Lösungen zu suchen.

Für die Schülerinnen und Schüler in Deutschland endet das Schuljahr in den kommenden Wochen so, wie es seit Anfang März läuft: im Corona-Ausnahmemodus. Zwar wird es Zeugnisse geben, doch die Noten entstehen nach einer überschaubaren Anzahl von Präsenztagen, die es inzwischen an den Schulen wieder gibt. Klassenarbeiten konnten seit Monaten nicht mehr geschrieben werden, der Kontakt zwischen Lehrerschaft und Schülern beschränkte sich gezwungenermaßen auf Telefonate oder Online-Chats.

Nach den Sommerferien soll das anders werden, fordert Bildungsministerin Anja Karliczek. Sie plädiert für eine Rückkehr zum verlässlichen Unterricht. Jede Schule in jedem Land müsse sich ein Ziel setzen, so die Ministerin in der "Rheinischen Post": "Nach den Ferien muss überall ein strukturierter Unterricht angeboten werden - und zwar so, dass möglichst ein volles Schulprogramm gewährleistet ist. Wie auch immer." Die Eltern seien vielfach am Limit, und auch die Schüler litten.

Unterricht notfalls auslagern

Sie wisse um die Schwierigkeiten, räumte die Ministerin ein. "Aber wir leben einfach in einer Ausnahmesituation", und da müsse jetzt alles mobilisiert werden. Es müsse vor Ort intensiv an Lösungen gearbeitet werden, damit der Schulbetrieb "mit einer Mischung aus Präsenz- und Digitalunterricht" wieder umfassend laufen könne. Raumnot als Argument lässt Karliczek nicht gelten. "Die Sommerferien können die Schulen auch nutzen, mehr Raumkapazitäten zu schaffen, indem sie zum Beispiel Container aufstellen."

Sie begrüßte auch den Vorschlag des Bundeselternrats, für den Unterricht etwa auf Vereinshäuser und kommunale Veranstaltungsräume zurückzugreifen. "Das kann helfen, die Abstandsregeln einzuhalten."

Studierende als Hilfskräfte?

Die Ministerin warnte vor einer Verschlimmerung der Chancenungleichheiten im Schulsystem durch den Corona-Shutdown. "Die Gefahr ist eindeutig vorhanden", sagte sie. Alle Verantwortlichen müssten genau beobachten, ob durch diese Pandemie die Bildungsschere nicht vergrößert werde. Dafür schlug sie den Einsatz von Lehramtsstudierenden an Schulen vor. "In den Kliniken haben wir doch auch gute Erfahrungen mit Studierenden gemacht, die eingesprungen sind."

Signale aus den Ländern

Die Schulpolitik ist in Deutschland Ländersache. Vertreter mehrerer Bundesländer hatten bereits angekündigt, dass sie nach den Sommerferien wieder einen Normalbetrieb an den Schulen anstreben. Schon vor den Ferien wollen einige zumindest an den Grundschulen auch wieder volle Klassen unterrichten und dabei auf Abstandsregeln verzichten. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil setzt auf eine Rückkehr zum vollständigen und normalen Schulbetrieb "so schnell wie möglich", spätestens aber nach den Sommerferien.

Weil betonte, dass verständlicherweise bei den Familien "eine Menge Druck auf dem Kessel" sei. Es gehe ihm aber insbesondere auch um die Kinder und Jugendlichen, die ihre sozialen Kontakte benötigten.

Über die mögliche Weiterverbreitung des Coronavirus über Kitas und Schulen wird viel diskutiert. Gesicherte Erkenntnisse über die Ansteckungs- und Verbreitungsgefahr bei Kindern und Jugendlichen gibt es noch nicht.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Mai 2020 um 11:15 Uhr in den Nachrichten.

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