Baden-Württemberg, Singen am Hohentwiel: Ein Labor-Mitarbeiter hält einen Ständer mit diversen Rachenabstrichröhrchen in den Händen. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Wann ist ein Test sinnvoll?

Stand: 16.03.2020 17:51 Uhr

Wer dieser Tage ein Kratzen im Hals hat oder hustet, ist verunsichert. Viele befürchten eine Ansteckung mit dem Coronavirus. Wann sollte man sich testen lassen und wo geht das überhaupt?

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Schulen, Kitas und Kneipen sind zu. Wer kann, arbeitet im Home-Office, und wer doch auf die Straße muss, versucht zwei Meter Abstand von anderen Menschen zu halten. Denn bei jeder Begegnung, so das dumpfe Gefühl, könnte man es potenziell mit einem Infizierten zu tun haben. Kein Wunder also, dass in diesen Tagen jedes Husten von dem Verdacht begleitet wird, man könnte sich angesteckt haben.

Aber, wann ist dieser Verdacht begründet? Und wann sollte man sich tatsächlich testen lassen?

Regel Nummer 1: Keine Panik!

Zunächst gilt in Deutschland derzeit noch: "Wer Symptome einer Erkältungskrankheit verspürt, bei der Halsschmerzen und Schnupfen im Vordergrund stehen, hat sehr wahrscheinlich keine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2, sondern einen grippalen Infekt, der von anderen Erkältungsviren ausgelöst wird und bei normalem Verlauf keiner ärztlichen Behandlung bedarf", sagt der Virologe John Ziebuhr von der Universität Gießen.

Bei etwas mehr als 4800 Infizierten laut RKI beziehungsweise mehr als 5800 nach der Zählung des US-amerikanischen Johns-Hopkins-Instituts ist - trotz rascher Ausbreitung des Coronavirus - die Wahrscheinlichkeit, sich mit irgendeinem anderen Erreger angesteckt zu haben immer noch wesentlich höher. Die erste Verhaltensregel lautet also: Keine Panik!

Regel Nummer 2: Zu Hause bleiben!

Die zweite Verhaltenregel lautet aber zugleich: Zu Hause bleiben! Denn - auch bei derzeit noch geringer Wahrscheinlichkeit - natürlich kann es dennoch sein, dass man das Virus hat. Und in diesem Fall ist eine Selbstquarantäne sinnvoll, um das Virus nicht weiterzuverbreiten. Denn nur so kann der rasante Anstieg der Infektionszahlen gestoppt oder abgemildert werden.

Die Dunkelziffer dürfte zwar in Deutschland wesentlich kleiner sein als in anderen Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien. Denn "in Deutschland ist bereits sehr früh und vermutlich wesentlich umfangreicher getestet worden als in den anderen europäischen Ländern", sagt Egbert Tannich, der Leiter des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg. Auch die relativ geringe Zahl von Toten im Vergleich zu den gemeldeten Infektionen deutet darauf hin, dass Deutschland mit seinen Zahlen nicht so weit von den tatsächlichen Infektionen entfernt ist.

Wann muss ich mich testen lassen?

Ganz anders sieht es aus, wenn jemand Symptome verspürt und sich in letzter Zeit in einem Risikogebiet wie Italien, Tirol oder Madrid aufgehalten hat oder Kontakt zu einem nachweislich Infizierten hatte. In diesem Fall empfehlen offizielle Stellen unbedingt einen Test.

Aber auch dann gilt: Auf keinen Fall einfach eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus aufsuchen, sondern zunächst telefonisch Kontakt aufnehmen. Entweder mit dem Hausarzt oder mit einer der offiziellen Hotlines. Deutschlandweit ist das die 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Zusätzlich gibt es in vielen Bundesländern spezielle Hotlines, an die man sich wenden kann.

Dort bekommt man Auskunft, wo man sich hinwenden kann, denn das ist je nach Stadt oder Region unterschiedlich. Viele Hausärzte machen den dafür nötigen Rachenabstrich selbst, in Berlin beispielsweise gibt es drei zentrale Stellen, die man aufsuchen kann, in anderen Städten gibt es bereits Drive-Ins, wo Verdachtsfälle beim Test im Auto sitzen bleiben können.

Welche Symptome deuten auf Sars-CoV-2 hin?

"Eine Infektion mit dem Coronavirus kann mit ganz unterschiedlichen Symptomen einhergehen, wie sie ein Infekt der oberen Atemwege hervorruft", sagt Infektiologe Tannich im Gespräch mit tagesschau.de. Also Fieber, Husten, Kratzen im Hals, Abgeschlagenheit. Deshalb sei eine Erkrankung allein anhand der Symptome nicht zu erkennen, Sicherheit biete nur der Laborbefund.

Dennoch gibt es gewisse Symptome, die häufiger sind als andere - auch wenn die Datenlage noch begrenzt ist. "Unter den Fällen mit übermittelten Symptomen wurde am häufigsten Husten (58 %), Fieber (43 %) und Schnupfen (38 %) angegeben", schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI). Bei den dokumentierten Fällen in China war Fieber sogar mit mehr als 80 Prozent das häufigste Symptom, Husten hatten mehr als 60 Prozent und Kurzatmigkeit fast 20 Prozent. Schnupfen oder Niesen treten hingegen kaum auf.

Gleichzeitig gilt: Die genannten Symptome können auch bei einer Grippe auftreten. Hinzu kommen dann jedoch oft noch weitere Symptome wie Müdigkeit, ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl, Gliederschmerzen, Schwindel und Kopfschmerzen. Sars-CoV-2 kann ähnliche Symptome verursachen, verläuft aber in den allermeisten Fällen ohne Schnupfen. Häufig verlaufen Sars-CoV-2-Infektionen aber auch nahezu symptomlos. In jedem Fall gilt: "Wer einen wirklich ausgeprägten Infekt hat mit Fieber, trockenem Husten oder gar Atemnot, sollte auf jeden Fall einen Arzt beziehungsweise die 116117 kontaktieren", rät Mediziner Ziebuhr. Das sei aber auch völlig unabhängig von einem Corona-Verdacht geboten.

Warum werden nicht alle Menschen mit Krankheitssymptomen getestet?

Das würde die vorhandenen Testkapazitäten in Deutschland bei weitem überschreiten, sagen Experten. Wie hoch die Kapazitäten pro Tag in Deutschland genau sind, kann im Moment niemand sagen - auch das Bundesgesundheitsministerium nicht. Getestet wird in Arztpraxen, Krankenhäusern, Gesundheitsämtern und Testzentren. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung gibt an, dass im ambulanten Bereich in der vergangenen Woche 100.000 Tests durchgeführt wurden.

Selbst alle Rückkehrer aus Risikogebieten zu testen - auch wenn sie keine Symptome haben - wäre nicht leistbar, sagt Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut. "Wir können nicht anfangen flächendeckend zu testen. Das übersteigt die Laborkapazität." Zumal: Ein solcher Test ist immer nur eine Momentaufnahme. Wer heute negativ getestet wurde, könnte sich morgen schon angesteckt haben. Experten raten außerdem dazu, die Testzentren nicht zu überlasten, damit vor allem diejenigen schnell getestet werden könne, bei denen begründeter Verdacht besteht oder die zu einer Risikogruppe gehören - also Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen.

Wann ist ein Test sinnvoll?

Grundsätzlich gilt: auch bei einem starken Verdacht auf eine Infektion, ist ein Test frühestens fünf bis sechs Tage nach der Ansteckung sinnvoll. Denn bis die Krankheit ausbricht, können Tests durchaus zunächst negativ ausfallen. Deshalb muss ohnehin häufig mehrfach getestet werden.

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