Ein Schild weist im Ankunftsbereich des Frankfurter Flughafens den Weg zu den Abflügen und den Covid-19-Testzentren.  | Bildquelle: dpa

Bundesregierung zur Pandemie "Überlegen, ob Reisen im Winter sein muss"

Stand: 22.09.2020 12:04 Uhr

Bisher ist Deutschland vergleichsweise gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Nun steigen die Infektionszahlen. Von Reisen im Winter rät die Regierung deshalb ab. Grenzschließungen soll es aber nicht geben.

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio

Kanzleramtschef Helge Braun von der CDU ist kein Mann markiger Ankündigungen. Im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF sagte er schlicht: "Wir müssen jetzt gut durch diesen Winter kommen, aber im Grunde haben wir sowohl für den Bereich der Arbeit, für den Bereich des Tourismus, wir haben überall Konzepte, die uns eigentlich eine Chance geben, dass wir das schaffen, wenn wir konsequent sind."

"Deutlich besser gerüstet"

Denn am Ende des Winters wartet nicht nur der Frühling mit mehr Tageslicht, sondern auch - so die Hoffnung - der Impfstoff. Bis es so weit ist, geht es also im Grunde darum, die Epidemie im Land möglichst erfolgreich zu verwalten. Dass das funktionieren wird, hält Bundesgesundheitsminister Jens Spahn - seinerseits ein Freund des deutlichen Wortes - für sehr wahrscheinlich: "Wir sind noch mal deutlich besser gerüstet als wir es im Frühjahr waren. Und - das ist wichtig: wir wissen auch mehr", sagt Spahn. So gebe es nun eine intelligentere Steuerung der Intensivkapazitäten in Krankenhäusern.

In Sachen Behandlung von Covid-19-Erkrankungen hätten Mediziner viel gelernt. Es gebe zudem mehr Testkapazitäten und Schutzausrüstung für medizinisches Personal, so Spahn in der ARD. Die Lockerung weiterer Regeln etwa für Clubs und Bars, sieht Spahn skeptisch. Gerade beim Feiern würden sich Viren generell und das Coronavirus besonders schnell übertragen.

"Das Virus ist hier der Spielverderber, nicht ich, nicht wir in der Politik. Aber gerade in den Bereichen, finde ich, müssen wir jetzt bei Herbst und Winter besonders vorsichtig sein und da wünsche ich mir schon, dass es keine weiteren Öffnungen gibt."

Spahn gegen weitere Lockerungen

Spahn sagte dies sicher auch mit Blick auf den für kommende Woche geplanten weiteren "Corona-Gipfel" zwischen Bund und Ländern. Ein wichtiger Termin, von dem, so sieht es Kanzleramtschef Braun, eine klare Botschaft ausgehen solle: "Gesundheitsämter gut ausstatten, Corona-Warn-App benutzen und ansonsten einheitliche Signale senden, dass wir diesen Herbst und Winter noch durchhalten müssen", fordert er.

Bürgerinnen und Bürger müssten sich darauf verlassen können, dass bei vergleichbaren Infektionslagen in unterschiedlichen Bundesländern nicht mit zweierlei Maß gemessen werde.

"Wir sind jetzt am Eintritt in den Herbst, wir haben steigende Zahlen und deshalb müssen wir jetzt sehr deutlich machen: Jetzt ist die Disziplin in der Bevölkerung gefragt."

Disziplin dürfte vielen auch mit Blick auf die weitere Urlaubsplanung abverlangt werden. Denn, so Braun, im Sommer seien Reiserückkehrer wesentliche Treiber des Infektionsgeschehens auch in Deutschland gewesen. Und Gesundheitsminister Spahn betont, auch durch Reisen und Mobilität würden zusätzliche Infektionsrisiken entstehen. "Deswegen werbe ich schon auch dafür, sich genau zu überlegen, ob jetzt im Herbst und im Winter das Reisen auch außerhalb Deutschlands sein muss."

Braun gegen Grenzschließungen

Mobilität betrifft auch Menschen, die zum Beispiel in Frankreich leben und von dort zu ihrem Arbeitsplatz in Deutschland pendeln. Obwohl die Infektionszahlen in einigen europäischen Nachbarländern wie Frankreich stark ansteigen, will die Bundesregierung die Grenzen Deutschlands offenbar nach Möglichkeit offen halten.

"Wir haben keine guten Erfahrungen mit Grenzschließungen gemacht", sagt Braun. Deutschland brauche die Pendler, "wir brauchen auch den freien Warenverkehr, die Lkw-Fahrer, die müssen hin und her". Deshalb seien Grenzschließungen überhaupt nicht das erste Mittel der Wahl.

Entscheidender seien etwa gute Hygienekonzepte in Betrieben, in denen Pendler arbeiteten, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen und die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Bundesregierung: Corona-Winter kann prinzipiell kommen
Franka Welz, ARD Berlin
22.09.2020 11:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 22. September 2020 um 10:06 Uhr.

Korrespondentin

Franka Welz HR  | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo HR

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