Die Wege zum Skigebiet im nordrhein-westfälischen Winterberg sind abgesperrt. | Bildquelle: dpa

Sperrungen angekündigt Wintersportorte treten auf die Bremse

Stand: 04.01.2021 16:48 Uhr

Überfüllte Parkplätze und Gedränge auf den Pisten - der Schnee zog bundesweit Tausende Menschen in die Wintersportgebiete. Betroffene Gemeinden machen nun dicht. Doch es gibt auch Kritik an den Straßensperrungen.

Der Andrang war groß am Wochenende - Tausende Ausflügler vergnügten sich im Schnee auf den Skipisten und Rodelhängen im ganzen Bundesgebiet. An vielen Orten hatten Polizei und Ordnungsamt ihre Mühe damit, das Verkehrschaos in den Griff zu bekommen - von der Einhaltung der Abstandsregeln und der Maskenpflicht ganz abgesehen. Es kam zu Strafanzeigen, Sperrungen und Betretungsverboten.

Um solche Szenen künftig zu verhindern, riegeln einige Ausflugsziele jetzt ab. Die Eifel-Gemeinde Hellenthal in Nordrhein-Westfalen hat die Zufahrt zu Parkplätzen mit Bauzäunen abgesperrt. Alleine auf einem großen Parkplatz hätten gestern etwa 1300 Autos geparkt, sagte ein Sprecher der Gemeinde. "Die Besucher kamen in Strömen." Wiesen und die Seitenränder einer Bundesstraße seien zugeparkt worden. Mitarbeiter aus der Verwaltung seien nun vor Ort, um die Parkverbote durchzusetzen. In anderen nordrhein-westfälischen Wintersportgebieten waren die Pisten und Parkplätze bereits gestern gesperrt worden.  

Ein Polizist fordert auf einer Piste im Skigebiet in Winterberg die Besucher zum Gehen auf. | Bildquelle: dpa
galerie

Im nordrhein-westfälischen Winterberg musste gestern immer wieder die Polizei einschreiten.

"Die Menschenmasse ist nicht zu bewältigen"

Auch in Thüringen sorgte der riesige Ansturm für Probleme. Der Bürgermeister von Oberhof, Thomas Schulz, will den Zugang zu seiner für Wintersport bekannten Stadt stark einschränken." Es sollen nur noch Leute Zugang haben, die hier wohnen oder arbeiten oder ein berechtigtes Interesse daran hat, hierher zu kommen", sagte Schulz. Er habe dies dem Thüringer Innenminister Georg Maier bereits unterbreitet.

Am Wochenende waren in Oberhof Straßen zugeparkt, Feuerwehrzufahrten versperrt und Rettungswege blockiert. Der Wintersportort bereitet sich zudem gerade auf zwei Biathlonweltcups vor, von denen der erste Ende der Woche beginnt. Er sehe keine Alternative zu einer Sperrung, sagte Schulz. "Ich habe Verständnis dafür, dass es die Menschen, die Familien mit Kindern in der Pandemie nach draußen drängt. Doch wir wurden überrannt, für den Ort ist die Menschenmasse nicht zu bewältigen."

Es habe sich gezeigt, dass es nicht ausreiche, auf die Vernunft der Menschen zu setzen. Das Problem würde sich potenzieren, wenn die Biathlonfans entgegen aller Ratschläge nach Oberhof reisen würden, erklärte der Bürgermeister. Für die Veranstaltungen am Wochenende und in der kommenden Woche sind hohe Sicherheits- sowie Hygienevorkehrungen geplant. Publikum ist nicht zugelassen.

Ein voller Parkplatz an einer Skipiste im Schwarzwald. | Bildquelle: dpa
galerie

Der Andrang war bundesweit groß - wie hier im Schwarzwald.

Keine andere Lösung

Ein Betretungsverbot für Skipisten und Rodelhänge wird auch im nordhessischen Wintersportort Willingen vorbereitet. "Wir sehen aufgrund der Erfahrungen keine andere Lösung", sagte Bürgermeister Thomas Trachte. Der Landkreis arbeite an einer Verfügung auf Grundlage des Infektionsschutzrechts wegen der Corona-Pandemie. Ordnungsamt und Polizei würden das Verbot dann durchsetzen.

Laut Trachte hatte die Gemeinde über die Festtage zunächst gute Erfahrungen mit dem Besucherandrang gemacht. Allerdings seien nach der Schließung der Parkplätze und Pisten des benachbarten Wintersportgebietes Winterberg in Nordrhein-Westfalen Tausende nach Willingen ausgewichen. Neben Problemen mit fehlenden Parkplätzen und Toiletten sei der Infektionsschutz nicht mehr gewährleistet gewesen.

Kritik an Straßensperrungen

Dagegen kritisiert der Bürgermeister von Sankt Blasien im Südschwarzwald, Adrian Probst, Straßensperrungen. Seiner Ansicht nach kann dichtes Gedränge in Wintersportgebieten vermieden werden, ohne Skipisten oder Loipen zu schließen. Probst, der auch geschäftsführender Vorsitzender des Liftverbunds Feldberg ist, sagte im SWR, er habe für jeden Verständnis, der bei diesen Schnee-Bedingungen draußen sein wolle:

"Ich denke, es sollte nicht zum Volkssport werden, mit erhobenem Zeigefinger auf andere zu zeigen und sie zu verurteilen."

Genügend präparierte Pisten und mehr Parkplätze

Stattdessen sollten Gemeinden und Wintersport-Anbieter genügend präparierte Pisten, Loipen und Wanderwege zur Verfügung stellen. Außerdem müsse das Parkplatzangebot erweitert werden. Straßensperrungen wie im Nordschwarzwald seien der falsche Weg. "Dort, wo Zufahrtswege gesperrt wurden, kam es zu weiteren Rückstaus und zur Unterschreitung der Abstandsregeln. Dort, wo es viele Angebote gab und Besucher sich verteilen konnten, gab es keine Probleme“, so Probst.

Appell an Vernunft

Dennoch appellierte auch Propst an die Vernunft und Einsicht der Wintersportler. Diese sollten, wenn möglich, keine Wintersport-Hotspots sondern Randgebiete aufsuchen und dort die geltenden Corona-Regeln einhalten.

Neben Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen verzeichneten auch Bayern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und das Saarland großen Andrang, obwohl die Behörden eindringlich davon abgeraten hatten. Wegen des Lockdowns sind Lifte und Pisten sowie Restaurants und Hütten in den Wintersportgebieten geschlossen - Zugang zu Toiletten und Aufwärmmöglichkeiten sind daher stark eingeschränkt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Januar 2021 um 13:36 Uhr.

Darstellung: