Ein Arzt in Schutzkleidung im Universitätsklinikum Essen hält einen Corona-Test in der Hand. | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/Shutter

Corona-Pandemie Wieder Höchststand bei Neuinfektionen

Stand: 29.10.2020 08:39 Uhr

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland ist mit 16.774 so hoch wie nie. In einer Regierungserklärung äußert sich Bundeskanzlerin Merkel zu den neuen Gegenmaßnahmen. Ein führender Virologe dämpfte die Erwartungen an einen Impfstoff.

Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat mit 16.774 Fällen binnen eines Tages einen neuen Höchstwert erreicht. Dies geht aus Angaben des Robert Koch-Instituts vom frühen Donnerstagmorgen hervor.

Der bisherige Höchststand vom Vortag lag bei 14.964 Fällen. Am vergangenen Donnerstag hatten die Gesundheitsämter 11.287 Neuinfektionen gemeldet. Damit hatte der Wert erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland die Marke von 10.000 überschritten. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg innerhalb von 24 Stunden um 89 auf insgesamt 10.272 - ebenfalls ein deutlicher Zuwachs.

Die jetzigen Werte sind nur bedingt mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar, da mittlerweile wesentlich mehr getestet wird und dadurch auch mehr Infektionen entdeckt werden. Trotzdem sind die hohen Infektionszahlen nicht allein mit mehr Tests zu erklären.

Regierungserklärung zu Corona-Regeln

Um die rasche Verbreitung des Virus einzudämmen, haben Bund und Länder am Mittwoch weitreichende Maßnahmen beschlossen: Im November wird das öffentliche Leben in der Bundesrepublik stark eingeschränkt. Kontaktbeschränkungen und die Schließung der Gastronomie sollen die Infektionszahlen wieder beherrschbar machen. Zu den verschärften Corona-Regeln gibt Bundeskanzlerin Angela Merkel am Morgen eine Regierungserklärung im Bundestag ab.

Insgesamt haben sich dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie bundesweit 481.013 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 29.10., 00.00 Uhr). Das RKI schätzt, dass rund 339.200 Menschen inzwischen genesen sind.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Mittwoch bei 1,03 (Vortag: 1,17). Das bedeutet, dass ein Infizierter etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Dienstag bei 1,17. Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Virologe: Umfassende Impfung wird dauern

Auch die Entwicklung eines Impfstoffs wird die Situation nach Aussagen von Experten voraussichtlich nicht unmittelbar entspannen. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut, der Virologe Thomas Mertens, dämpfte entsprechende Erwartungen: Er geht davon aus, dass eine Impfung der gesamten Bevölkerung gegen das Coronavirus auch bei schneller Entwicklung eines Impfstoffs Ende 2021 noch nicht abgeschlossen sein wird. "Es wird längere Zeit dauern, bis wir durch die Impfung eine spürbare Veränderung des Infektionsgeschehens sehen werden, dass wir sagen können, jetzt kann wieder Ruhe einkehren", sagte Mertens den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Anfang Oktober hatte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek angekündigt, sie erwarte einen Impfstoff gegen das Coronavirus für Mitte kommenden Jahres. Die Forschung, an der auch mehrere deutsche Unternehmen beteiligt sind, sei derzeit "gigantisch schnell".

Wenn man etwa pro Tag 100.000 Menschen impfe, brauche man 150 Tage, um 15 Millionen Menschen zu impfen, so Virologe Mertens. Dieses Tempo wäre nach Mertens Ansicht bereits eine Herausforderung. "Der Start der Impfungen darf nicht übereilt passieren." Vor allem Transport und Lagerung, die Einrichtung der regionalen Impfzentren und die bundesweit zeitgleiche Dokumentation der Impfungen müssten gut vorbereitet werden, ebenso die Auswertung der Sicherheitsaspekte und des medizinischen Impferfolgs.

Mertens rechnet zudem damit, dass es angesichts eines zunächst knappen Impfstoffs Konflikte über die gerechte Verteilung geben wird. "Es kann auch sein, dass einzelne, die nicht gleich zum Zuge kommen, dagegen klagen werden." Laut Bundesgesundheitsministerium sollen zunächst Personen mit hohem Gesundheitsrisiko geimpft werden. Mertens kündigte an, dass die ethischen Rahmenbedingungen für die Impfstoffverteilung Anfang nächster Woche veröffentlicht werden sollen. Die Beratungen der Ständigen Impfkommission, des Deutschen Ethikrats und der Leopoldina würden Ende dieser Woche abgeschlossen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Oktober 2020 um 06:00 Uhr.

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