Corona in Nairobi | Bildquelle: AFP

Corona-Pandemie Wie das Virus Afrika langfristig schaden könnte

Stand: 24.04.2020 04:36 Uhr

Die Bundesregierung versucht im Angesicht der Corona-Krise, nicht nur Deutschland im Blick zu behalten, sondern auch Afrika. Dort nämlich könnte das Virus das Problem der Migration ganz neu entfachen.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Hauptstadtstudio

Afrika und Corona. Das sorgt für Sorgenfalten bei der Bundesregierung. Sorgenfalten wegen der Krankheit - und der möglichen Folgen. "Ganz sicherlich wird die Migrations-Frage in Corona-Zeiten eine noch schwierigere werden, auch mit Blick etwa auf Afrika, wo wir alle davon ausgehen, dass der Peak der Zahlen uns noch bevorsteht", sagt Bundesaußenminister Heiko Maas. Und der Beauftragte für Subsahara-Afrika und den Sahel im Auswärtigen Amt, Robert Dölger, ergänzt um einen weiteren Punkt:

"Natürlich müssen wir auch sehen, dass wir den vielen Flüchtlingen und Vertriebenen, die in Afrika in den Lagern leben - Afrika hat die meisten Flüchtlinge weltweit - dass wir die dabei unterstützen, mit dieser Pandemie umzugehen. Das sind die Schwächsten auf diesem Kontinent, die brauchen besondere Unterstützung."

Unterstützung, die langsam anläuft, wie die Bundeskanzlerin in ihrer Regierungs-Erklärung zur Eindämmung der Corona-Pandemie erläutert:

"Mit der Entscheidung, den ärmsten 77 Staaten der Welt alle Zins- und Tilgungs-Zahlungen in diesem Jahr zu stunden, konnten wir etwas Druck von diesen hart geprüften Staatengruppen nehmen. Aber bei dieser Unterstützung wird es natürlich nicht bleiben können. Für die Bundesregoierung ist die Zusammenarbeit mit den Staaten Afrikas immer ein Schwerpunkt, und in der Corona-Krise müssen wir sie noch verstärken."

Erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen befürchtet

Verstärken muss man sie vor allem im wirtschaftlichen Bereich. Denn Afrika und Corona, das ist nicht nur eine gefährliche Mischung wegen der fehlenden Intensiv-Infrastruktur, der Schwierigkeit, Abstand und Hygiene-Regeln einzuhalten. Das Corona-Virus wird erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf den Kontinent haben, die Staaten können das in den wenigsten Fällen auffangen, schätzt Robert Dölger:

"Viele Länder sind Teil von globalisierten Wertschöpfungsketten, die zum Teil unterbrochen sind. Andere haben einen starken Tourismus-Sektor. Touristen sind jetzt weg, Einnahmen brechen weg."

Ein weiteres großes Problem: die zum Teil sehr große Abhängigkeit einzelner afrikanischer Länder von Rohstoff- und Energie-Exporten - das betrifft vor allem Länder wie Angola oder Nigeria.

"Für die sind die aktuellen Erdölpreise, die ja auch Corona-bedingt gefallen sind, sehr schwierig, weil ihre Produktionskosten höher sind als die Preise, die sie jetzt erzielen können. Das heißt, es wird eng."

Hilfsprogramme nicht verfügbar

Dazu kommt: von Konjunktur- oder Beschäftigungs-Programmen, wie sie die USA, Europa und Deutschland jetzt auflegen, kann Afrikas Bevölkerung nur träumen. Kirsten Maas-Albert, Afrika-Referentin der Heinrich-Böll-Stiftung, malt daher ein düsteres Bild.

"Das zeichnet sich jetzt schon ab, dass noch mehr Leute ihre Arbeit verlieren. Der informelle Sektor wird zusammenbrechen, Handelsbeziehungen brechen gerade ein. Es sind ja sehr starke Handelsbeziehungen mit China in vielen afrikanischen Ländern, und das wird tiefgreifende Veränderungen auf dem Kontinent haben."

Maas-Albert befürchtet zudem, dass unter dem Deckmantel von Corona-Bekämpfung Opposition unterdrückt sowie Menschen- und Bürgerrechte geschleift werden. Tiefgreifende Veränderungen auf dem Kontinent, die wenig Mut machen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. April 2020 um 06:37 Uhr.

Korrespondentin

Barbara Kostolnik  Logo BR

Barbara Kostolnik, BR

Darstellung: