AstraZeneca Bundesländer erhalten erste Impfdosen

Stand: 06.02.2021 16:40 Uhr

Die ersten Lieferungen des Impfstoffs von AstraZeneca sind in den Bundesländern angekommen. Gesundheitsminister Spahn empfiehlt, die gelieferten Dosen komplett zu verimpfen - und nichts für die Zweitimpfung zurückzuhalten.

Mehrere Bundesländer haben die ersten Lieferungen des Corona-Impfstoffs des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca erhalten. So bekam Hessen 26.400 Impfstoff-Dosen, in Thüringen sind 9600 Dosen eingetroffen. Nach Berlin kamen 14.400 Dosen. Nordrhein-Westfalen erhielt 74.400 Impfdosen von AstraZeneca. Geimpft werden soll mit dem neuen Impfstoff ab kommender Woche.

Einer Liste des Gesundheitsministeriums zufolge erhalten die Bundesländer insgesamt knapp 350.000 Impfdosen von dem Pharmaunternehmen. Für die kommende Woche ist eine weitere Lieferung von 390.000 Dosen des jüngst zugelassenen Wirkstoffs angekündigt. Insgesamt will AstraZeneca nach eigenen Angaben bis Anfang März rund 3,2 Millionen Impfdosen liefern.

Es wird der dritte Impfstoff sein, der in Deutschland verfügbar ist. In Deutschland gilt für den AstraZeneca-Impfstoff eine Altersbegrenzung zwischen 18 und 65 Jahren. Grund ist, dass es nicht genügend Studiendaten gibt, die auch die Wirksamkeit bei älteren Menschen belegen. In Spanien soll der Impfstoff des Herstellers beispielsweise nur für Menschen genutzt werden, die jünger als 55 Jahre sind.

Spahn: Wirkstoff nicht für Zweitimpfungen zurückhalten

Die Dosen sollen nach dem Willen von Gesundheitsminister Jens Spahn komplett verabreicht - und nicht für die Zweitimpfung zurückgehalten und in den Kühlschrank gestellt werden. Dies entspricht dem Vorgehen in Großbritannien: "Großbritannien verimpft sehr häufig nur eine Dosis, nicht zwei Dosen."

Spahns Empfehlung, den AstraZeneca-Wirkstoff nicht für Zweitimpfungen zurückzuhalten, findet sich in einem Schreiben des Ministers an die Länder. Dies bestätigte ein Regierungssprecher dem ARD-Hauptstadtstudio. Zunächst hatte die Nachrichtenagentur dpa darüber berichtet. In den ersten drei Februarwochen sollen demnach 1,7 Millionen Anspruchsberechtigte eine Erstimpfung erhalten.

Scholz: Zusätzliche Mittel für Impfstoff-Kauf

Bundesfinanzminister Olaf Scholz stellte inzwischen zusätzliche Mittel für den Kauf von Impfstoff in Aussicht. "Am Geld wird die schnellere Beschaffung von Impfstoff jedenfalls nicht scheitern", sagte Scholz dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND). Er hielt an seiner Kritik, die EU hätte mehr bestellen müssen, fest. "Damit sollten wir uns aber nicht zu lange aufhalten, sondern alles daran setzen, dass jetzt mehr Impfstoff produziert wird - und dass er dann auch schnell verimpft werden kann."

Von der Leyen weist Kritik an Impfstoff-Beschaffung zurück

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wies den Vorwurf eines zu späten Vertragsabschlusses mit den Pharmafirmen erneut zurück. Der Engpass sei damit zu erklären, dass wichtige Inhaltsstoffe "weltweit knapp sind", schrieb von der Leyen in einem Gastbeitrag der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Der Vorwurf, ein früherer Vertragsabschluss hätte zu einer schnelleren Lieferung von Impfstoff geführt, führe "in die Irre". Wenn schon damals allen klar gewesen sei, "welche Risiken mit dem Start einer derartigen Massenproduktion verbunden sind, dann hätten wir früher auf allen Ebenen überhöhte Erwartungen an eine schnelle Impfung gedämpft", so von der Leyen.

AstraZeneca war zuvor vonseiten der EU wegen Verzögerungen und geringerer Liefermengen in die Kritik geraten. Bislang sind in der EU die Vakzine von BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca zugelassen. Johnson & Johnson hatte am Donnerstag einen Antrag auf Notfallzulassung seines Impfstoffs in den USA gestellt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Februar 2021 um 09:50 Uhr.

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