Ein Zuschauer während eines Geisterspiels im BVB-Stadion | Bildquelle: dpa

Debatte um Geisterspiel-Ende Ruf nach Rückkehr des zwölften Mannes

Stand: 30.05.2020 12:04 Uhr

Bundesliga und große Sportevents aufgrund der Corona-Pandemie für längere Zeit ohne Zuschauer? Für Fans schwer zu ertragen. Abgeordnete von SPD und FDP fordern nun eine Debatte - und liefern Vorschläge.

Von Moritz Rödle, ARD-Hauptstadtstudio

Drei Spieltage hat die Fußball-Bundesliga inzwischen seit ihrem Neustart nach der Zwangspause absolviert. Bis jetzt ist alles weitgehend gut gegangen. Abgeordnete aus SPD- und FDP-Fraktion fordern nun, dass Spiele auch wieder mit Zuschauern möglich sein sollten.

Der SPD-Vorsitzende aus Nordrhein-Westfalen, Sebastian Hartmann, sagte dem ARD-Hauptstadtstudio: "Nach den ersten Erfahrungen der Spieltage ohne Zuschauer in der Ersten und Zweiten Bundesliga brauchen wir eine offene Debatte und schonungslose Analyse. Egal ob Profi- oder lokaler Vereinssport - ohne Zuschauer sind Fußball und andere Mannschaftssportarten nicht dasselbe." Über die Sommerpause solle die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit den Vereinen ein Konzept entwickeln, um die Stadien spätestens zur neuen Saison reguliert öffnen zu können.

Dabei gehe es nicht nur um die grundsätzliche Öffnung. Es seien auch logistische Fragen zu klären. Wie kommen die Menschen sicher zum Stadion oder wie viel Bewegungsfreiheit sei auf der Tribüne möglich?

Fehlende Atmosphäre im Stadion

Natürlich werde man durch die Corona-Pandemie nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Klar sei, der Gesundheitsschutz müsse vor dem Kommerz stehen. Aber Fußball sei eine Frischluft-Sportart. Da müsse es möglich sein, Fans ins Stadion zu lassen.

Gerade atmosphärisch fehle ohne die Zuschauer etwas. "Genau das ist aber nicht nachzuvollziehen, denn wenn Stehplätze gesperrt würden und bei Sitzplätzen beispielsweise nur jede zweite Reihe und jeder dritte Platz besetzt würde, wären diese Regeln gerade bei offenen Sportstadien gut zu gewährleisten", so Hartmann.

Zuschauer bereits während der laufenden Saison?

Noch weiter geht der saarländische FDP-Landeschef Oliver Luksic. Er kann sich vorstellen, auch in der laufenden Saison schon schrittweise Zuschauer ins Stadion zu lassen. "Nichts spricht bei Spielen unter freiem Himmel im Sommer gegen einige wenige hundert Fans mit großem Abstand zwischen den Sitzplätzen." Die notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln ließen sich auf einer Tribüne deutlich besser kontrollieren als in vielen anderen Lebenslagen. "Für Spieler wie Fans wäre es ein erster Schritt", so Luksic.

Strenge Abstands- und Hygieneregeln

Luksic ist selbst Hobbyfußballer und Mitglied beim Traditionsverein 1.FC Saarbrücken. Der FDP-Abgeordnete hatte dort in seiner Jugend selbst gespielt. Deshalb ist besonders das anstehende DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Saarbrücken und Leverkusen für Luksic Anlass, über Fans im Stadion nachzudenken. Für die Saarländer sei das Spiel ein Jahrhundertereignis: "Eine Geisterkulisse wäre traurig, gerade für die Heimmannschaft und ihre Fans. Strenge Hygiene- und Abstandsregeln könnten aber wenigstens einigen treuen Anhängern ermöglichen - etwa durch eine Verlosung unter den Dauerkartenbesitzern - den denkbaren historischen Einzug des FC Saarbrücken ins DFB-Pokalfinale zu erleben."

NRW-SPD-Chef Hartmann ist Fan und Mitglied von Schalke 04. Von einem Jahrhundertereignis ist das Team derzeit weit entfernt. Deshalb legt Hartmann Wert darauf, dass Schalkes aktuelle Niederlagenserie nichts mit seiner Forderung nach der Öffnung der Stadien für den zwölften Mann zu tun habe.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 30. Mai 2020 um 14:52 Uhr.

Darstellung: