Gesundheitsbeamter mit einem Thermometer | Bildquelle: MAST IRHAM/EPA-EFE/REX

Sorge vor Coronavirus Muss sich Deutschland wappnen?

Stand: 22.01.2020 11:56 Uhr

In China nimmt die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus rasant zu, auch andere Staaten melden erste Fälle. Sollte Deutschland vorsorglich Maßnahmen ergreifen? Eine Einschätzung von Experten.

Von Mirjam Meinhardt, ARD-Hauptstadtstudio

Nicht nur in China sorgt das Coronavirus für Unruhe. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beruft extra eine Sondersitzung ein. Das Bundesgesundheitsministerium und das für die Lagebewertung maßgebliche Robert Koch-Institut aber sehen zumindest in Deutschland keinen Grund zur Panik.

Das Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung sei derzeit "eher gering". Obwohl das Virus offenbar von Mensch zu Mensch übertragen werden könne und die Möglichkeit bestehe, dass Erkrankte nach Deutschland einreisen, sagt der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler: "Allerdings ist die Übertragungsrate nicht kontinuierlich, nach dem jetzigen Wissensstand. Wir gehen also davon aus, dass nur wenige Menschen von anderen Menschen angesteckt werden können."

Nur wenige erkranken stark

Bisher haben sich offenbar hauptsächlich Personen infiziert, die direkteren, ungeschützten Kontakt mit Erkrankten hatten. Und Wieler ergänzt: "Die jetzige Risikobewertung zeigt, dass von den Menschen, die infiziert werden, nur wenige sehr stark krank werden - und auch nur ein kleiner Teil verstirbt. Darum ist die Virulenz oder das pathogene Potenzial dieses Virus nach dem heutigen Kenntnisstand insgesamt als klein einzuschätzen."

In China sei die Situation jedoch etwas anders. Die chinesischen Behörden handelten nicht übertrieben, meint Wieler. Ähnlich sieht es der Berliner Virologe Christian Drosten: Es sei sehr gut, dass die chinesischen Behörden in Wuhan Ausreisekontrollen angeordnet hätten.

Labore und Kliniken müssen vorbereitet sein

Sollte Deutschland vorsorglich ähnlich reagieren? Drosten hält es "für nicht sehr effizient", sollte Deutschland "jetzt eine Einreisewarnung für China" aussprechen oder "Fieberkontrollen an Flughäfen" vornehmen. Die wesentliche Aufgabe sieht der Virologe an anderer Stelle:

"Wir müssen sicherlich darauf vorbereitet sein, dass Labore dieses Virus testen können und dass Krankenhäuser sich überlegen, was sie machen, wenn es zu einer erhöhten Fallzahl kommen sollte."

Auch die Leiterin der Infektiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, Marylyn Addo, betonte im Interview mit tagesschau24, dass es jetzt vorrangig darum gehe, das Personal in den Kliniken zu informieren.

Marylyn Addo, Leiterin Infektiologie UKE Hamburg, mit Informationen zum Coronavirus
tagesschau24 11:00 Uhr, 22.01.2020

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Auch in diesem Bereich sieht das Robert-Koch-Institut Deutschland gut gerüstet. Hierzu veröffentlicht es regelmäßig - auch im Internet - aktualisierte Notfallpläne und Handlungsempfehlungen für Krankenhäuser und medizinisches Personal. Das sei Standard, genau wie beispielsweise bei der Schweine- oder der Vogelgrippe, ergänzt eine Sprecherin des Instituts. Außerdem stände das Robert-Koch-Institut im ständigen Austausch mit dem Bundesgesundheitsministerium, den für Infektionsschutz zuständigen Landesgesundheitsministerien und auch mit der WHO.

Eine mögliche Mutation muss kein größeres Risiko bedeuten

Das Coronavirus wurde erst vor wenigen Wochen entdeckt. Entsprechend gibt es bisher keine speziellen Impfstoffe oder Medikamente dagegen. Und selbstverständlich sei auch nicht klar, wie sich das Virus weiterentwickeln könnte, erklärt der Virologe Drosten:

"Wir können uns im Prinzip darauf verlassen, dass so ein Virus Mutationen bekommt, wenn es von Mensch zu Mensch übertragen wird. Wir wissen aber nicht, ob es dabei auch zu einem gefährlicheren Virus kommt. Manchmal ist es so, dass sich so ein Virus in diesem Prozess eher abschwächt, aber trotzdem leichter übertragen wird."

Dass Robert-Koch-Institut rät generell zu den allgemeinen Hygieneregeln wie Händewaschen, gerade jetzt zur Grippesaison. Die Influenza hat in der Saison 2017/2018 übrigens geschätzt ungefähr 25.000 Todesfälle allein in Deutschland verursacht.

Coronavirus - Wie gut ist Deutschland geschützt?
Mirjam Meinhardt, ARD Berlin
22.01.2020 11:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Januar 2020 um 11:00 Uhr.

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