Angela Merkel | Bildquelle: AFP

Bundesregierung zur Corona-Krise "Infektionszahlen machen uns große Sorgen"

Stand: 28.09.2020 13:27 Uhr

Die Bundesregierung ist wegen der Entwicklung der Corona-Infektionen besorgt und ruft zur Vorsicht auf. Kanzlerin Merkel soll CDU-intern vor "Zahlen wie in Frankreich" gewarnt haben. Dort gibt es derzeit deutlich mehr als 10.000 Neuinfektionen pro Tag.

Zur Einhaltung der Hygieneregeln, zur Nutzung der Corona-Warnapp, zu Vernunft und Vorsicht hat die Bundesregierung aufgerufen, um die Ansteckungszahlen nicht weiter ansteigen zu lassen. "Die Entwicklung der Infektionszahlen macht uns große Sorgen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

In einigen Regionen gebe es sprunghafte Anstiege. Die müssten dringend wieder unter Kontrolle gebracht werden, so Seibert. "Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus sich an einzelnen Orten wieder exponentiell ausbreitet."

Seibert: Jeder Tag zählt

Dort, wo es Hotspots gebe, müssten schnell Gegenmaßnahmen ergriffen werden, sagte Seibert. Es zähle jeder Tag.

Der Regierungssprecher appellierte an die Bevölkerung: "Wenn wir alle zusammen diese Vernunft und diese Vorsicht aufbringen, wenn wir notwendige Einschränkungen zeitweise akzeptieren, dann können wir uns allen zusammen und unserem Land in diesem Herbst und Winter einiges ersparen."

Merkel warnt angeblich vor Rekordanstieg

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor nach Angaben aus CDU-Parteikreisen vor einer massiven Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland gewarnt. "Wenn es so weitergeht mit dem Trend, haben wir 19.200 Infektionen am Tag", zitierten Teilnehmer der Konferenz laut "Bild"-Zeitung und Nachrichtenagentur Reuters die Kanzlerin. Seibert sagte dazu, er könne zu der "Äußerung, die angeblich in interner Runde gemacht wurde", nichts sagen.

Die Kanzlerin habe die Zahl basierend auf Hochrechnungen genannt, hieß es weiter. Als Zeitraum gab sie demnach "bis Weihnachten" an. Sie bezog sich laut der Medieninformationen auf den zurzeit rapiden Anstieg der Neuinfektionen in Frankreich. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa sagte sie bei einer Videokonferenz des CDU-Präsidiums, müsse lokale Infektionsherde sehr deutlich angehen, sonst habe man an Weihnachten Zahlen wie in Frankreich. Dort wurden in den vergangenen Tagen regelmäßig deutlich mehr als 10.000 Neuinfektionen registriert - bei einer geringeren Einwohnerzahl als in Deutschland.

Fokus auf Wirtschaft

Die Infektionszahlen in Europa seien besorgniserregend, sagte die Kanzlerin demnach besonders mit Blick auf die Lage der Wirtschaft. In Europa gebe es nicht die Kraft, ein zweites großes Rettungspaket gegen die Corona-Folgen zu finanzieren.

Die Pandemie bewirke weltweit einen Einbruch der Kaufkraft, wird Merkel zitiert. Die Wirtschaft müsse am Laufen gehalten werden, Schulen und Kitas sollten offen bleiben. Fußball sei dagegen sekundär.

Regierung und Bundesländer beraten morgen

Morgen ist eine Videokonferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer geplant, um das weitere Vorgehen in der Corona-Krise zu koordinieren.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schlug im Vorfeld des Treffens eine bundesweite "Corona-Ampel" vor. Diese soll auf Gelb springen, wenn es in einem Landkreis 35 oder mehr Infizierte auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gibt. Ab einem Wert von 50 dann auf Rot. Die Schutzmaßnahmen sollen in jeder Stufe weiter verschärft werden.

Gemeldete Neuinfektionen: aktuell 1192

In Deutschland stieg die Zahl der bekannten Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden um 1192, wie das Robert Koch-Institut (RKI) bekanntgab. Allerdings ist die Zahl zum Wochenanfang eher niedrig, weil nicht alle Gesundheitsämter über das Wochenende Daten melden. Im Mittel hatten die Neuinfektionen in Deutschland in den vergangenen Tagen um über 2000 zugelegt.

Corona: Merkel befürchtet französische Verhältnisse
Angela Tesch, ARD Berlin
28.09.2020 16:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. September 2020 um 14:00 Uhr.

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