Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt für einen Cotrona-Test einen Abstrich von einer Frau. | Bildquelle: dpa

Höchstwert seit April RKI meldet fast 2300 neue Corona-Fälle

Stand: 19.09.2020 09:14 Uhr

Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten steht Deutschland bei der Entwicklung der Corona-Zahlen noch gut da. Doch mit fast 2300 Neuinfektionen verschlechtert sich die Lage. Einige Kommunen verschärften die Einschränkungen.

In Deutschland hat die Zahl der registrierten Neuinfektionen mit dem Coronavirus erneut die Schwelle von 2000 deutlich übersprungen und den höchsten Wert seit Ende April erreicht. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland 2297 neue Corona-Fälle, wie das Robert Koch-Institut bekanntgab. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6000 gelegen.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich hierzulande laut RKI mindestens 270.070 Menschen nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt demnach bei 9384 - seit dem Vortag kamen somit sechs Todesfälle hinzu. Bis Donnerstagmorgen hätten etwa 239.800 Menschen die Infektion überstanden.

Auch der R-Wert ist gestiegen

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Freitag bei 1,16 (Vortag: 1,07). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,21 (Vortag: 1,15). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Mehrere Städte und Kreise reißen Grenzwerte

Einige Städte und Kreise überschritten den kritischen Grenzwert für Neuinfektionen von mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Betroffen ist etwa München. Die Stadt erreichte gestern einen Wert von 50,7, wie aus der täglich aktualisierten Statistik des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hervorging. Die Entwicklung hatte Folgen für das Eröffnungspiel der neuen Fußball-Bundesliga-Saison zwischen Bayern München und Schalke 04. Anders als geplant fand es im Münchner Stadion ohne Zuschauer statt. Weitere Verschärfungen der Corona-Regeln sind in der Stadt zunächst nicht geplant.

Der Grenzwert wurde auch in anderen bayrischen Regionen überschritten. Besonders betroffen sind die Stadt Würzburg (70,38), die Stadt Kaufbeuren (61,51), der Landkreis Garmisch-Partenkirchen (58,78) und der Landkreis Kulmbach (50,11).

Verschärfte Corona-Regeln im Landkreis Cloppenburg

Im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg gelten nun für einige Gemeinden zusätzliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Bis zum 4. Oktober dürfen sich seit gestern privat maximal sechs Menschen treffen. Vereinen ist es untersagt, Zusammenkünfte abzuhalten, Gaststätten müssen um 22.00 Uhr schließen. Zuvor waren bereits Schulen geschlossen worden.

Von den Einschränkungen betroffen sind die Stadt Löningen sowie die Gemeinden Essen, Lastrup und Lindern, wie Landrat Johann Wimberg sagte. Der Landkreis hatte 61,5 neue Infektionen auf 100 000 Einwohner in der vergangenen Woche gemeldet.

Experten erarbeiten Regeln zur Impfstoff-Verteilung

Für die Verteilung eines etwaigen Impfstoffes soll bis Ende Oktober eine Regelung stehen, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichten. Sie berufen sich auf Regierungskreise. Demnach sollen eine Gruppe aus Ärzten, Ethikexperten und Sozialwissenschaftlern Grundsätze erarbeiten. Sie soll neben Mitgliedern der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim RKI auch Forscher der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und Mitglieder des deutschen Ethikrates umfassen. 

Begründet werde der Schritt damit, dass die Frage der Verteilung angesichts zunächst knapper Impfdosen nicht nur eine medizinische, sondern auch eine ethische und sozialpolitische Dimension habe, heißt es in dem Zeitungsbericht. Bundesgesundheitsminister Spahn hatte sich mehrfach dafür ausgesprochen, grundsätzlich zuerst Menschen mit Vorerkrankungen, ältere Menschen und Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege zum Zuge kommen zu lassen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. September 2020 um 09:50 Uhr.

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