Altmaier

CCS-Technologie vor dem Aus Altmaier schreibt CO2-Speicherung ab

Stand: 23.07.2012 17:47 Uhr

Gut drei Wochen nach der Einigung von Bund und Ländern auf ein Gesetz zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid hat Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) eine Zukunft für die Technologie in Deutschland bezweifelt. "Wir müssen realistisch sein: Gegen den Willen der Bevölkerung ist eine Einlagerung von CO2 im Boden nicht durchzusetzen", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". "Für Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke mit CCS-Technologie sehe ich derzeit in keinem einzigen Bundesland eine politische Akzeptanz."

"Wir wissen wenig über Chancen und Risiken"

Es sei bisher kein Ministerpräsident auf ihn zugekommen, um anzubieten, in seinem Bundesland das Treibhausgas zu speichern, sagte Altmaier. "Das ist die Situation, die wir haben, aufgrund von Besorgnissen und Befürchtungen, die es vor Ort gibt. Ich halte die CCS-Technologie für eine Entwicklung, über deren Chancen und Risiken wir wenig wissen."

Von der CCS-Technologie erhofft sich die Bundesregierung einen wichtigen Beitrag zu mehr Klimaschutz. Das Treibhausgas CO2, das bei der Kohleverbrennung und in der Industrie entsteht, wird für die globale Erwärmung mitverantwortlich gemacht. Nach monatelangen Verhandlungen hatten sich Bund und Länder Ende Juni auf einen Kompromiss zur unterirdischen Lagerung verständigt. Demnach sollte die verpresste CO2-Menge auf 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr und Speicher begrenzt werden. Zunächst waren drei Millionen Tonnen geplant.

Die Länder setzten aber eine Klausel durch, die es ihnen ermöglicht, Speicher zu verhindern. Schleswig-Holstein zum Beispiel will die unterirdische CO2-Speicherung ganz verbieten. Dort und in Niedersachsen liegen besonders viele der bundesweit identifizierten 408 möglichen Speicherstätten.

SPD fordert schnelle Konsequenzen

Auf dem Gelände der Vattenfall CO2-Pilotanlage im brandenburgischen Spremberg wird Kohlendioxid in einen Tanklastzug gepumpt
galerie

Eine CO2-Pilotanlage im brandenburgischen Spremberg.

Die SPD begrüßte die aktuellen Äußerungen des Umweltministers: "Die Erkenntnis von Altmaier kommt reichlich spät und muss wenigstens jetzt zu schnellen Konsequenzen führen", sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber. Er kritisierte, dass die Bundesregierung CCS-Kraftwerke bislang sogar mit viel Geld habe subventionieren wollen, "statt das Geld in Effizienz, erneuerbare Energien und hochflexible Kraftwerke für die Energieversorgungssicherheit und den Klimaschutz zu investieren". Nötig sei "wenigstens das Gerüst für ein energiepolitisches Gesamtkonzept".

Der Umwelt- und Energieexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Hubertus Barth, wertete die Aussage Altmaiers als Feststellung, "dass ein langes Siechen jetzt dem Ende entgegengeht". Zwar habe der Minister recht, sagte Barth im Deutschlandfunk. Er hätte sich allerdings ein stärkeres Werben für die Technologie und zugleich Aufklärung über die Risiken gewünscht.

Angst vor Versalzung und neuen Pipelines

CCS steht für "Carbon Capture and Storage", zu deutsch "Kohlendioxid-Abscheidung und -Lagerung". Bei dieser Technik wird Treibhausgas nicht wie üblich in die Atmosphäre entlassen, sondern für den Transport und die unterirdische Speicherung weiterbehandelt. Gegner der Technik befürchten unter anderem ein mögliches Austreten des Kohlendioxids und eine Versalzung des Trinkwassers. Zudem werden langfristig Pipelines für das Gas gebraucht, gegen deren Bau es ebenfalls Widerstand gibt. Auch wegen dieser Proteste war das Gesetz mehrmals verschoben worden.

Darstellung: