Wegen Grenzkontrollen Lange Staus durch Berufspendler

Stand: 15.02.2021 18:13 Uhr

Aus Angst vor ansteckenderen Corona-Varianten werden die Grenzen zu Tschechien und Tirol wieder kontrolliert. Berufspendler sorgten für lange Staus. Grenzkontrollen zu Frankreich werden nicht ausgeschlossen.

Mit Einsetzen des Berufsverkehrs ist es an den deutschen Grenzübergängen zu Tschechien aufgrund der seit gestern durchgeführten Grenzkontrollen zu Staus gekommen. Wie der MDR berichtet, staut sich der Verkehr auf der Autobahn 17. Am frühen Montagmorgen gab es demnach in Richtung Dresden zwischen dem Grenzübergang Breitenau-Schönwald und Bahretal Verzögerungen von mehr als einer Stunde.

Auf der Autobahn E55/D8 Prag-Dresden stauten sich die Lastwagen bis nach Usti nad Labem (Aussig an der Elbe) zurück. Die Polizei regulierte die Einfahrt in die Tunnel. Auf der E50/D5 in Richtung Nürnberg bildete sich vorübergehend eine mehr als 20 Kilometer lange Lkw-Kolonne. Das ging aus den Angaben der Autobahnverwaltung und des Verkehrsfunks hervor.

Staus auch in Bayern

In Bayern gab es ebenfalls vor allem an der Grenze zu Tschechien an der Autobahn 6 bei Waidhaus längere Verzögerungen. Am Grenzübergang Philippsreut staute sich der Verkehr aus Richtung Tschechien nach Deutschland zeitweise so stark, dass Lastwagen- und Autofahrer drei Stunden warten mussten, wie ein Sprecher der Bundespolizei in Passau sagte. Ein Grund seien hier die örtlichen Gegebenheiten mit nur einer gemeinsamen Spur für Lastwagen und Autos.

In Richtung Tirol blieb es hingegen am Grenzübergang Kiefersfelden wie schon am Sonntag beim Autoverkehr weitgehend ruhig. Bei Lastwagen staute sich der Verkehr hingegen über mehr als 20 Kilometer wegen einer Blockabfertigung in Tirol.

Auswirkungen auch auf Bahnverkehr

Schon am späten Sonntagabend hatte es in Sachsen wegen der strengeren Einreisekontrollen stundenlange Wartezeiten gegeben, wie das Lagezentrum der Bundespolizei in Pirna auf MDR-Anfrage mitteilte. Demnach wussten viele Autofahrer noch nichts von den neuen Regeln. Reisenden fehle es meist an der digitalen Einreiseanmeldung und an einem Corona-Test. Beides könne an der Grenze in Breitenau nachgeholt werden, hieß es.

Die neuen Einreiseregeln haben auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Die Bahn stellte nach dem Fernverkehr auch den Nahverkehr ein. Damit fahren die Regionalzüge zwischen Garmisch und Innsbruck beziehungsweise Reutte in Tirol nicht mehr. Auch die Verbindung zwischen Kempten und Reutte wird eingestellt. Nach Tschechien gilt dies für die Strecken von Rumburk nach Decin und Nürnberg nach Cheb. Dass die ICE- beziehungsweise EC-Verbindungen zwischen München und Verona sowie Hamburg und Prag nicht mehr fahren, hatte die Bahn bereits vergangene Woche angekündigt.

Die Gütertransporte hingegen fahren noch ohne große Probleme. "Die ersten Züge konnten gestern und heute problemlos die Grenzen passieren", teilte der Staatskonzern mit. Die Tatsache, dass ein Güterzug mit nur einem Lokführer die Fracht von rund 52 Lkw transportieren könne, mache die Bahnlogistik robust.

Karte Deutschland, Tschechien, Tirol
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An den Grenzen zu Tschechien und zum österreichischen Bundesland Tirol gelten seit Sonntag schärfere Einreiseregeln. An den entsprechenden Grenzübergängen in Bayern und Sachsen wird seitdem streng kontrolliert.

Spediteure warnen vor wirtschaftlichen Folgen

Spediteure warnen vor Folgen für die Wirtschaft. Beschäftigte im Transportsektor müssten ihre Einreise selbst bei Transit-Fahrten anmelden und einen zertifizierten Corona-Negativtest vorweisen, teilte der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) mit. Durch diese neuen Hürden drohten erneut Grenzstaus, weiträumige Umfahrungen und gestörte Lieferketten.

Die EU-Mitgliedstaaten müssten auf die dynamische Pandemieentwicklung entschieden reagieren, aber als Gemeinschaft. "Wir dürfen jetzt nicht wieder zu einer einzelstaatlichen Politik geschlossener Grenzen wie im März 2020 zurückkehren", mahnte DSLV-Präsident Axel Plaß. Die Arbeit der Spediteure werde durch das nicht harmonisierte Einreiserecht zahlreicher EU-Staaten erheblich erschwert. "Speditionshäuser werden bedarfsgerechte Lieferzusagen unter diesen Voraussetzungen nicht mehr einhalten können."

Ausnahmen für bestimmte Berufspendler

An den Grenzen zu Tschechien und zum österreichischen Bundesland Tirol gelten seit Sonntag schärfere Einreiseregeln. Aus Angst vor den dort verbreiteten, ansteckenderen Varianten des Coronavirus wird an den entsprechenden Grenzübergängen in Bayern und Sachsen streng kontrolliert. Zwar dürfen Berufspendler mit wichtigen Aufgaben in systemrelevanten Branchen nun doch nach Deutschland einreisen.

Allerdings gibt es noch Unklarheit bezüglich der aktuellen Einreiseregeln. Bis Dienstag sollen die Landratsämter vor Ort kategorisieren, welche Tätigkeit der Grenzpendler als systemrelevant gilt und welche nicht. Die Frage, wie das jetzt gehandhabt wird, ist in Teilen noch ungeklärt.

Kein Stillstand bei deutschen Autobauern

Die Autoindustrie fürchtet, dass Werke stillstehen könnten. Noch ist es aber nicht soweit. Die bayerischen Autobauer BMW und Audi haben bisher keine größeren Probleme. "Unsere Werke sind derzeit versorgt und produzieren planmäßig", teilte BMW mit. Ein Audi-Sprecher erklärte: "Wir produzieren aktuell ohne Einschränkungen, beobachten die Lage und die weitere Entwicklung." Ähnlich die Lage bei Volkswagen. "Noch gibt es an unseren Standorten keine Einschränkungen, aber wir beobachten das natürlich weiter", so ein Konzernsprecher. "Stand heute laufen alle unsere deutschen Standorte, auch die in Sachsen."

Bereits gestern waren zu Beginn der verschärften Einreiseregeln an den Grenzen von Bayern zu Tschechien und Tirol in den ersten 15 Stunden mehr als 2200 Menschen zurückgeschickt worden.

Saarland schließt Grenzkontrollen zu Frankreich nicht aus

An den Grenzen zu Frankreich und Luxemburg gibt es aktuell noch keine verschärften Grenzkontrollen, der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans hält das aber bei entsprechender Ausbreitung der gefährlicheren Coronavirusvarianten für möglich. "Je nachdem wie sich diese Varianten nun auch bei unseren grenzüberschreitenden Nachbarn ausbreiten, können auch wir strengere Kontrollen der Menschen, die sich über die Grenze bewegen, nicht ausschließen", sagte Hans in einer Regierungserklärung vor dem Landtag.

Er betonte zugleich, dass Berufspendler ungeachtet möglicher verschärfter Kontrollen weiterhin zur Arbeit fahren können. "Auf keinen Fall aber werden wir den grenzüberschreitenden Berufspendlern neue Erschwernisse zumuten."

Ausnahmen bei Grenzkontrollen geplant
Georg Schwarte, ARD Berlin
15.02.2021 07:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Februar 2021 um 12:00 Uhr.

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