Mit Flaggen geschminktes Gesicht einer Frau  | Bildquelle: AP

Umfrage zu den Beziehungen Deutsche blicken pessimistisch in Richtung USA

Stand: 26.11.2019 09:49 Uhr

Wie steht es um das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland im dritten Jahr von Donald Trumps Präsidentschaft? Amerikaner und Deutsche haben dazu sehr unterschiedliche Meinungen.

Deutsche sehen die Beziehungen zu den USA offenbar weitaus pessimistischer als US-Bürger die Beziehungen zu Deutschland. Das besagt eine Umfrage im Auftrag der deutschen Körber-Stiftung. Demnach schätzen 64 Prozent der Deutschen das transatlantische Verhältnis als "schlecht" oder "sehr schlecht" ein. Jenseits des Atlantik zeigt sich dagegen eine ganz andere Sichtweise: Etwa Dreiviertel der Befragten in den USA halten die Beziehungen zu Deutschland für "gut" oder "sehr gut".

Von den Deutschen vertreten diese Meinung nur 34 Prozent. Als "schlecht" oder "sehr schlecht" bezeichneten die deutsch-amerikanischen Beziehungen nur 17 Prozent der Amerikaner. Mit Blick auf die Zukunft sagen 69 Prozent der US-Bürger, sie wünschten sich mehr Zusammenarbeit mit Deutschland. Umgekehrt liegt der Wert nur bei 50 Prozent. Eine Mehrheit der Deutschen hält es für wichtiger, enger mit Frankreich zu kooperieren (77 Prozent), sowie mit Japan (69 Prozent), Russland (66 Prozent), China (60 Prozent) oder Großbritannien (51 Prozent).

Deutsche: Westbindung adé?

Gefragt nach der relativen Bedeutung der bilateralen Beziehungen verglichen zu Russland gaben gerade einmal 39 Prozent der Deutschen an, die Beziehungen zu Washington seien wichtiger als die zu Moskau. Auf China bezogen glaubte immerhin die Hälfte der Befragten, dass die Beziehungen zu den USA für Deutschland von größerer Bedeutung seien.

Große Differenzen gibt es bei der Einschätzung der Bedeutung von US-Militärbasen in Deutschland. 85 Prozent der befragten Amerikaner halten diese Stützpunkte für wichtig oder sehr wichtig für die nationale Sicherheit der USA. Dagegen denken nur 52 Prozent der Deutschen, diese Basen seien wichtig oder sehr wichtig für die nationale Sicherheit der Bundesrepublik. Insgesamt sind in Deutschland 35.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert. Hinzu kommen 17.000 amerikanische und 12.000 deutsche Zivilisten, die von den US-Truppen beschäftigt werden.

Amerikaner: Europäer tun genug für Verteidigung

Die regelmäßig von US-Präsident Donald Trump geäußerte Forderung, Deutschland und andere Staaten sollten ihre Verteidigungsausgaben erhöhen, teilen die meisten US-Amerikaner nicht. Nur 35 Prozent sind der Meinung, die europäischen Verbündeten sollten ihre Verteidigungsausgaben erhöhen.

Dagegen sagen 40 Prozent der Deutschen, die Bundesrepublik sollte mehr in Verteidigung investieren. Für eine von den USA unabhängigere Außen- und Sicherheitspolitik wäre eine Mehrheit von 52 Prozent der Befragten aber bereit, mehr als doppelt so hohe Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung in Kauf zu nehmen. Lediglich 22 Prozent befürworteten die Teilhabe Deutschlands am Schutz durch amerikanische Nuklearwaffen.

Bei der Frage nach der generellen Bedeutung für die jeweilige andere Seite zeigt sich: 42 Prozent der Deutschen halten die USA für den wichtigsten oder zweitwichtigsten außenpolitischen Partner der Bundesrepublik. Auf einen höheren Wert kommt mit 60 Prozent nur Frankreich. Aus Sicht der US-Bürger rangiert Deutschland bei der Bedeutung für die USA auf Platz fünf (13 Prozent). Davor liegen Großbritannien (36 Prozent), China (23 Prozent), Kanada (20 Prozent) und Israel (15 Prozent).

Gegenseitige Sympathie steigt langsam wieder

Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich die Zahl derjenigen, die das gegenseitige Verhältnis positiv beurteilen, allerdings auf beiden Seiten verbessert: Bei der Umfrage 2018 lag dieser Wert bei Amerikanern um fünf Prozentpunkte niedriger, bei Deutschen sogar um zehn Punkte. Allerdings hatten 2017 noch deutlich mehr Deutsche das Verhältnis positiv bewertet als heute: Mit 42 Prozent lag dieser Wert damals acht Punkte über dem jetzigen. 2017 war das Jahr, in dem Trump als US-Präsident antrat.

Für die Erhebung befragte das Unternehmen Kantar Public im September 2019 im Auftrag der Körber-Stiftung 1000 Wahlberechtigte ab 18 Jahren in Deutschland zu ihren außenpolitischen Einstellungen. Die US-Daten wurden durch das Pew Research Center im September 2019 erhoben.

Umfrage zum Verhältnis zwischen USA und Deutschland

26.11.2019 10:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2019 um 10:00 Uhr.

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