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ARD-DeutschlandTrend "Ja" zum Familienbonus

Stand: 04.06.2020 18:00 Uhr

Der Familienbonus im Konjunkturpaket der GroKo kommt bei den Deutschen gut an - das geht aus dem aktuellen DeutschlandTrend hervor. Mehr Beachtung wünschen sich viele Befragte von der Politik für Schulen und Kitas.

Von Ellen Ehni, WDR

Es ist ein umfassendes Konjunkturpaket, das die Wirtschaft nach der Corona-Pandemie wieder beleben soll: Unter anderem soll es einen Familienbonus geben - pro Kind sollen Familien einmalig 300 Euro ausbezahlt bekommen, und zwar in drei Tranchen. Eine Mehrheit der Deutschen - 59 Prozent - meint, dass eine solche Auszahlung von mehreren Hundert Euro pro Kind in die richtige Richtung gehe. 35 Prozent betrachten einen solchen Familienbonus als falschen Weg. Das hat eine Umfrage von Infratest dimap für den ARD-DeutschlandTrend bereits am Mittwoch ergeben - bevor die genauen Maßnahmen des Konjunkturpakets bekannt wurden.

Eine andere beschlossene Maßnahme, nämlich die Kaufprämie für Neuwagen, sehen die Deutschen kritischer: 55 Prozent sprachen sich vor dem Koalitionsausschuss grundsätzlich dagegen aus, dass es staatliche Anreize bei einem Autoneukauf geben sollte. Am Ende hat der Koalitionsausschuss beschlossen: Eine neue Kaufprämie gibt es nur für Elektro-Fahrzeuge. Das befürworteten in der Befragung 18 Prozent der Bürger. 19 Prozent hätten sich eine gleich hohe Kaufprämie für alle Motortypen gewünscht, weitere sechs Prozent gestaffelte Prämien für E-Autos und Verbrenner.

Kindergärten und Schulen zu wenig im Blick

Das Corona-Konjunkturpaket betrifft zahlreiche Sektoren und Branchen. Noch bevor es gestern Abend verabschiedet wurde, wollte Infratest dimap wissen, um welche gesellschaftlichen Bereiche sich die Politik bislang angemessen, zu viel oder zu wenig gekümmert hat. 53 Prozent der Befragten finden, dass vor allem Kindergärten und Schulen in der Corona-Pandemie zu wenig Beachtung gefunden hätten. 39 Prozent meinen, die Politik habe sich bislang angemessen um diese Einrichtungen gekümmert.

Bei Gastronomie und Restaurants sagen 46 Prozent der Befragten, die Politik habe sich angemessen gekümmert, für 45 Prozent war es zu wenig. 42 Prozent finden, dass die Politik angemessen für Kunst- und Kulturbetriebe gesorgt habe, für 44 Prozent indes war es zu wenig.

Mehrheitlich angemessen finden die Deutschen die politische Beachtung der Kirchen und Religionsgemeinschaften (60 Prozent), der Reise- und Tourismusanbieter (53 Prozent) sowie der Krankenhäuser und Pflegeheime (52 Prozent). Zu viel gekümmert habe sich die Politik in der Corona-Krise dagegen um den Profi-Fußball, sagen 56 Prozent. Für 31 Prozent war das Handeln der Politik hier angemessen. Auch über die Autoindustrie sagen 48 Prozent, die Politik habe sich zu viel gekümmert, für 35 Prozent war es angemessen.

Eigene wirtschaftliche Lage wird positiv gesehen

Das Konjunkturpaket soll die deutsche Wirtschaft ankurbeln. Aktuell bewerten 40 Prozent der Befragten die wirtschaftliche Lage hierzulande als sehr gut beziehungsweise gut. Das sind acht Prozentpunkte mehr als noch im Vormonat. Von 67 Prozent auf 59 Prozent zurückgegangen ist im gleichen Zeitraum die Zahl derer, die die wirtschaftliche Lage als weniger gut beziehungsweise schlecht beurteilen. Anfang März hatten noch zwei Drittel der Deutschen die wirtschaftliche Lage in Deutschland als sehr gut oder gut bewertet.

Deutlich positiver als die aktuelle volkswirtschaftliche Gesamtlage betrachten die Deutschen nach wie vor ihre persönlichen wirtschaftlichen Lebensumstände: 80 Prozent der Befragten beurteilen ihre momentane wirtschaftliche Situation als gut beziehungsweise sehr gut, jeder Fünfte als weniger gut beziehungsweise schlecht. Allerdings unterscheidet sich die Bewertung der eigenen Lebensumstände auch in Corona-Zeiten deutlich in Abhängigkeit vom Einkommen. Bezieher niedriger Einkommen sind mit 49 Prozent fast viermal häufiger mit der eigenen wirtschaftlichen Situation unzufrieden als Bezieher höherer Einkommen.

Mehrheit befürwortet Umfang der Lockerungen

Seit Ende April stehen die Zeichen auf Lockerung. Seitdem wurden viele Maßnahmen zurückgefahren, die das öffentliche Leben wegen der Corona-Pandemie eingeschränkt hatten. 56 Prozent der Befragten finden, dass diese Lockerungen alles in allem genau richtig sind. Für 29 Prozent gehen sie zu weit, für 13 Prozent gehen sie dagegen nicht weit genug.

Wenn man auf die Anhänger der im Bundestag vertretenen Parteien blickt, so halten fast alle die Lockerungen mehrheitlich für richtig. Allein die Anhänger der AfD sind in dieser Frage stark geteilter Meinung: 38 Prozent finden die Lockerungen richtig, für 35 Prozent gehen sie nicht weit genug, für 27 Prozent zu weit.

Bei den Lockerungen gehen die Bundesländer unterschiedlich vor, da sie für viele Bereiche die entsprechende Kompetenz haben. 45 Prozent der Befragten finden es richtig, dass jedes Bundesland für sich entscheidet, wie und wann es Corona-Beschränkungen aufhebt. Eine Mehrheit von 55 Prozent allerdings wünscht sich, dass die Bundesländer hier einheitlich vorgehen.

42 Prozent der Deutschen würden Corona-Warn-App nutzen

Die Bundesregierung will demnächst eine Corona-Warn-App vorstellen, in der Infizierte ihr positives Corona-Testergebnis vermerken können. Allen App-Nutzern soll daraufhin angezeigt werden, wenn sie sich für längere Zeit in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten haben. Dabei soll der Datenaustausch anonymisiert und dezentral erfolgen.

42 Prozent der Befragten würden eine solche Warn-App auf dem eigenen Smartphone nutzen, 39 Prozent hingegen nicht. Jeder sechste Deutsche (16 Prozent) sagt, er besitze kein Handy oder Smartphone. Unter den Menschen, die eine Nutzung der App ablehnen, begründet knapp die Hälfte (45 Prozent) dies mit Datenschutz, Überwachung oder Persönlichkeitsrechten. 13 Prozent meinen, eine solche App funktioniere nicht, bringe nichts oder sie halten andere Maßnahmen für besser.

Union bei Sonntagsfrage stärkste Kraft

Die Deutschen stellen der Bundesregierung weiter mehrheitlich ein positives Zeugnis aus: 62 Prozent der Befragten sind mit der Arbeit der Koalition aus Union und SPD sehr zufrieden beziehungsweise zufrieden. Das sind zwei Prozentpunkte weniger als im Vormonat. Aktuell sind 38 Prozent weniger oder gar nicht zufrieden mit der Arbeit der Bundesregierung. Im März waren die Befragten noch mehrheitlich weniger beziehungsweise gar nicht zufrieden mit dem Kabinett.

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die Union auf 38 Prozent - das ist ein Punkt weniger als im Vormonat. Auch die SPD verliert einen Punkt und landet bei 15 Prozent. Die AfD ist stabil bei neun Prozent, die FDP verbessert sich um einen Punkt und kommt auf sechs Prozent. Die Linke ist unverändert bei acht Prozent, die Grünen verbessern sich um einen Punkt und landen bei 19 Prozent.

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ARD-DeutschlandTrend vom 04. Juni 2020

Sonntagsfrage zur Bundestagswahl

Sonntagsfrage zur Bundestagswahl

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl/ Dual Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 60:40)
Disproportionaler Ansatz (West/Ost 70:30)
Erhebungsverfahren: Telefoninterviews (CATI)***

Fallzahl: 1005 Befragte
Erhebungszeitraum: 02. bis 03. Juni 2020
Sonntagsfrage
Fallzahl: 1505 Befragte
Erhebungszeitraum: 02. bis 03. Mai 2020

Gewichtung: nach soziodemographischen Merkmalen;
Sonntagsfrage mit separater Gewichtung
Schwankungsbreite: 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte

Durchführendes Institut: Infratest dimap

* bei einem Anteilswert von fünf Prozent ** bei einem Anteilswert von 50 Prozent
*** Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle eine Erhebung mit 1000 Befragten bei großen Parteien rund drei Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa einen Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird deshalb keine Partei unter drei Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.

Über dieses Thema berichten die tagesthemen am 04. Juni 2020 um 22:30 Uhr.

Korrespondentin

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