Schüler lernt auf dem Computer | Bildquelle: dpa

Digitalisierung an Schulen Es geht nur schleppend voran

Stand: 30.08.2020 16:43 Uhr

Eine Grundgesetzänderung ermöglicht es dem Bund seit vergangenem Jahr, selbst Geld in den Bildungssektor zu stecken. Doch von den Milliarden für die Schuldigitalisierung ist bislang wenig investiert worden.

Es war ein zäher Kampf, den der Bund gegen die Länder auszufechten hatte: Es ging um nichts Geringeres als die im Grundgesetz festgeschriebene eherne Regel, dass Bildungspolitik Sache der Länder ist. Nach langem Ringen gelang im Mai vergangenen Jahres der Kompromiss namens "Digitalpakt Schule".

5,5 Milliarden für digitale Bildung

Um die dringend nötige Digitalisierung der Schulen und des Lernens insgesamt voran zu treiben, darf der Bund seither Mittel in den Bildungssektor investieren. Dabei soll geklotzt und nicht gekleckert werden: Zur Verfügung stehen fünf Milliarden Euro an Fördergeldern - plus 500 Millionen Euro, die die Länder oben drauf legen.

Die Schulen sollen das Geld in ihre technische Ausstattung stecken, um digitales Lernen zu ermöglichen: in digitale Tafeln - sogenannte Smartbords -, WLAN, Online-Lernplattformen und mobile Endgeräte.

Corona Schuld an "desaströser Zwischenbilanz"?

Doch geschehen ist seither offenbar wenig. Denn jetzt ergab eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion, dass bislang gerade einmal 15,7 Millionen Euro abgerufen wurden. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Liberalen, Katja Suding, spricht von einer "desaströsen" Zwischenbilanz.

Laut Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ist Corona Schuld daran, dass bislang so wenig Fördergelder beantragt wurden. Die CDU-Politikerin sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, Planungsprozesse hätten zugunsten von Sofortmaßnahmen zurückgestellt werden müssen. Bis Jahresende, so die Prognose der Ministerin, werde sich die Zahl massiv erhöhen. Zudem seien für 242 Millionen Euro bereits Projektanträge bewilligt worden.

FDP beklagt bürokratische Hürden

Suding entgegnete hierauf, dass dies nichts an der schlechten Bilanz ändere. "Die Mittel fließen auch deswegen so schlecht ab, weil noch immer viele Schulen und Schulträger an den bürokratischen Hürden des Digitalpakts scheitern." Schulen müssten beispielsweise ein didaktisches Konzept vorlegen, wie die Gelder genutzt würden. Dass Ministerin Karliczek die Antragsstellung nicht entschlacke, grenzt nach Ansicht Sudings an "Arbeitsverweigerung".

Die Zahlen, die zum Thema Digitalpakt im Umlauf sind, variieren. Vor einigen Wochen hieß es unter Berufung auf eine Umfrage unter den Ländern, es seien bereits 390 Millionen Euro* an Fördergeldern bewilligt worden. So oder so liegen die Zahlen jedoch deutlich unterhalb dessen, was den Schulen theoretisch zur Verfügung stünde.

* Anmerkung der Redaktion: Leider stand hier zunächst 390 Milliarden Euro, wir haben das korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. August 2020 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.

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