Junge mit Computer | Bildquelle: dpa

Digitalpakt vor der Einigung Laptops sind nur der Anfang

Stand: 20.02.2019 08:51 Uhr

Bund und Länder stehen offenbar kurz davor, sich beim Digitalpakt zu einigen. Am Abend kommt der Vermittlungsausschuss zusammen. Doch Experten kritisieren: Die fünf Milliarden Euro reichen nicht aus.

Von Karin Bensch, WDR

Im Englischunterricht übers Laptop mit den Schülern der Partnerstadt in Großbritannien chatten. Im Fach Biologie mithilfe einer App auf dem Tablet einen virtuellen Frosch sezieren. Oder im Geschichtsunterricht mithilfe einer Virtual-Reality-Brille Grabkammern im alten Ägypten erkunden. Technisch ist das alles schon jetzt möglich. Doch die meisten Schulen in Deutschland sind davon noch meilenweit entfernt. Das liegt zum einen an der oft schlechten technischen Ausstattung.

Wird alles mehr kosten

Hier soll der "Digitalpakt Schule" helfen. Es ist geplant, dass die Schulen in Deutschland in den kommenden fünf Jahren rund fünf Milliarden Euro für die Anschaffung von digitalen Geräten wie zum Beispiel Laptops und Tablets bekommen. Susanne Lin-Klitzing, die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, meint allerdings, man solle diese fünf Milliarden nicht überhöhen. Das sei eine Anschubfinanzierung.

Jede Schule werde voraussichtlich rund 25.000 Euro aus dem Digitalpakt erhalten. Damit sei kein kontinuierlicher Schulunterricht mit digitaler Technik, keine sichere WLAN-Verbindung und keine Wartung der Geräte garantiert, kritisiert die Erziehungswissenschaftlerin. Eine große Sorge an vielen Schulen ist, dass sich am Ende Lehrer um die Wartung der Geräte kümmern müssen, weil es kein Geld für einen Wartungsvertrag mit einem Unternehmen gibt und sich sonst niemand zuständig fühlt.
 
Der "Digitalpakt Schule" sei ein wichtiger Anfang, aber das Geld werde bei weitem nicht reichen, sagt auch OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher, der als Erfinder der Pisastudie bekannt ist.

Kinder bedienen Laptops | Bildquelle: dpa
galerie

Nicht nur Schüler, auch Lehrer müssen geschult werden, sagt der Deutsche Philologenverband.

Lehrer müssen fit gemacht werden

Die Investitionen würden diesen Betrag bei weitem übersteigen, sagt er, denn die technologische Ausstattung der Schule sei ja nur der erste Schritt. Der zweite Schritt sei, eine moderne Lernumgebung zu schaffen. Auch für die Lehrkräfte, die die Schüler darauf vorbereiten, mit diesen Technologien wirklich wirksam zu arbeiten.

Wirksames Arbeiten mit digitalen Geräten? Viele Lehrer sind dafür bisher gar nicht gut genug qualifiziert. Das liegt zum Beispiel daran, dass viele nicht mehr ohne weiteres für Fortbildungen freigestellt werden, denn an vielen Schulen fällt sowieso schon zu viel Unterricht aus. Lehrer müssten unbedingt für Fortbildungen freigestellt werden, damit sie fit gemacht werden für den Unterricht mit digitaler Technik, fordert der Deutsche Philologenverband.

Digitale Technik allein reicht nicht

Doch digitale Technik allein macht noch keinen besseren Unterricht. Schulen brauchen gute pädagogische Konzepte. Doch die gibt es bisher nur vereinzelt. Damit ein Lehrer aber digitale Technik im Unterricht nutzt - für sein Fach, für seine Altersstufe, für die Kompetenzen, die er fördern möchte - braucht er Vorgaben. Das gilt auch für die Konzepte, mit denen Schüler lernen sollen, Informationen aus dem Internet kritisch zu hinterfragen und sinnvoll einzuordnen.

Es wäre gut, wenn nicht alle das Rad neu erfinden müssten, sagt Marlis Tepe, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Sie fordert, dass die Landesregierungen die Programme, die verwendet werden können, sichten, prüfen und bewerten. Damit nicht jede Schule jedes Programm erst einmal für sich sichten und bewerten müsse.

Es reicht also bei weitem nicht aus, Laptops und Tablets zu kaufen und in die Klassenräume zu stellen. Die große Herausforderung kommt, wenn es darum geht, die digitalen Möglichkeiten sinnvoll im Unterricht umzusetzen.

Digitalpakt Schule - Theorie gut, Praxis mangelhaft
Karin Bensch, ARD Brüssel
20.02.2019 08:18 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 20. Februar 2019 um 08:21 Uhr.

Darstellung: