Ein Aktivist vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) hält während einer Demonstration einen Aufkleber mit dem durchgestrichenen Schriftzug "A26-OST"“ und einem Autobahnsymbol in der Hand.  | Bildquelle: picture alliance/dpa

"Dinosaurier des Jahres" Negativpreis für Hamburger Hafenpassage

Stand: 29.12.2020 14:05 Uhr

"Nicht zeitgemäß" und eine "Umweltsünde": Der Naturschutzbund Deutschland hat das Autobahnprojekt A26 Ost als "Dinosaurier des Jahres" ausgezeichnet. Die Hamburger Verkehrsbehörde widerspricht.

Das Autobahnprojekt A26 Ost im Süden Hamburgs ist vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum "Dinosaurier des Jahres 2020" gekürt worden. Wie der Umweltverband erklärte, gehe die Negativauszeichnung gehe an "ein konkretes Projekt als Umweltsünde".

"Perfektes Sinnbild für verfehlte Verkehrspolitik"

Das Projekt sei "ein perfektes Sinnbild für eine verfehlte Verkehrspolitik sowie für antiquierte Infrastrukturplanungen in ganz Deutschland", sagte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. "Wir wollen, dass die Planung gestoppt wird", forderte Krüger. Für den Ausbau werden demnach Niedermoorböden versiegelt und Restmoorflächen zerstört, die viel Kohlendioxid speichern. Zudem sei das Projekt in Anbetracht der Abschaltung des Kohlekraftwerks Moorburg und den gesunkenen Umschlagserwartungen für den Hamburger Hafen nicht mehr zeitgemäß.

Negativpreis "Dinosaurier des Jahres" des NABU
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Der Negativpreis "Dinosaurier des Jahres" des NABU

Dem widersprach die Verkehrsbehörde der Hansestadt. Es gebe eine eindeutige Verkehrsprognose, dass die Lkw-Zahlen in Hamburg und auch bundesweit weiter steigen würden - und das zusätzlich zur weiteren Entwicklung des Hamburger Hafens. Mit der A26 Ost auf der einen Seite und der Köhlbrandquerung auf der anderen Seite werde im Hafen ein gut ausgebautes Verkehrsnetz entstehen. Dies werde dafür sorgen, dass auch in Störfällen der Verkehr weiter fließen und damit die Waren zuverlässig transportiert werden können. Zudem sei für einen effektiven Lärmschutz gesorgt.

900 Millionen Euro teures Projekt

Laut Wirtschaftsbehörde soll die geplante Querverbindung der A1 und der A7 eine Länge von bis zu zehn Kilometern haben. Mit der A26 Ost und der Köhlbrandquerung entsteht so im Hafen ein Verkehrsnetz, mit Hilfe dessen unter anderem weniger Fahrzeuge über die B73 durch Harburg und Wilhelmsburg fahren sollen, wie ein Sprecher erklärte.

Behördenangaben zufolge kostet das Projekt rund 900 Millionen Euro, die überwiegend aus Bundesmitteln finanziert werden. Der NABU geht allerdings eigenen Schätzungen zufolge von weitaus höheren Kosten für Bund und Hansestadt aus.

Mit dem "Dinosaurier des Jahres" wurde 2020 erstmals keine Person ausgezeichnet, sondern ein Projekt, wie NABU-Präsident Krüger betonte. Vorherige Preisträger waren unter anderem der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) oder der RWE-Vorstandsvorsitzende Rolf Martin Schmitz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Dezember 2020 um 11:41 Uhr.

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