Der Angeklagte Mediziner Mark S. und seine Anwälte | Bildquelle: dpa

Landgericht München Haftstrafe für Arzt im Blutdoping-Skandal

Stand: 15.01.2021 13:32 Uhr

Der Thüringer Mediziner Mark S. ist in München wegen Blutdopings zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden. Auch seine Helfer wurden im ersten großen Doping-Prozess seit Einführung des Anti-Doping-Gesetzes schuldig gesprochen.

Das Landgericht München II hat den Erfurter Arzt Mark S. wegen jahrelangen Blutdopings zu einer Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt. Zusätzlich erlegten ihm die Richter ein Berufsverbot von drei Jahren auf, wie das Landgericht verkündete. Neben dem Mediziner wurden auch dessen vier Helfer schuldig gesprochen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mark S. mehrere Winter- und Radsportler über Jahre mit Blutdoping behandelte. Zudem verabreichte er einer österreichischen Mountainbikerin in einem Fall ein Präparat, das nicht für den Gebrauch an Menschen zugelassen war. Dafür wurde der 42-Jährige von der Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Marion Tischler auch wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Gegen die Urteile sind Rechtsmittel möglich, sie sind noch nicht rechtskräftig.

Helfer zu Haft- und Geldstrafen verurteilt

Als wichtigster Helfer des Mediziners erhielt der Handwerker Dirk Q. eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Die Krankenschwester Diana S. wurde zu einem Jahr und vier Monate auf Bewährung verurteilt. Der Notfallsanitäter Sven M. und Ansgard S., der Vater des Hauptangeklagten, erhielten Geldstrafen.

Das Doping-Netzwerk war Anfang 2019 nach Razzien im Rahmen der "Operation Aderlass" aufgeflogen. Dabei wurden in Erfurt und während der Nordischen Ski-WM in Seefeld vier der fünf Angeklagten verhaftet. In dem Prozess legten alle fünf teils umfassende Geständnisse ab.

Mit dem heutigen Urteil geht der erste große Doping-Strafprozess im deutschen Spitzensport seit Einführung des Anti-Doping-Gesetzes 2015 zu Ende. Doping wird in Deutschland seitdem als Straftat eingestuft.

Weitere Sportler verurteilt

Als ein "Urteil von historischer Dimension" bezeichnet ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt den Richterspruch. Das Urteil zeige, "dass dieses Anti-Doping-Gesetz greift und wirksam ist", sagte er. Das sei ein Fortschritt in der Bekämpfung des Betrugs im Sport.

Neben Mark S. und seinen Helfern wurden zudem weitere involvierte Athleten in ihren Heimatländern separat angeklagt und verurteilt; sie bekamen dabei zumeist Bewährungsstrafen. In dieser Woche erhielt der österreichische Radprofi Georg Preidler als Folge der Zusammenarbeit mit Mark S. eine Haftstrafe. Deutsche Sportler waren nicht Teil der Anklage in München.

Deutsche Sportfunktionäre und Anti-Doping-Kämpfer hoffen, dass von dem Verfahren ein abschreckendes Signal an Betrüger ausgeht.

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