Messerangriff in Dresden am 5. Oktober 2020 | Bildquelle: dpa

Messerattacke in Dresden Tatverdächtiger ist islamistischer Gefährder

Stand: 21.10.2020 18:05 Uhr

Die Ermittlungen zum tödlichen Messerangriff in Dresden führen ins islamistische Milieu. Der tatverdächtige Syrer soll Kontakt zum IS gesucht und sich als Attentäter angeboten haben. Nun liegt der Fall beim Generalbundesanwalt.

Von Florian Flade, WDR

Bei einem tödlichen Messerangriff auf zwei Touristen in Dresden Anfang Oktober prüft die Staatsanwaltschaft ein mögliches islamistisches Motiv. Am Dienstagabend wurde ein Tatverdächtiger festgenommen, der am 04. Oktober in der Dresdner Schloßstraße zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen angegriffen haben soll.

Der Täter hatte seinen Opfern mit einem Küchenmesser von hinten in den Rücken gestochen. Ein 55-jähriger Krefelder war dabei so schwer verletzt worden, dass er später im Krankenhaus verstarb, sein 53-jähriger Begleiter aus Köln überlebte. Die Sonderkommission (Soko) "Schloßstraße" der Dresdner Polizei konnte durch DNA-Spuren auf dem Tatmesser den nun festgenommenen Tatverdächtigen ermitteln.

Bundesanwaltschaft geht von radikal-islamistischem Hintergrund aus
tagesthemen 22:15 Uhr, 21.10.2020, Markus Spieker, MDR

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Mehrfach zu Haftstrafen verurteilt

Es handelt sich um einen 20 Jahre alten Syrer, der 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen war und vom sächsischen Landeskriminalamt (LKA) als islamistischer Gefährder geführt wird. Der Mann war erst am 29. September nach Verbüßen einer Haftstrafe aus der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitlingen entlassen worden und stand unter Führungsaufsicht.

Er war in der Vergangenheit mehrfach verurteilt worden, zuletzt im Dezember 2019 wegen eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung in zwei Fällen zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und einem Monat. Im November 2018 hatte das Oberlandesgericht Dresden den Syrer zudem wegen mehrere extremistischer Delikte zu einer Einheitsjugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. So habe er um Mitglieder oder Unterstützer einer terroristischen Vereinigung im Ausland geworben, sich eine Anleitung beschafft, um eine schwere staatsgefährdende Gewalttat zu begehen, sowie sich der Körperverletzung und Bedrohung schuldig gemacht.

Wann übernimmt der Generalbundesanwalt?

Der Generalbundesanwalt übernimmt die Ermittlungen in bestimmten, gesetzlich geregelten Fällen, vor allem im Bereich Terrorismus. Er ist
automatisch immer dann zuständig, wenn es um die Mitgliedschaft in einer "terroristischen Vereinigung" (mindestens drei Personen) geht, also um terroristische Strukturen. Darüber hinaus kann die Karlsruher Behörde bei Straftaten einzelner Personen einen Mordfall an sich ziehen, wenn es um Staatsschutz geht und der Fall eine "besondere Bedeutung" hat. An dieser Stelle kommt dann der mögliche politische Hintergrund einer Tat ins Spiel. Weil der Generalbundesanwalt im Fall aus Dresden einen radikal-islamistischen Hintergrund vermutet, hat er nun die Ermittlungen übernommen.

Von Frank Bräutigam, ARD-Rechtsredaktion

Generalbundesanwalt übernimmt Ermittlungen

Nach Erkenntnissen des sächsischen Staatsschutzes soll sich der Syrer seit 2017 immer weiter radikalisiert haben, unter anderem durch Propaganda der Terrororganisation "Islamischer Staat (IS)". Er soll in sozialen Netzwerken Kontakt zu anderen Islamisten gesucht und sich als williger Attentäter angeboten haben. Zudem fanden die Ermittler auf seinem Mobiltelefon Anleitungen, um ein Selbstmordattentat durchzuführen. Über die Motivlage des Messerangriffs ist bislang nichts bekannt. Jedoch soll der Syrer sich bei seiner Festnahme dahingehend geäußert haben, dass ein islamistisches Motiv vermutet werden könne, heißt es in Ermittlerkreisen.

Der Generalbundesanwalt hat nun die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Die Staatsanwälte in Karlsruhe gehen davon aus, dass der Tatverdächtige aus einer radikalislamischen Motivation heraus handelte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2020 um 17:00 Uhr.

Korrespondent

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