Ein Mann zieht an einer E-Zigarette | Bildquelle: picture alliance/KEYSTONE

Studie zu E-Zigaretten "Eher Einstiegs- als Ausstiegsdroge"

Stand: 13.11.2019 00:05 Uhr

E-Zigaretten sollten Rauchern das Rauchen abgewöhnen, doch Forscher sehen das kritisch. Zwar seien sie gesünder als Tabakzigaretten, doch würden sie oft genutzt von Jugendlichen, die zuvor nicht geraucht hätten.

Von Peter Sonnenberg, SWR

Im "Freaky Ally" in Kaiserslautern herrscht schon mal dichter Nebel, denn die Kunden sind "Vaper", die sich hier im Laden mit Nachschub eindecken. "Vaper", das klingt besser als Dampfer, wie man E-Zigaretten-Raucher auch nennen könnte. Aber das "Vapen" hat etwas von seiner ursprünglichen Existenzberechtigung eingebüßt, wird immer mehr zum Lifestyle. E-Zigaretten sollen bei der Rauchentwöhnung helfen. Sie galten in der Szene außerdem als die nicht wirklich gesundheitsschädliche Form des Rauchens.

Uwe Zott ist der Inhaber des "Freaky Ally" und verkauft alles, was der "Vaper" braucht. "Sehr viele Raucher kommen zu uns, weil sie sich das Rauchen abgewöhnen und auf E-Zigaretten umsteigen wollen. Viele sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden."

Aktuelle Studien warnen vor schädlichen Wirkstoffen in E-Zigaretten
tagesschau 12:00 Uhr, 13.11.2019, Pascal Siggelkow, SWR

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Studie: Gesundes Rauchen gibt es nicht

Von der Vorstellung des "gesunden Rauchens" werden sich die Nutzer trennen müssen, sagt Professor Thomas Münzel, der Leiter der "Studie über die schädigenden Mechanismen von elektronischen Zigaretten". Er hält die E-Zigarette immer noch für weniger gesundheitsschädlich als die Tabakzigarette. Trotzdem sind die Forschungsergebnisse, die die Mainzer Universitätsmedizin gemeinsam mit der Harvard Universität Boston vorgelegt hat, alarmierend.

Untersucht haben Münzel und sein Team die Wirkung von Dampf aus E-Zigaretten auf die Blutgefäße von 20 gesunden Rauchern. Bereits bei einmaligem Rauchen (oder Dampfen), so das Studienergebnis, verliert die Innenhaut (Endothel) der Oberarmaterie, an der die Untersuchung durchgeführt wurde, an Elastizität. Das Zusammenziehen und Ausdehnen der Arterie diene dem Blutfluss und der Sauerstoffversorgung. Beim Rauchen der E-Zigarette verliere das Endothel diese Funktion vorübergehend, die Gefäße versteiften. Dadurch stiegen Blutdruck und Puls an, auf Dauer drohe Gefäßverkalkung, schreibt Münzel.

Umstieg von Tabak ist nicht risikofrei

"Das Dampfen steigert auch die Bildung freier Radikaler in den Gefäßen, in der Lunge und im Gehirn deutlich und wir wissen, dass das langfristig extrem negative Auswirkungen auf die Organe haben kann. Bei längerem Konsum müssen Raucher von E-Zigaretten mit Gefäßerkrankungen, Lungenerkrankungen und Veränderungen der Gehirnfunktion rechnen."

Auffällig sei gewesen, dass sich auch bei Rauchern, deren Arterien bereits geschädigt waren, die Gefäßfunktionen durch das akute Dampfen weiter deutlich verschlechtert hätten, so der Kardiologe. Das Umsteigen von Tabak auf E-Zigaretten sei also nicht risikofrei.

Todesfälle in den USA haben anderen Hintergrund

Nach 39 Todesfällen und mehr als 2000 an der Lunge erkrankten E-Zigaretten-Konsumenten in den USA war die E-Zigarette in den vergangenen Wochen in den Verdacht geraten, gefährlicher zu sein als zunächst angenommen. Allerdings stehen diese Fälle nicht im Zusammenhang mit den Risiken, von denen die Mainzer Forscher jetzt berichten. Die Opfer hätten wahrscheinlich größtenteils vom Schwarzmarkt stammende Substanzen geraucht, die in legalen E-Zigaretten nicht enthalten sind. Mit akuten Todesfällen nach kurzfristigem Konsum handelsüblicher E-Zigaretten, ist laut Münzel also nicht zu rechnen.

E-Zigaretten: Lifestyle oder Entwöhnung?

2017 benutzten laut Schätzungen 3,7 Millionen Menschen in Deutschland E-Zigaretten. Zwölfmal so viele wie 2010. Der Dampf boomt. Wer die handlichen Verdampfer nutze, um sich das Tabakrauchen abzugewöhnen, für den könnten sie auch aus medizinischer Sicht nützlich sein. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) warnt aber dennoch: Die Schadstoffbelastung nehme beim Umstieg von Tabak auf Dampf ab, wer aber von Null mit E-Zigaretten beginne, dessen Belastung steige.

Denn: Immer mehr Nichtraucher, darunter viele Jugendliche beginnen laut der Mainzer Studie ihre Raucherkarriere mit E-Zigaretten. Nicht zur Entwöhnung, sondern weil es zum Trend geworden sei. Prof. Thomas Münzel von der Mainzer Unimedizin vermutet, viele von ihnen würden später auf Tabakzigaretten umsteigen. Für ihn sind E-Zigaretten, anders als sie mal gedacht waren, heute "eher eine Einstiegs- als eine Ausstiegsdroge."

Forscher fordern Werbeverbot für E-Zigaretten

Als enttäuschend bezeichnet der Kardiologe deshalb, dass Deutschland als letztes Land in Europa noch Außenwerbung für Zigaretten und E-Zigaretten erlaubt. Die Mainzer Forscher und das DKFZ fordern beide die Abschaffung von Tabakwerbung. Dabei solle die E-Zigarettenwerbung gleich mit einbezogen werden, um die Verlockung, insbesondere für Nichtraucher, gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Was die Studie nicht leistet, ist eine Langzeitbetrachtung. Dafür gebe es die E-Zigaretten noch gar nicht lange genug. Die beobachteten Effekte seien kurzfristig, geben aber laut Münzel Anlass zur Sorge, dass nikotinhaltige Verdampfer eine ganze Generation von Jugendlichen abhängig machen und bei längerem Gebrauch ernste Krankheiten auslösen können. Der Wissenschaftler betont auch, dass seine Studie eine von wenigen zu diesem Thema sei, die nicht von der E-Zigaretten-Industrie finanziert worden sei.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. Mai 2019 um 11:00 Uhr.

Korrespondent

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Peter Sonnenberg, SWR

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