Die Basilius-Kathedrale in Moskau. | Bildquelle: AFP

Russland Umweltaktivistin auf der Flucht

Stand: 19.06.2019 01:59 Uhr

Der Kreml erhöht den Druck auf russische Klima- und Umweltschützer. Nach WDR-Recherchen hat deshalb eine prominente Umweltschützerin in Deutschland politisches Asyl beantragt. Ein bislang einmaliger Vorgang.

Von Jürgen Döschner, WDR

Alexandra Korolewa hat Angst. Angst vor dem mächtigen russischen Staat, vor dem sie soeben geflohen ist. Denn mit ihm hat sich die Direktorin und Mitbegründerin von "Ecodefense", der ältesten Umweltschutzorganisation Russlands, immer wieder angelegt.

"Wir haben uns mit jenen schwierigen Themen beschäftigt, auf die die russische Regierung sehr empfindlich reagiert - Atomkraft, der Bau von neuen Atomkraftwerken, Transport und Lagerung von Atommüll, Kohleförderung - besonders der extrem umweltschädliche Tagebau, oder Klimawandel." 

"Ecodefense", oder "Ecosaschita", wie sie im Russischen heißt, ist eine kleine, aber effektive Gruppe. Seit ihrer Gründung vor 30 Jahren konnte sie immer wieder kleine und große Erfolge verzeichnen. Einer der größten war die Verhinderung des geplanten Neubaus eines Atomkraftwerks bei Kaliningrad. Und erst kürzlich stoppten sie gemeinsam mit anderen Umweltgruppen die Einrichtung einer neuen Kohlemine im Kusbass.

Russische Umweltaktivistin beantragt politisches Asyl in Deutschland
tagesschau 12:00 Uhr, 19.06.2019, Rupert Wiederwald und Jürgen Döschner, WDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Schikanen der Regierung

Die russische Regierung reagierte mit Schikanen - unter anderem mit einem Gesetz, wonach nichtstaatliche Organisationen, die Geld aus dem Ausland erhalten, sich als "Ausländische Agenten" registrieren lassen müssen.

"Als unsere Organisation 2014 in die Liste der ausländischen Agenten aufgenommen wurde, haben wir sofort entschieden, dass wir uns diesem Gesetz nicht unterordnen werden - weder den Buchstaben, noch dem Geist dieses Gesetzes. Es ist für uns unannehmbar. Deswegen haben wir keine einzige Anforderung dieses Gesetzes erfüllt, und so erhielten wir alle drei Monate neue Strafen."

Doch auch diese Strafen zahlte Ecodefense nicht - wie fast alle von dem Gesetz betroffenen NGOs. Stattdessen verklagten sie die russische Regierung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Das Verfahren läuft noch.

Strafbefehle statt Strafgelder

Für Alexandra Korolewa allerdings spitzte sich die Lage in den letzten Tagen zu. Denn statt Bußgeldbescheide schickte die Staatsanwaltschaft nun Strafbefehle gegen die Leiterin der Umweltorganisation. Umgerechnet 30.000 Euro soll sie zahlen - oder bis zu zwei Jahre in Haft. Eine neue Dimension der Repression. Also packte sie ihre Sachen und verließ das Land.

"Wir sind der Meinung, dass die Verfolgung meiner Person, die formal aussieht wie eine Strafverfolgung wegen einer nicht gezahlten Strafe, in Wirklichkeit eine politische Verfolgung ist, die begonnen hat, lange bevor das Gesetz über 'ausländische Agenten' in Kraft trat."

Aus diesem Grund hat sie - als erste prominente russische Umweltaktivistin - politisches Asyl in Deutschland beantragt. Die einzige Möglichkeit, um den Drohungen der russischen Staatsmacht, um der Angst zu entgehen. "Vorübergehend fühle ich mich jetzt sicher," sagt sie. "Aber ich mache mir große Sorgen um meine Kollegen, die in Russland geblieben sind."

Russische Umweltschützerin beantragt Asyl in Deutschland
Jürgen Döschner, WDR
19.06.2019 06:33 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Juni 2019 um 06:00 Uhr.

Korrespondent

Jürgen Döschner Logo WDR

Jürgen Döschner, WDR

@jdoeschner bei Twitter
Darstellung: