Infografik: Gesteinsinformationen

Suche nach Endlager Wohin mit dem Atommüll?

Stand: 24.04.2019 10:00 Uhr

Erdbebensicher muss es sein und vor allem gut abgeschirmt: Das künftige Atommüll-Endlager. Heute gab es eine Info-Veranstaltung des Bundes zur Endlagersuche. Die wichtigste Frage dabei: Ton, Salz oder Granit?

Von Werner Eckert, ARD-Umweltexperte

Dreimal die Menge allen Goldes, das die Menschheit je geschürft hat. Oder zehn große olympische Schwimmbecken voll. 30.000 Kubikmeter - so viel hochstrahlenden Atommüll muss Deutschland entsorgen und für viele tausend Jahre sicher einlagern. Das wird teuer: 7,7 Milliarden Euro hatten Bundesbehörden schon vor Jahren allein für Gorleben veranschlagt.

Die Suche nach einem Endlager für den stark strahlenden und wärmeentwickelnden Atommüll aus den deutschen Kernkraftwerken hat vor zwei Jahren neu begonnen. Diesmal aber transparent und nach wissenschaftlichen Kriterien, hat die Bundesregierung versprochen. Und nicht wie im Jahr 1977, als der Bund und das Land Niedersachsen sich ohne große Prüfung auf Gorleben einigten, einfach weil das in einem dünn besiedelten Gebiet und nah an der damaligen DDR lag.

Fässer mit Atommüll
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Enorme Mengen Atommüll haben sich in Deutschland angesammelt.

Suche auf "weißer Landkarte"

Doch der Plan wurde mit dem Standortauswahlgesetz von 2013 ad acta gelegt. Seitdem gilt: gesucht wird auf einer "weißen Landkarte" - es gibt keine Vorfestlegungen außer der geophysikalischen Eignung. Was das bedeutet, ist 2017 in einem weiteren Gesetz festgelegt worden: im "Gesetz zur Fortentwicklung des Gesetzes zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle und anderer Gesetze".

Dort heißt es: "Für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle kommen die Wirtsgesteine Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein in Betracht." Eine ganze Reihe Ausschlusskriterien sind da ebenfalls festgelegt - Erdbebengefahr etwa. Die Gesteinsschichten sollten nicht schon durch Bergbau- oder Geothermie durchlöchert sein. Sie müssen eine gewisse Dicke haben und der Müll soll 500 Jahre lang rückholbar sein, falls es doch noch Probleme gibt oder neue wissenschaftliche Verfahren erfunden werden. Außerdem ist genau festgelegt, wie die Öffentlichkeit informiert und beteiligt wird und dass eine Entscheidung bis 2031 angestrebt wird.

Ton, Salz oder Granit?

Jetzt geht die Suche aber erst richtig los. Es gibt kein wirklich perfektes Lager, sagen Geologen. Ob ein Standort gut ist, hängt auch nicht in erster Linie davon ab, welches Gestein drum herum ist. Auch wenn die politische Diskussion zunächst immer die Frage in den Vordergrund stellt: Ton, Salz oder Granit?

Diese Begriffe stehen nämlich zuerst einmal für eine regionale Zuordnung. Wer Salz sagt, meint Norddeutschland, "Kristallines Gestein", das bedeutet in erster Linie Granit, gibt es in Bayern, Sachsen und Thüringen, Ton steht für Norddeutschland aber auch Baden-Württemberg.

Ton | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Tongestein ist nur sehr gering wasserdurchlässig. Es kann jedoch durch die Wärme der hochradioaktiven Abfälle beschädigt werden und leitet die Wärme schlechter ab als Salz oder Granit. Damit es im Endlager nicht zu heiß wird, müssen die Behälter in größerem Abstand voneinander aufgestellt werden.

Salz | Bildquelle: imago/blickwinkel
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Salz ist eher weich und plastisch. Es ist sogar so beweglich, dass es die Abfallbehälter einschließt, als würde es um sie herum zusammenwachsen. Salz ist jedoch wasserlöslich und darf nicht mit Süßwasser in Kontakt kommen. Es muss genau darauf geachtet werden, dass kein Wasser zu den Abfällen gelangen kann.

Mehrere Auswahlstufen

Dicke Tonschichten sind vor allem wasserdicht, leiten die Wärme des strahlenden Materials aber nicht so gut ab. Salz - wie in Gorleben - ist biegsamer und wärmetoleranter, aber dort kann genau das Wasser zum Problem werden. Granit, wie in Finnland und Schweden ausgewählt, neigt dazu, Risse zu bekommen, die Behälter müssten zusätzlich isoliert werden. aber man kann ein Lager im Granit sehr gut wieder öffnen. In allen Fällen gilt jedoch: Nicht die theoretischen Vor- und Nachteile sind entscheidend, sondern die praktische Situation vor Ort, die Abwägung vieler Faktoren. Deshalb sieht das weitere Verfahren mehrere Auswahlstufen vor.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung wird im kommenden Jahr zunächst Teilgebiete mit günstigen geologischen Voraussetzungen abgrenzen. Dann wird nach einer weiteren Runde von Prüfungen festgelegt, welche Gebiete oberirdisch erkundet werden. Die Entscheidung darüber treffen Bundestag und Bundesrat. Gleiches gilt später für die Frage, welche Standorte unterirdisch erkundet werden.

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Diese Regionen weisen ausreichende Mengen der Stoffe aus, um den Atommüll lagern zu können.

Parlament entscheidet

Danach wird man eine Reihe von konkreten Standort-Vorschlägen haben, deren Verhältnisse, Vor- und Nachteile, genau beschrieben werden können. Auf dieser Grundlage schlägt dann das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit ein Endlager vor. Bundesrat und Bundestag fällen auch diese letzte politische Entscheidung.

Gorleben ist in diesem ganzen Verfahren ein Ort wie jeder andere. Der Salzstock darf nicht besonders behandelt werden, nur weil dort schon rund 1,8 Milliarden Euro investiert worden sind. Er darf aber eben auch nicht ausgeschlossen werden als Endlager.

Auf der Suche nach dem Atommüll-Endlager - Öffentlichkeit soll mitwirken
Bettina Meier, ARD Berlin
24.04.2019 12:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. April 2019 um 10:07 Uhr.

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