Ein junger Mann aus Afghanistan, der eine Ausbildung in einem Betrieb in Sachsen macht | Bildquelle: dpa

Forderung von Integrationsexperten Begriff "Migrationshintergrund" soll weg

Stand: 20.01.2021 15:08 Uhr

Der Begriff "Migrationshintergrund" wird auch in vielen amtlichen Statistiken verwendet. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission empfiehlt nun, diesen Begriff nicht mehr zu nutzen - und macht Alternativvorschläge.

Die Fachkommission Integrationsfähigkeit empfiehlt, den Begriff "Migrationshintergrund" künftig nicht mehr zu verwenden. Stattdessen schlägt die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission vor, von "Eingewanderten und ihren (direkten) Nachkommen" zu sprechen.

Die Kommissionsvorsitzende Derya Caglar erläuterte, sie sei damit die Tochter von Eingewanderten, aber ihre Kinder seien "nur noch Deutsche". Die SPD-Politikerin ist auch Mitglied des Abgeordnetenhauses in Berlin.

Widmann-Mauz: Lässt sich nicht über Nacht ersetzen

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz sagte, der Begriff "Migrationshintergrund" sei vor etwa 15 Jahren in die Statistik eingeführt worden und umfasse viele unterschiedliche Gruppen. Viele der 21 Millionen betroffenen Menschen fühlten sich dadurch nicht abgebildet. Es sei, "als stünde dieser Hintergrund immer im Vordergrund". Der Begriff werde zwar nicht über Nacht ersetzt werden können, aber es sei eine Aufgabe für die Zukunft.

Unter dem Titel "Gemeinsam die Einwanderungsgesellschaft gestalten" hatte die Kommission nach zweijähriger Arbeit einen rund 280 Seiten umfassenden Bericht an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben. Das Gremium bestehend aus 25 Expertinnen und Experten befasste sich darin mit den Themen Sprache, Wohnen, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe. Integration sei eine "Daueraufgabe, die alle betrifft", heißt es in dem Bericht. Die Empfehlungen der Kommission richten sich an Bund, Länder und Kommunen.

Eingewanderte häufiger coronabedingt arbeitslos

Den einzelnen Vorschlägen haben die Experten 14 Kernbotschaften vorangestellt. So müssten etwa Zielkonflikte zwischen Asyl- und Integrationspolitik so weit wie möglich reduziert werden. Integration bedeute Teilhabe, Repräsentanz und Anerkennung, heißt es in dem Bericht.

Zudem plädierten die Experten für eine vorausschauende Einwanderungs-, eine nachhaltige Stadtentwicklungs- sowie eine soziale Wohnungspolitik. Ausdrücklich wandten sich die Autoren gegen Rassismus, Hasskriminalität und Terrorismus. Die Fähigkeiten von Eingewanderten sollten zudem besser genutzt werden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil wies darauf hin, dass Menschen mit Einwanderungsgeschichte in der aktuellen Corona-Krise deutlich stärker von neuer Arbeitslosigkeit betroffen seien als andere. So habe deren Arbeitslosenquote im Dezember 2020 bei 14,1 Prozent gelegen - im Vergleich zum Durchschnitt von 4,7 Prozent. Das hänge unter anderem damit zusammen, dass viele Menschen mit ausländischen Wurzeln in Dienstleistungsberufen tätig seien, die die Krise besonders treffe: als Reinigungskräfte, in Restaurants oder Hotels. Heil warnte davor, die Erfolge bei der Integration dadurch zu gefährden.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 20. Januar 2021 um 16:51 Uhr.

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