FDP-Parteitag | Bildquelle: dpa

Debatte über Quote Die FDP hat ein Frauenproblem

Stand: 27.04.2019 09:04 Uhr

Nicht mal ein Viertel der FDP-Mitglieder ist weiblich. Beim Frauenanteil im Bundestag ist nur die AfD schlechter. Das kann so nicht bleiben, findet auch die FDP - tut sich aber schwer, irgendwas zu ändern.

Von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

Ein Gespenst geht um in der FDP, das Gespenst der Frauenquote. "Wenn man in eine liberale Partei eintritt und dann was von Quote liest, dann gefriert einem erstmal das Blut", sagt zum Beispiel Sarah Buss von der FDP Niedersachsen. Und ist damit nicht alleine.

Für viele Liberalen ist "Quote" ein Reizwort. Starr und leistungsfeindlich finden viele die Idee. Außerdem ist die FDP ja offiziell gegen eine Quote in Unternehmensvorständen. Jetzt aber eine im eigenen Laden einzuführen - wie würde das denn aussehen?

FDP-Parteitag: Erste Rede der neuen Generalsekretärin Teuteberg
tagesschau 14:05 Uhr, 27.04.2019, Michael Stempfle, ARD Berlin

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"Wenn man noch 20 Jahre wartet, passiert auch nichts"

Andererseits hat sich auch bei Sarah Buss aus Niedersachsen die Erkenntnis durchgesetzt: "An irgendeinem Punkt müssen wir etwas ändern, was verbindlich ist. Denn wenn man noch 20 Jahre wartet, passiert auch nichts."

Die FDP will also etwas tun, das hilft, aber die ungeliebte Quote vermeiden. Keine leichte Aufgabe für die parteiinterne Arbeitsgruppe zur Frauenförderung. Ein Jahr lang hat sie diskutiert. Das Ergebnis: Politische Themen, die Frauen bisher vermissen, sollen in der FDP eine größere Rolle bekommen. Zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

"Zielvereinbarung" statt strenger Quote?

Und der Streit um die Quote? Die AG setzt auf ein neues Wort: Zielvereinbarungen. Das heißt: Jeder Landes- und Kreisverband der FDP soll ein eigenes Ziel bekommen, um den Frauenanteil zu erhöhen. Manche müssen bald mehr Frauen zu Wahlen aufstellen. Andere erstmal eine Frau auftreiben, die wenigstens als normales Mitglied mitmachen will. Eine strenge, einheitliche Quote ist das also nicht - eher eine, die stufenlos verstellbar ist.

"Es nützt nichts, eine starre Quote zu definieren, die für manche Kreisverbände gar nicht erreichbar und für andere nicht ehrgeizig genug ist", sagt Linda Teuteberg, die neue Generalsekretärin der FDP. Die Ziele sollen nicht nur gut gemeinte Ratschläge sein. Aber wer sie nicht einhält, dem drohen keine harten Sanktionen.

Teuteberg nach ihrer Wahl  zur FDP-Generalsekretärin | Bildquelle: dpa
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Teuteberg nach ihrer Wahl zur FDP-Generalsekretärin. Sie lehnt eine starre Quote für Frauen ab.

"Blaming and Shaming"

Die Liberalen setzen vielmehr auf soften Druck, wie Nicole Bauer aus Bayern erklärt. "Niemand will dort sein, wo Stillstand ist. Und deshalb, denk' ich mir, wird’s dann im Endeffekt für diejenigen, die gerne stehen bleiben, eher Blaming and Shaming." Also öffentlich anklagen und beschämen. Einigen reicht das nicht, anderen ist es schon zu viel.

Die Kommunalpolitikerin Tina Pannes aus NRW hat auf dem Parteitag einen Antrag gestellt, der alle Quoten und Zielvorgaben verhindern soll. "Ich glaube, dass Frauen dann immer das Etikett haben, Frau zu sein", befürchtet sie. "Wir erleben das jetzt schon. Also es vergeht im Grunde keine Vorstandssitzung mehr, ohne dass Männer dieses Frauenthema anpacken. Und dann schauen mich zum Beispiel alle an. Und schauen mich dann aber in meiner Rolle als Frau an. Und nicht mehr als diejenige, die vielleicht zum Thema X oder Y irgendwas zu sagen hat."

Ob ihr Antrag gegen die Quote beim Parteitag überhaupt noch drankommt, ist unklar. Wenn, dann könnte es für die Parteiführung ungemütlich werden. Denn sie hatte den Plan zur Frauenförderung schon am Donnerstag durchgewunken, wollte ihn lieber gar nicht mehr groß diskutieren lassen. Aber die Quotenfrage lässt die FDP nicht los.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. April 2019 um 10:00 Uhr.

Korrespondent

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Marcel Heberlein, RB

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