Eine Intensivpflegerin versorgt auf der Intensivstation einer Klinik in Gauting (Bayern) einen Patienten | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Kein "Feiertagspeak" auf Intensivstationen

Stand: 22.01.2021 14:26 Uhr

Die Sorge vor Weihnachten und Silvester war groß: Könnten die Feiertage zu deutlich mehr Corona-Patienten auf den Intensivstationen führen? Mittlerweile ist klar: Die Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet.

Vor Weihnachten und dem Jahreswechsel waren die Befürchtungen groß: Würden Familientreffen und Feiern die Zahl der Corona-Fälle und mit ihnen auch die Auslastung der Intensivstationen in die Höhe schnellen lassen? Während Bund und Länder im November noch Lockerungen der Corona-Maßnahmen für die Festtage in Aussicht gestellt hatten, wurden diese Versprechen im Dezember nach und nach revidiert - zu unkontrollierbar schien das Infektionsgeschehen.

Mittlerweile ist klar: Die schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Ein starker Anstieg von Covid-19-Erkrankungen nach Weihnachten und Silvester ist - möglicherweise dank der Kontaktbeschränkungen - ausgeblieben. "Wir können keinen Weihnachts- oder Silvesterpeak erkennen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx. Den Bürgerinnen und Bürgern danke er für "große Disziplin".

"Wahrscheinlich das ruhigste Silvester seit Jahrzehnten"

Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, lobte das Verhalten der Bevölkerung rund um Weihnachten und Neujahr. Die überwiegende Mehrheit habe sich verantwortungsvoll verhalten und die Maßnahmen beherzigt. Die Menschen seien nicht so viel gereist wie sonst, sagte Wieler auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Das zeige sich nun an den sinkenden Zahlen bei Corona-Neuinfektionen und -Intensivfällen. Spahn ergänzte: "Es war wahrscheinlich das ruhigste Silvester, das Deutschland seit Jahrzehnten gesehen hat."

Im Moment seien rund 4800 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sagte Marx. In der Spitze seien es Anfang Januar fast 5800 gewesen. "Das war aus meiner Sicht die kritischste Situation, seit es intensivmedizinische Behandlung in Deutschland gibt." Mittlerweile spüre die Intensivmedizin erste positive Wirkungen des Lockdown, so Marx. Man sei aber noch weit entfernt von einer Situation, die man als Entspannung bezeichnen könne.

Krankenhausbehandlung erst nach mehreren Wochen

In der Regel vergehen zwischen der Infektion mit dem Coronavirus und einer möglichen Einlieferung ins Krankenhaus mehrere Wochen. Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, hält etwa einen Zeitraum von drei Wochen für normal. Dadurch lassen sich die Auswirkungen des Infektionsgeschehens auf die stationäre Versorgung der Patienten immer erst zeitversetzt ermitteln.

Patienten, die sich an Weihnachten infiziert hatten, dürften bei einem schweren Krankheitsverlauf demnach erst Mitte Januar ins Krankenhaus gekommen sein. Dort wiederum nimmt die Therapie im Fall von Covid-19 viel Zeit in Anspruch. Laut Intensivmediziner Marx werde es noch "etliche Wochen" bis hin zu drei Monaten dauern, bis die derzeit behandelten Corona-Patienten die Intensivstationen verlassen könnten.

Übersterblichkeit in Weihnachtswoche bei 31 Prozent

Auch bis zu einem möglichen Tod, der mit dem Coronavirus in Zusammenhang steht, vergehen in der Regel mehrere Wochen oder Monate ab der Infektion. Deshalb lassen Daten zur sogenannten Übersterblichkeit ebenfalls nur zeitversetzt Rückschlüsse auf das Infektionsgeschehen und die Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen zu. Die Übersterblichkeit gibt an, wie viel höher die Zahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahreszeiträume liegt.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, starben in der Weihnachtswoche in Deutschland fast ein Drittel mehr Menschen als üblich. Nach vorläufigen Ergebnissen gab es in der 52. Kalenderwoche (21. bis 27. Dezember 2020) mindestens 24.470 Todesfälle. Das sind 31 Prozent oder 5832 Fälle mehr als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Für die Bewertung der Corona-Maßnahmen an Weihnachten sind diese Zahlen nicht geeignet - sie geben vielmehr Hinweise auf das Infektionsgeschehen Anfang Dezember.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Januar 2021 um 11:00 Uhr.

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