Das sogenannte Darknet ist Handelsplatz für illegale Drogen | Bildquelle: dpa

Mehr als 170 Festnahmen Schlag gegen Kriminelle im Darknet

Stand: 22.09.2020 21:29 Uhr

Der Handel mit illegalen Drogen und Waffen im Darknet floriert. In einer groß angelegten Aktion hat die Polizei nun Verdächtige in sechs Ländern festgenommen - auch in Deutschland.

Bei einem Schlag gegen den internationalen Rauschgifthandel im sogenannten Darknet haben Polizisten mehr als 170 Verdächtige festgenommen. Insgesamt seien gegen 179 Anbieter von Drogen und anderen illegalen Gütern Haftbefehle vollstreckt worden, teilte die europäische Polizeibehörde Europol mit. Allein in Deutschland wurden 42 Verdächtige festgenommen, in den USA 121. Geleitet wurde der Einsatz vom Bundeskriminalamt. Weitere Festnahmen gab es in Österreich, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden.

Im Darknet - einem schwer zugänglichen und häufig für kriminelle Aktivitäten genutzten Teil des Internets - werden von organisierten Banden neben Drogen auch Waffen und Diebesgut angeboten. Während der groß angelegten Polizei-Aktion wurden demnach Bargeld und virtuelle Währungen im Wert von 5,5 Millionen Euro, 500 Kilo Drogen - darunter Kokain, Heroin, Oxycodon und Methamphetamine - sowie 64 Waffen beschlagnahmt.

Die Ermittlungen im Zuge der Operation "DisrupTor" dauerten neun Monate. Der Aktion war im Mai 2019 die Zerschlagung der weltweit zweitgrößten illegalen Handelsplattform im Darknet durch deutsche Sicherheitsbehörden vorausgegangen. Die kriminelle Handelsbörse "Wall Street Market" hatte mehr als 1,15 Millionen Kundenkonten und mehr als 5400 Verkäufer.

Die Festnahmen seien "ein starkes Signal" an Kriminelle im Darknet, sagte Edvardas Sileris, Leiter des Cyberkriminalitätszentrums von Europol. "Das verborgene Internet ist nicht länger verborgen, und Ihre anonymen Aktivitäten sind nicht länger anonym." Der stellvertretende US-Justizminister Jeffrey Rosen sprach von einem "kraftvollen Schlag gegen diese kriminelle Unterwelt". Die illegalen Marktplätze hätten "mit beunruhigender Geschwindigkeit an Popularität gewonnen".

Rekordmenge an Kokain sichergestellt

Drogen wie Kokain und Heroin sind in Europa auf dem Vormarsch. Zu diesem Ergebnis kommt die Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht der Europäischen Union (EMCDDA) in ihrem neuen Jahresbericht. Der Drogenmarkt gefährde die Gesundheit und die Sicherheit der Europäer, zumal die Strafverfolgung durch die Pandemiebeschränkungen beeinträchtigt sei.

Immer häufiger werden in Europa große Drogen-Lieferungen abgefangen, was auf eine Zunahme des Handelsvolumens schließen lässt. Nach Angaben der EMCDDA erreichte die in der Ländern der Union sichergestellte Menge an Kokain mit 181 Tonnen im Jahr 2018 einen Rekordwert. Bei Heroin sei ein Anstieg der beschlagnahmenten Menge von 5,2 (2017) auf 9,7 Tonnen (2018) registriert worden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. September 2020 um 16:45 Uhr in den Nachrichten.

Darstellung: