Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes Hartmut Ziebs. | Bildquelle: dpa

Nach Querelen im Verband Feuerwehrpräsident Ziebs tritt zurück

Stand: 14.12.2019 18:01 Uhr

Nach Streitereien im Deutschen Feuerwehrverband hat Präsident Ziebs seinen Rücktritt angekündigt. Der Verband sei nicht mehr "führbar" - auch habe er nach zahlreichen Drohungen Angst um seine Familie.

Nach Querelen im Deutschen Feuerwehrverband (DFV) tritt dessen Präsident Hartmut Ziebs nun zum Jahresende zurück. Nach den "heftigen und unversöhnlichen Auseinandersetzungen" der vergangenen Wochen sei er zu dem Schluss gelangt, dass der DFV "in seiner derzeitigen Lage so nicht mehr führbar ist", teilte Ziebs im Rahmen einer Sitzung des NRW-Landesverbands in Wuppertal mit.

Seinen Schritt begründete er unter anderem mit "fortgesetzten Intrigen und Behinderungen seiner Arbeit" und die Sorge um das Wohl seiner Familie. "Der Umgang mit zahlreichen Hassbotschaften, Drohungen und Bedrohungen, der Posteingang gefährlich anmutender Sendungen bei uns zu Hause, die zunächst von Behörden untersucht werden müssen, aber auch die Einbeziehung meiner Angehörigen in öffentliche Schmähungen bringen mich zwangsläufig zu der Frage: Wie hoch darf der Preis sein, den ich bereit bin, für einen Verbleib im Amt zu zahlen?", erklärte Ziebs.

Vor dem Wohnhaus von Ziebs war Ende November eine unbekannte Flüssigkeit gefunden worden. Zieb hatte zudem E-Mails erhalten, die nach strafrechtlicher Bewertung die Strafttatbestände der Beleidigung und Bedrohung erfüllen.

Ziebs forderte seine Stellvertreter ebenfalls dazu auf, zurückzutreten. "Macht Ihr - wie auch ich - den Weg frei für einen wirklichen Neuanfang im DFV, der nur mit unser aller Amtsverzicht denkbar ist."

Vertrauenskrise wegen gestörter Kommunikation

Auslöser des heftigen Streits war ein Zeitungsinterview, in dem Ziebs vor einigen Wochen vor rechtsnationalen Tendenzen innerhalb der Feuerwehr gewarnt hatte. Er erklärte allerdings auf Nachfrage, keine konkreten Anzeichen dafür zu sehen, sondern Sorgen davor zu haben.

Danach hatten ihm fünf seiner sieben Vizepräsidenten den Rücktritt nahegelegt. Als Grund der Vertrauenskrise gaben sie "neben strukturellen Aspekten, eine fortgesetzte gestörte Kommunikation innerhalb des Präsidiums" an. Das Präsidium betonte, dass die Feuerwehrverbände keine rechtsnationalen Tendenzen deckten: "Wir dulden kein radikales Gedankengut, sondern stehen für alle Werte einer freiheitlichen Demokratie ein." Der Präsidialrat verurteilte zudem Drohungen gegen Ziebs ebenso wie Verunglimpfungen von Vizepräsidenten in sozialen Medien.

Der WDR erfuhr aus Feuerwehrkreisen, dass es schon länger Kritik an Ziebs Führungsstil gegeben habe. Einen Rücktritt hatte Ziebs zuletzt noch abgelehnt. Er hatte allerdings erklärt, bei einer für April 2020 geplanten Neuwahl des Präsidentenamtes nicht wieder zu kandidieren.

Rückendeckung vom NRW-Landesverband

Vom Vorstand des NRW-Landesverbandes bekam Ziebs noch Rückendeckung: "Wer die Gefahr von rechtsnational denkenden Menschen in der Feuerwehr leugnet, ist nicht in der Realität", sagte der stellvertretende Vorsitzende des NRW-Verbandes der Feuerwehren, Bernd Schneider, bei der Veranstaltung in Wuppertal. Die Feuerwehrwelt wisse jetzt, dass sie aufpassen müsse. "Das kann sich Herr Ziebs auf die Fahnen schreiben."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Dezember 2019 um 17:00 Uhr.

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