Ein Junge nimmt Süßigkeiten aus dem Schrank.  | Bildquelle: dpa

Ungesunde Kinderlebensmittel Werbeverbot gegen Zuckerschock?

Stand: 24.12.2019 11:44 Uhr

Überzuckert, zu fettig, zu salzig - aber lecker: Snacks für Kinder sind in der Werbung dauerpräsent. Die Lebensmittelindustrie ködere Kinder gezielt für ungesunde Produkte, beklagt Foodwatch. Und verlangt ein Verbot.

Jüngst hat die Union ihre jahrelange Blockade gegen ein Tabakwerbeverbot aufgegeben. Da der Koalitionspartner SPD ohnehin schon lange dafür ist, kann ein entsprechendes Gesetz umgesetzt werden.

Tabakkonsum gehört zu den größten Gesundheitsrisiken - ähnlich wie Übergewicht und Fettleibigkeit. In Deutschland gelten laut Verbraucherschutzministerium 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder als übergewichtig. Vor allem Kinder werden nach Ansicht der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch von der Lebensmittelindustrie gezielt geködert. Kindermüsli, Kinderschokolade, überzuckerte Limonaden - die ungesunden Produkte sind dauerpräsent in der Werbung. Foodwatch fordert nun ein Werbeverbot für ungesunde Kinder-Snacks.

Ungesunde Kinder-Köder

Die Bundesregierung müsse die "übergriffige, massiv gesundheitsschädliche Werbung vorknöpfen, mit der die Lebensmittelindustrie schon kleine Kinder gezielt für ungesunde Produkte ködert", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wenn es Bundesernährungsministerin Julia Klöckner ernst meine mit dem Kampf gegen Übergewicht und Fehlernährung, dann müsse sie im ersten Halbjahr 2020 endlich eine gesetzliche Werbebeschränkung auf den Weg bringen, forderte Rücker.

Die Lebensmittelindustrie trägt nach Einschätzung der Verbraucherorganisation eine Mitverantwortung für Fehlernährung und Übergewicht. Bei sogenannten Kinderlebensmitteln handele es sich fast immer um überzuckerte, fettige oder salzige Snacks. Marketingaktivitäten dürften sich nur noch dann gezielt an Kinder richten, wenn sie den Absatz von ausgewogenen Lebensmitteln nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation fördern. Einem Aufruf von Foodwatch, in dem Maßnahmen gegen Fehlernährung gefordert werden, hatten sich im vergangenen Jahr mehr als 2000 Ärzte angeschlossen.

Bewegung für übergewichtige Kinder | Bildquelle: dpa
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Dicke Kinder werden dicke Erwachsene: Übergewicht wird in Deutschland zunehmend zum Problem.

Klöckner setzt auf freiwillige Lösungen

CDU-Ministerin Klöckner setzt dagegen ausschließlich auf freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie. So präsentierte sie Ende 2018 eine "Reduktionsstrategie" für Fertigprodukte. Neun freiwillige Vereinbarungen mit Branchenverbänden liegen vor. Damit sichern Hersteller zu, bis 2025 schrittweise Rezepturen zu verändern. So soll in Frühstückscerealien für Kinder eine Reduzierung um mindestens 20 Prozent erreicht werden, in gesüßten Milchprodukten für Kinder um 15 Prozent. Ein Zucker-Minus von 15 Prozent wird auch für Getränke wie Limonaden zugesagt, jeweils bezogen auf den Durchschnitt des Sortiments. Tiefkühlpizzen sollen mit weniger Salz auskommen. Eine erste Bilanz soll im März 2020 vorliegen.

Julia Klöckner | Bildquelle: dpa
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Ministerin Klöckner setzt auf freiwillige Vereinbarungen.

Nach langem Streit, viel Kritik und politischem Druck befürwortet Klöckner nun doch die Einführung des farbigen Logos Nutri-Score für viele Lebensmittel. Eine entsprechende Verordnung soll den Rechtsrahmen für eine freiwillige Verwendung auf der Packungs-Vorderseite von Fertigprodukten schaffen. Werbewirksam gab der Nestlé-Konzern kürzlich bekannt, dass man ab dem ersten Halbjahr 2020 die Nährwert-Ampel auf Lebensmittelverpackungen in Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich und der Schweiz drucken werde.

Nutri-Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Gesamtbewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an - auf einer fünfstufigen Skala von "A" auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes "C" bis zu einem roten "E" für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Dezember 2019 um 08:00 Uhr.

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