Sicherheitskräfte am Frankfurter Hauptbahnhof | Bildquelle: dpa

Getötetes Kind in Frankfurt Seehofer unterbricht Urlaub

Stand: 29.07.2019 17:34 Uhr

Nach der Tötung eines achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof unterbricht Innenminister Seehofer seinen Urlaub, um mit den Sicherheitsbehörden zu sprechen. Er verurteilte die Tat "auf das Schärfste".

Die Tötung eines achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof sorgt bundesweit für Entsetzen. Bundesinnenminister Horst Seehofer unterbricht wegen des Falls seinen Urlaub. "Angesichts mehrerer schwerwiegender Taten in jüngerer Zeit" wolle er die Chefs der Sicherheitsbehörden treffen, teilte er in einer Erklärung mit. Nach den Gesprächen wolle er am Dienstag die Öffentlichkeit darüber informieren. "Ich bin tief bestürzt von der Nachricht, dass ein achtjähriger Junge heute am Hauptbahnhof Frankfurt am Main getötet und zwei weitere Personen, unter anderem die Mutter des Jungen, verletzt wurden", erklärte der Innenminister.

Ein 40-jähriger Mann hatte das Kind am Bahnhof unvermittelt vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Der Junge starb. Der Mann soll auch die Mutter des Kindes ins Gleisbett gestoßen und es bei einer weiteren Person versucht haben. Beide konnten sich retten. Der Tatverdächtige flüchtete zunächst, wurde aber von Passanten verfolgt und später von der Polizei außerhalb des Bahnhofs festgenommen.

Keine Hinweise, dass Täter und Opfer sich kannten

Seehofer verurteilte "diese entsetzliche Tat auf das Schärfste". Der Täter werde für die Tat "mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zu Verantwortung gezogen werden", sicherte er zu.  "Ich wünsche den Angehörigen und Freunden des getöteten Jungen in dieser schweren Stunde die notwendige Kraft, um mit diesem schlimmen Ereignis umzugehen - den beiden Verletzten wünsche ich eine rasche und vollständige Genesung."

Nach Behördenangaben handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen eritreischen Staatsbürger. Laut Polizei gab es keine Anzeichen, dass er seine Opfer kannte. "Die Hintergründe für das abscheuliche Verbrechen sind derzeit noch unklar", erklärte auch Seehofer. Es sei jetzt die Aufgabe der Ermittlungsbehörden, "diese schnellstmöglich und umfassend aufzuklären". Dafür bot Seehofer den hessischen Behörden auch Unterstützung der Bundespolizei und des Bundeskriminalamts an. Er warnte aber vor vorschnellen Bewertungen des Sachverhalts, solange weitere Aufklärung noch nicht erfolgt sei.

Mann stößt Kind und dessen Mutter vor ICE
tagesthemen 22:25 Uhr, 29.07.2019, A. Jakubowski, HR

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Ähnlicher Fall vorige Woche

Erst am Samstag voriger Woche war im Bahnhof der niederrheinischen Stadt Voerde eine 34 Jahre alte Mutter vor einen Regionalzug gestoßen worden und ums Leben gekommen. Der 28-jährige Tatverdächtige - ein in Deutschland geborener Serbe - sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Der mutmaßliche Täter und das Opfer kannten sich den Ermittlern zufolge ebenso wie im Frankfurter Fall nicht.

Der Kriminalexperte und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Christian Lüdke sagte, man könne bei solchen Taten natürlich nur spekulieren. Oft aber entwickelten sie sich aus Frust, Wut, Angst oder dem Gefühl, alles verloren zu haben. "Das führt zu einem Ohnmachtsgefühl. Durch die Gewaltausübung verwandelt sich diese Ohnmacht in ein Gefühl der Allmacht." Im Bruchteil einer Sekunde könne die Stimmung kippen und so eine Attacke auslösen, sagt Lüdke. Vielleicht sei der Tatverdächtige nicht einmal mit dem Plan zum Bahnhof gegangen, jemanden zu töten. Aber: "Niemand wird über Nacht zum Mörder. Das ist immer der Abschluss einer langen gestörten Entwicklung."

Gesperrte Gleise am Frankfurter Hauptbahnhof nach der Tötung eines Jungen. | Bildquelle: ARMANDO BABANI/EPA-EFE/REX
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Nach dem Vorfall wurden mehrere Gleise gesperrt.

"Nicht hundertprozentig zu verhindern"

Eine Patentlösung für mehr Sicherheit an deutschen Bahnsteigen sieht Thomas Kraft vom Fahrgastverband Pro Bahn Hessen nicht. "Ich weiß keinen Rat. Man kann so etwas nicht hundertprozentig verhindern", sagte er. An größeren Bahnhöfen wie dem Frankfurter Hauptbahnhof gebe es sogar noch vergleichsweise viel Aufsichtspersonal. An kleinen Bahnhöfen oder Haltepunkten könne letztlich auch jemand aus einer Hecke hervorspringen und Reisende auf die Gleise stoßen.

Auch Konzepte wie etwa für größere Bahnhöfe in England oder Frankreich, wo Bahnreisende oft nur mit einem Ticket oder erst nach Einfahren des Zugs auf den Bahnsteig gelangen, bringen Kraft zufolge keine völlige Sicherheit. Potenzielle Täter kämen dort eben mit einem Kurzstrecken-Ticket für wenig Geld auf den Bahnsteig. Bei kurzen Zug-Aufenthalten sei es zudem zeitlich kaum machbar, die Reisenden erst nach Einfahren des Zugs an die Gleise zu lassen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juli 2019 um 14:00 Uhr.

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