BKA-Präsident Holger Münch (L.), Horst Seehofer (M.) und Bundespolizeipräsident Dieter Romann bei einer Pressekonferenz zum Fall des getöteten Jungen in Frankfurt | Bildquelle: dpa

Getöteter Junge in Frankfurt Verdächtiger wurde seit Tagen gesucht

Stand: 30.07.2019 21:36 Uhr

Zum Fall des getöteten Jungen in Frankfurt haben die Behörden weitere Details bekannt gegeben: Demnach wurde der Tatverdächtige in der Schweiz seit mehreren Tagen gesucht. Er soll eine Nachbarin mit dem Messer bedroht haben.

Der Tatverdächtige vom Frankfurter Hauptbahnhof war in der Schweiz bereits seit mehreren Tagen zur Festnahme ausgeschrieben. Das teilte Bundespolizeipräsident Dieter Romann auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Horst Seehofer und BKA-Präsident Holger Münch mit. Der Mann habe am vergangenen Donnerstag seine Nachbarin mit einem Messer bedroht, sie gewürgt und in ihrer Wohnung eingesperrt. Daraufhin sei er geflohen.

Pressekonferenz zum Zugstoß-Vorfall
tagesschau24 15:00 Uhr, 30.07.2019

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Im Jahr 2008 Asyl gewährt

Den Angaben zufolge wurde der Mann 1979 in Eritrea geboren, ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Im Jahr 2006 reiste er unerlaubt in die Schweiz ein und beantragte dort Asyl, das 2008 gewährt wurde. Seither besitze er die Niederlassungsbewilligung der Kategorie C, was gut integriert bedeute. Der Verdächtige sei einer festen Arbeit nachgegangen - "aus Sicht der Ausländer- und Asylbehörden in der Schweiz vorbildlich", so Romann. Wie Seehofer erklärte, galt der Mann als Beispiel gelungener Integration - als solches sei er sogar in Publikationen vorgestellt worden.

Zum Tathergang berichtete der Polizeipräsident, Zeugen zufolge habe der Mann sich "mit starrem Blick" hinter einem Pfeiler versteckt, bevor er die 40-jährige Mutter des Jungen auf die Gleise gestoßen habe. Die Frau habe sich retten können, daraufhin habe er den Jungen vor den einfahrenden Zug gestoßen. Danach habe er noch versucht, eine 78-jährige Frau ebenfalls auf die Gleise zu stoßen - dies sei misslungen, weil diese vorher gefallen sei. Zu einem Motiv gibt es nach bisherigem Stand noch keine Informationen.

Seit Monaten krankgeschrieben

In Zürich teilten die Schweizer Ermittler unterdessen mit, der Mann habe sich in diesem Jahr in psychiatrischer Behandlung befunden. Bei einer Hausdurchsuchung seien Dokumente gefunden worden, die auf eine psychische Erkrankung und eine entsprechende Behandlung deuten würden. Hinweise auf eine Radikalisierung oder ideologische Motive des Täters gebe es nicht.

Der Tatverdächtige hatte demnach am vergangenen Donnerstag seine Ehefrau und die drei gemeinsamen Kleinkinder im Alter von ein, drei und vier Jahren sowie die Nachbarin in ihren Wohnungen in Wädenswil eingesperrt. Zuvor habe er die Nachbarin verbal und mit einem Messer bedroht. Laut Polizei gaben sowohl Nachbarin als auch Ehefrau an, dass dieser Gewaltausbruch des Mannes für sie überraschend gewesen sei. "Sie sagten übereinstimmend aus, dass sie ihn noch nie so erlebt hätten", sagte ein Polizeisprecher.

Während die deutschen Behörden von mehreren Delikten im Vorfeld sprachen, hieß es von den Schweizer Ermittlern, der Mann sei der Polizei dort nur wegen eines geringfügigen Verkehrsdelikts bekannt gewesen. Der 40-Jährige arbeitete den Angaben zufolge seit Januar 2019 nicht mehr. Er war wegen psychischer Probleme krankgeschrieben.

In Deutschland wurde mittlerweile Haftbefehl gegen ihn erlassen. Ihm werden Mord und versuchter Mord in zwei Fällen vorgeworfen. Er wurde am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt und muss nun in Untersuchungshaft, wie die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft mitteilte.

Seehofer: "kaltblütiger Mord"

Seehofer sagte, er sei tief bestürzt von dem "kaltblütigen Mord". Er versicherte, dass die Behörden alles tun würden, damit der mutmaßliche Täter eine gerechte Bestrafung bekomme. Der Minister wies darauf hin, dass es in den vergangenen Wochen mehrere schwerwiegende Gewaltdelikte gegeben habe, die das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung beeinträchtigten. Daher wolle er in den kommenden Monaten mit den zuständigen Stellen beraten, wie mit diesem Phänomen umgegangen werden könne.

Spitzengespräch zu Sicherheit an Bahnhöfen

Konkret kündigte Seehofer an, dass man nun überlegen werde, wie man die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen wirksam verbessern könne. Dazu habe er Spitzentreffen mit dem Bundesverkehrsminister und Vertretern der Deutschen Bahn anberaumt. Es gebe in Deutschland 5600 Bahnhöfe völlig unterschiedlicher Struktur, weswegen die Aufgabe sehr komplex sei. "Wir brauchen dringend mehr Polizeipräsenz, auch die Bundespolizei braucht mehr Präsenz", so Seehofer. "Und das ist natürlich nur möglich, wenn wir die Bundespolizei personell weiter stark ausstatten." Mögliche Maßnahmen seien auch eine stärkere Überwachung durch Videokameras und Umbauten an den Bahnhöfen.

Auf Nachfrage wollte er nicht ausschließen, über das Anbringen von Schranken vor Bahnsteigen zu diskutieren - trotz der hohen Kosten. "Wenn es um Menschenleben geht, gefällt mir das Argument mit dem Geld überhaupt nicht", sagte er.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Juli 2019 um 14:45 Uhr.

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