Eine Frau am S-Bahnhof Oranienburger Straße in Berlin neben einer mit Graffiti besprühten S-Bahn. | Bildquelle: dpa

Frauen in deutschen Großstädten Mit Angst auf die Straße

Stand: 12.08.2020 19:32 Uhr

Ob Berlin, Hamburg, Köln oder München: Mädchen und Frauen fühlen sich in keiner dieser Großstädte sicher. Eine nicht repräsentative Umfrage des Kinderhilfswerks Plan ergab, dass jede fünfte Befragte schon einmal belästigt, verfolgt oder bedroht wurde.

Mädchen und Frauen fühlen sich einer digitalen Umfrage zufolge in den Großstädten Berlin, Hamburg, Köln und München nicht immer sicher. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Kinderhilfswerk Plan vorgestellt hat.

Plan-Chefin Maike Röttger sagte: "Unsere Befragung hat deutlich gemacht, dass Mädchen und junge Frauen auch in deutschen Großstädten täglich sexuell belästigt, verfolgt, bedroht und beleidigt werden." Dadurch werde ihnen ihr Recht verwehrt, sich sicher und frei in ihrer Stadt zu bewegen - um zur Arbeit oder zur Schule zu kommen, sich mit Freundinnen zu treffen oder auszugehen.

Für Frauen kein sicheres Pflaster

Insgesamt haben knapp 1000 Mädchen und Frauen im Alter von 16 bis 71 Jahren von Januar bis März 2020 an der Umfrage teilgenommen. Auf einer interaktiven Karte setzten sie sogenannte Pins, also Markierungen, an Orte, die sie als sicher oder unsicher erlebt haben.

Mit Abstand am unsichersten fühlen sich Mädchen und Frauen "auf der Straße". Darauf folgen in allen Städten die Ortskategorien "öffentliche Verkehrsmittel" und "Grünanlagen". Die am häufigsten genannten Gründe für ein unsicheres Gefühl sind dabei Begegnungen mit Personengruppen, die Alkohol oder Drogen konsumieren, zudem schlecht beleuchtete Wege und Parks sowie einsame Gegenden, in denen Hilfe im Notfall fehlen würde.

In Hamburg fühlen sich die Mädchen und Frauen vor allem am Hauptbahnhof und auf der Reeperbahn unsicher, in Köln wurde die Mehrheit der negativen Pins eher in der Innenstadt wie zum Beispiel am Neumarkt gesetzt. Auf der Berliner Stadtkarte gibt es dagegen keine einzige Markierung am Hauptbahnhof, dafür häufen sich negative Pins an touristischen Punkten wie dem Alexanderplatz oder in Friedrichshain. In München wurden vielfach Parks wie der Englische Garten als unsicher bewertet.

Geschlechterrollenbilder verändern

Die Auswertung der Daten ergab, dass bereits jede fünfte Teilnehmerin schon einmal Opfer von Gewalt, Verfolgung oder Bedrohung war. "Viele Mädchen und Frauen zeigen oft aus Scham solche Taten nicht an", sagte Mirko Streiber, Leiter des Landeskriminalamtes Hamburg. Zwar habe sich das Anzeigeverhalten seit der #Metoo-Debatte etwas gebessert, aber es könne noch besser werden.

Die Umfrage habe gezeigt, dass der Handlungsbedarf groß sei, so Röttger. Jedes Mädchen und jede Frau habe das Recht, sich in der Stadt frei und ohne Angst zu bewegen.

Sie forderte städtebauliche Maßnahmen, wie mehr oder bessere Beleuchtung oder das Abschaffen von schwer einsehbaren, düsteren Ecken in Parks, mahnte aber auch: "Genauso wichtig ist es aber, dass wir Geschlechterrollenbilder verändern, die vielen Jungen und Männern immer noch suggerieren, dass es völlig in Ordnung ist, Frauen zu belästigen." Stereotype und Diskriminierung seien die tiefer liegenden Gründe dafür, dass Mädchen und Frauen sich nicht sicher fühlen können.

Die Autoren der Studie verweisen darauf, dass es sich nicht um eine repräsentative Befragung handelt. Ziel der Studie sei es vielmehr gewesen, ein Stimmungsbild der gefühlten Sicherheitslage in Großstädten darzustellen. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl und der Vergleichbarkeit der Ergebnisse ließen sich aber allgemeingültige Aussagen treffen.

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