SPD-Logo | Bildquelle: REUTERS

30 Jahre SPD-Frauenquote "Sie ist notwendig"

Stand: 30.08.2018 12:27 Uhr

Vor 30 Jahren hat die SPD als erste Volkspartei die verbindliche Frauenquote eingeführt 40 Prozent aller Spitzenpositionen sollen mit Genossinnen besetzt werden. Was hat die Quote bewirkt?

Von Vassili Golod, WDR

Viele Jahre musste die Bundestagsabgeordnete Herta Däubler-Gmelin gemeinsam mit anderen für das Ergebnis kämpfen, das sie auf dem Bundesparteitag in Münster 1988 mit Genugtuung verkündete: "Liebe Genossinnen und Genossen, ich darf vielleicht das Ergebnis bekannt geben: 416 Stimmberechtigte, davon 362 für die verbindliche Quote, 54 dagegen."

42 Prozent mit Genossinnen besetzt

Vor 30 Jahren führte die SPD als erste Volkspartei eine verpflichtende Frauenquote ein. Seitdem sollen 40 Prozent aller Spitzenpositionen mit Genossinnen besetzt werden. Heute, im Jahr 2018, sind 42 Prozent der SPD-Bundestagsabgeordneten Frauen.

Katja Mast ist eine von ihnen. "Wir haben in unserer 30-jährigen Geschichte mit der Quote gelernt, als SPD: Sie ist notwendig. Sie ist nicht wünschenswert, aber notwendig und bringt uns nach vorne. Und echte Gleichstellung geht eben nur auch mit einer Verpflichtung.“

Frauenanteil der Union bei 20 Prozent

Die Union sieht das anders. Ihr Frauenanteil liegt aktuell bei 20 Prozent - und damit unter dem Durchschnitt des Bundestages. Einzig die AfD hat noch weniger weibliche Abgeordnete, elf Prozent.

Dorothee Bär ist Staatsministerin für Digitalisierung - und eine von nur acht Frauen der CSU-Landesgruppe im Bundestag. "Das ist nicht schön. Ich kämpfe sehr stark dafür, dass auch mehr Frauen sichtbar werden", sagt sie.

Dorothee Bär, künftige Staatsministerin für Digitalisierung | Bildquelle: AFP
galerie

CSU-Staatsministerin Bär ist nur eine von acht Frauen der CSU-Landesgruppe im Bundestag.

Bär: Mehr junge Frauen begeistern

Von der Quote ist Dorothee Bär nicht überzeugt. Sie setzt auf Motivation.

"Man muss da tatsächlich wesentlich eher schon bei der Basis anfangen, auch dass mehr weiblich Delegierte gewählt werden, auch für die Aufstellungsversammlungen. Wir müssen aber noch ein Stück vorher anfangen, überhaupt junge Frauen dafür zu begeistern, sich überhaupt politisch zu engagieren."

Die Grünen als Frauenquoten-Spitzenreiter

Zwei Parteien im Bundestag haben mehr Frauen als Männer in ihren Reihen: Linkspartei und Grüne. Die Grünen haben einen Frauenanteil von 58 Prozent - möglich gemacht durch eine strenge Quotierung. Für die Parteivorsitzende Annalena Baerbock kann es bei diesem Thema keine Kompromisse geben.

Für sie sei klar, dass in der Politik Frauen genauso vertreten sein müssen wie Männer. Das gelte auch für führende Unternehmen. "Und all dort wo es nicht eine gleiche Teilhabe von Frauen gibt, und das ist in der Politik nun mal der Fall, müssen wir über Instrumente von Anti-Diskriminierungsmaßnahmen dafür sorgen", so Baerbock.

Grünen-Chefin Baerbock | Bildquelle: dpa
galerie

In der Politik müssen Frauen genauso vertreten sein wie Männer, findet Grünen-Politikerin Baerbock.

Die Frauenquote allein ist der Grünen-Politikerin allerdings nicht genug. Sie wollen die Vielfalt der Bundesrepublik präziser abgebildet sehen, sagt Baerbock.

"Es ist aber nicht nur die Frage von Geschlecht, sondern es ist auch die Frage, dass Menschen mit Migationshintergrund im Parlament deutlich anders repräsentiert sind als in der Gesamtgesellschaft, auch Menschen mit Behinderung zum Beispiel. Und das ist Aufgabe für alle Parteien, auch für uns Grüne, daran noch weiter zu arbeiten, dass auch auf unseren Listen Menschen mit unterschiedlichen Herkünften noch stärker vertreten sind."

SPD-Politikerin Mast: Gemeinsam für mehr kämpfen

Davon ist auch Katja Mast überzeugt. 30 Jahre nachdem ihre Sozialdemokraten die Frauenquote durchgesetzt haben, will sie nun für eine verbindliche Quote im Bundestag kämpfen.

"Wir drei sollten uns zusammenschließen, also SPD, Linke und Grüne, und die rechte Seite des Hauses überzeugen, verbindliche Quoten einzuführen. Und auch bei den Wahlrechtsfragen voranzugehen".

Denn eines sei, so Mast, doch auch klar: "Die Erfolge der Vergangenheit in der Gleichstellungs- und Frauenpolitik und Geschlechtergerechtigkeitspolitik wären ohne Frauen in den Parlamenten nicht gekommen."

30 Jahre Frauenquote in der SPD
Vassili Golod, WDR
30.08.2018 09:57 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. August 2018 um 08:08 Uhr.

Darstellung: