Gruppenvergewaltigung in Freiburg Hauptverdächtiger ist Intensivtäter

Stand: 03.11.2018 08:11 Uhr

Der Hauptverdächtige der Gruppenvergewaltigung in Freiburg ist Intensivtäter. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft bekannt gegeben. Es seien außerdem weitere DNA-Spuren gefunden worden, deshalb wird nach zwei weiteren Personen gesucht.

Polizei sucht zwei weitere mögliche Täter
Gut zwei Wochen nach der Gruppenvergewaltigung in Freiburg liegen der Polizei DNA-Spuren von zwei weiteren möglichen Tätern vor. Der Hauptverdächtige soll weitere schwere Delikte verübt haben.

Beim Hauptverdächtigen handelt es sich um einen 22-jährigen Syrer, den die Polizei als Intensivtäter einstuft. Ihm werden seit dem Sommer mehrere Gewalttaten vorgeworfen, darunter drei Körperverletzungen und zwei Delikte mit Sexualbezug. Außerdem soll er mit einem weiteren Verdächtigen aus dem jetzigen Fall und einer dritten Person bereits im Sommer 2017 an einer Vergewaltigung beteiligt gewesen sein, hieß es auf einer Pressekonferenz in Freiburg. Die Tat soll sich in der Wohnung des Hauptverdächtigen zugetragen haben. Die Polizei habe dafür aber bislang keine ausreichenden Beweise gehabt.

Polizei sucht zwei weitere Täter

Die Polizei hat zusätzlich zu den bisher acht Tatverdächtigen Spuren von zwei weiteren, bisher unbekannten Männern gefunden. Man werde die "Ermittlungen weiterhin mit Hochdruck führen, um auch diese beiden Tatverdächtigen zu ermitteln", so Bernd Belle von der Kriminalpolizei.

Kripo: Festnahme und Durchsuchung war bereits geplant

Belle sagte, man hatte die Verhaftung des mutmaßlichen Haupttäters bereits geplant. Der Haftbefehl gegen den Hauptverdächtigen sei Anfang Oktober erlassen worden. Die Festnahme habe am 23. Oktober erfolgen sollen. Dabei habe man gleichzeitig eine Durchsuchung in seinen Wohnräumen machen wollen, um auf diese Weise "möglichst effizient" vorzugehen. Dann hätten die Ereignisse die Polizei überholt. Beim "Planungsstand Anfang Oktober waren die Ereignisse so nicht absehbar", so Belle.

Die Pressekonferenz im Mitschnitt:

Ermittlungsstand nach Freiburger Gruppenvergewaltigung
Nach der Gruppenvergewaltigung in Freiburg haben die Staatsanwaltschaft Freiburg und das Polizeipräsidium Freiburg am Freitagvormittag eine gemeinsame Pressekonferenz gegeben. Hier zum Nachschauen.

Opfer kaufte Drogen vom Hauptverdächtigen

Staatsanwalt Michael Mächtel gab weitere Details zum Tatablauf und den Verdächtigen bekannt. Demnach soll das spätere Opfer, eine 18-jährige Studentin, in der Diskothek vom Hauptverdächtigen Drogen gekauft und eingenommen haben. Später habe sie außerdem ein offenes Getränk angenommen. Die toxikologische Untersuchung sei noch nicht abgeschlossen, sagten die Ermittler. Bei der Tablette könnte es sich um Ecstasy handeln.

Hauptverdächtiger lockte weitere Männer an

Gebüsch
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In diesem Bereich soll sich die Gruppenvergewaltigung abgespielt haben.

Nach Mitternacht verließ sie mit ihm den Club. In einem nahegelegenen Gebüsch sei es zu einer Vergewaltigung gekommen. Danach soll der Hauptverdächtige zurück in den Club gegangen sein. Dort soll er mehreren Männern gesagt haben, das Opfer liege wehrlos im Wäldchen. Daraufhin seien die Männer nach und nach dorthin gegangen und hätten sich an der Frau vergangen.

Drei Tatverdächtige mit Nähe zur YPG oder PKK

Zusätzlich zu dem Vergewaltigungsfall gibt es noch andere Ermittlungen im extremistischen Bereich. Denn drei Tatverdächtige haben sich im Internet auf Fotos mit Waffen präsentiert. "Dies lässt die Nähe zur YPG oder der PKK zu. Wir können das nicht verifizieren", so Bernd Belle, "und haben das an den Staatsschutz weitergegeben." Die YPG ist eine Kurdenmiliz in Nordsyrien, die PKK ist die verbotene kurdische Arbeiterpartei. Das Polizeipräsidium Freiburg ist hier nicht zuständig. In dem Fall ermittelt die Abteilung Staatsschutz/Extremismus in Karlsruhe.

18-Jährige wirkt stabil

Mann mit Bart und Uniform Bernhard Rotzinger
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Der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger auf der Pressekonferenz

Auch zum Opfer gab es neue Informationen. Die junge Frau wirke stabil, so Bernd Belle, die "große Medienberichterstattung" sei für sie "langsam belastend". Die 18-Jährige wird inzwischen von Opferschutz-Experten betreut.

Rücktritt von Strobl gefordert

Unterdessen hat FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke den Rücktritt von Innenminister Thomas Strobl (CDU) gefordert, weil ein Haftbefehl gegen den Hauptverdächtigen zunächst nicht vollstreckt worden war. Strobl trage die politische Verantwortung für die Vergewaltigung, sagte Rülke am Freitag in Stuttgart. Er habe Pannen vertuscht. "Ein solch inkompetenter Innenminister ist mit dieser schwierigen Lage offenbar komplett überfordert." Hintergrund der Forderung ist die Frage, warum der Haftbefehl gegen den Hauptverdächtigen vom 10. Oktober zunächst nicht vollzogen wurde.

Strobl: "Polizei entscheidet über Vollzug eines Haftbefehls"

Strobl äußerte sich am Freitagnachmittag, räumte jedoch in Sachen Haftbefehl keine Fehler ein. Er legte stattdessen den Schwerpunkt auf den Kampf gegen die Drogenkriminalität, den man jetzt in Freiburg intensivieren wolle. Außerdem müsse man darüber nachdenken, Straftaten von Asylberechtigten und Flüchtlingen stärker zu ahnden. Neben Abschiebungen nannte Strobl die Möglichkeit, Geldleistungen des Staates zu kürzen. "Wer falsche Angaben macht oder die Behörden über seine Identität täuscht, muss damit rechnen, dass er ein sicheres Aufenthaltsrecht verliert", sagte er.

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