Die Fahne von Deutschland ist auf dem Uniform eines Soldaten aufgenäht. | Bildquelle: dpa

Neuer Bundeswehr-Dienst Freiwillige für Heimatschutz gesucht

Stand: 01.09.2020 10:13 Uhr

"Dein Jahr für Deutschland" - heute startet die Bewerbung für den neuen "Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz" bei der Bundeswehr. Nicht nur die Opposition ist davon wenig begeistert.

Von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

Es soll ein Zusatzangebot für junge Menschen sein, die sich für die Bundeswehr interessieren - aber nicht so sehr, dass sie sich länger festlegen wollen oder sogar einen Auslandseinsatz riskieren würden. Das Pilotprojekt "Wehrdienst im Heimatschutz" setzt - wie der Name schon nahe legt - auf einen heimatnahen Einsatz der Teilnehmer.

Kramp-Karrenbauer sieht bereits erste Erfolge

Die Bundeswehr wirbt mit dem Slogan "Dein Jahr für Deutschland". Nach Ansicht von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer durchaus mit ersten Erfolgen: "Schon vor dem Start am 1. September haben sich rund 1800 Interessenten gemeldet, und wir haben fast 800 Beratungsgespräche mit unserer Karriereberatung vereinbart", so die CDU-Politikerin.

Rund 1000 Plätze werden vergeben

Und all das für zunächst rund 1000 Plätze, die vergeben werden. Auf die Frage, wen die Bundeswehr mit dem neuen Angebot ansprechen wolle, antwortet Kramp-Karrenbauer: Herzblut für bürgerschaftliches Engagement sei wichtig.

Und es gebe noch einige weitere Vorgaben: Wer mitmachen will, muss demnach mindestens 17 Jahre alt sein, die deutsche Staatsbürgerschaft haben, die Schulpflicht erfüllt haben und sowohl charakterlich als auch gesundheitlich geeignet sein. Im April startet dann die Ausbildung, die sieben Monate dauert.

"Dann bleibt man nachher über einige Jahre hinweg eben im Reservistendienst verpflichtet. Aber so, dass man es sehr gut auch mit seinem Privatleben vereinbaren kann", so Kramp-Karrenbauer.

Im Katastrophenfall, sagt die Verteidigungsministerin, könnte man die Reservisten schnell aktivieren und einsetzen. Aktuell gemünzt etwa auf die Corona-Pandemie wäre denkbar, dass die Männer und Frauen beim Aufbau und Betrieb von Testeinrichtungen mit anpacken.

Kritik von der Opposition

Ein Pilotprojekt, wie gesagt. Und eines, das bei der Opposition auf Kritik stößt. Etwa bei den Verteidigungspolitikern Matthias Höhn (Linkspartei) und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP):

"Es müssen Voraussetzungen geschaffen werden, Menschen unterzubringen, Menschen auszubilden - das macht man nicht von heute auf morgen. Und schon deswegen stellt sich die Frage, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt, und ich sage: er lohnt sich nicht", so Höhn.

"Es ist eine PR-Aktion der CDU. Frau Kramp-Karrenbauer, immer noch Parteivorsitzende, trägt das Thema wie ein Mantra vor sich her, ist aber nicht wirklich interessiert an den Sorgen und Nöten der Soldaten und Soldatinnen", findet Strack-Zimmermann.

Unnötige Konkurrenz?

Und auch Wohlfahrtseinrichtungen sind skeptisch, sprechen von unnötiger Konkurrenz für bereits bestehende Freiwilligendienste. Noch dazu, weil man nur ein Taschengeld bekommt von ein paar hundert Euro. Wer in das Pilotprojekt der Bundeswehr geht, bekommt etwa 1550 Euro im Monat - die Besoldung für Soldaten.

"Dieses neue Angebot bildet das ab, was die Bundeswehr ausmacht: Wir dienen Deutschland. Und unsere Soldaten und Soldatinnen dienen Deutschland im Ausland, aber auch im Inneren, und sie helfen eben jetzt auch im Heimatschutz", erklärt Kramp-Karrenbauer. Das ist ihrer Ansicht nach keine Konkurrenz, sondern eine sinnvolle Ergänzung.

Bewerbung für den Wehrdienst im Heimatschutz startet
Birgit Schmeitzner, ARD Berlin
01.09.2020 09:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 01. September 2020 um 07:24 Uhr.

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Birgit Schmeitzner, BR

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