Ein Helfer montiert ein überdimensioniertes Coronavirus mit der Aufschrift "Fürchtet Euch nicht" als Hintergrunddekoration für die Weihnachtskrippe in einer Kirche. | Bildquelle: dpa

Debatte über Weihnachtsgottesdienste Wie still wird die Stille Nacht?

Stand: 12.12.2020 11:45 Uhr

Mit Abstand, ohne Singen oder doch besser online? In der Corona-Pandemie wird diskutiert, ob Weihnachtsgottesdienste überhaupt stattfinden können. Die Politik drängt die Kirchen zu einer Entscheidung.

Selbst bekennende Kirchenverweigerer gönnen sich zur Weihnachtszeit den Besuch der Christmette. Die Weihnachtsgottesdienste am Heiligabend sind jedes Jahr gut besucht, teils sogar überfüllt. In diesem Jahr wird das selbstverständlich anders aussehen - die Frage wie und ob überhaupt ist derzeit noch nicht geklärt.

Brinkhaus fordert Kirchen zum Handeln auf

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus rief die Kirchen dazu auf, sich Alternativen zu Gottesdiensten zu überlegen. "Ich appelliere an die Einsicht der christlichen Kirchen, die kirchlichen Veranstaltungen so weit wie möglich zurückzufahren", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post". Die Gläubigen sollten keinem Risiko ausgesetzt werden. Brinkhaus schloss auch nicht aus, dass man per Verordnung Regelungen finden müsse, sollten sich die Kirchen nicht bewegen. Weihnachten falle deswegen nicht aus, betonte der Fraktionschef.

Karfreitagsgottesdienst | Bildquelle: dpa
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Bereits an Ostern mussten die Kirchen leer bleiben, wie hier in Karlsruhe. Stattdessen wurden die Gottesdienste im Internet übertragen.

Derzeit setzen die Kirchen noch auf Hygiene- und Abstandsregeln, statt auf Komplettverbote. Der evangelische Landesbischof von Hannover, Ralf Meister, sprach sich dafür aus, an den geplanten Gottesdiensten an Heiligabend festzuhalten. "Wir werden in den kommenden Wochen noch viel Kraft brauchen", sagte er dem Evangelischen Pressedienst epd, deshalb könne auf "stärkende Weihnachtsgottesdienste" nicht verzichtet werden. Man habe sich sorgfältig vorbereitet, unterstrich Meister, unter anderem mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Hygieneplan.

Drinnen Abstand - Singen nur draußen

Vor allem das Singen in den Gotteshäusern soll vermieden werden. Darauf setzt unter anderem die evangelische Landeskirche in Berlin, zusätzlich zur Maskenpflicht und einer verringerten Anzahl von Besuchern. Kurze, kleine Gottesdienste sind dort geplant, die zum Großteil unter freiem Himmel stattfinden sollen. Ergänzt von Angeboten per Fernsehen, Radio und Livestream.

Auch die katholische Kirche hält Gottesdienstabsagen nicht für nötig. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erklärte, Weihnachten ohne Kirchgang dennoch für viele kaum vorstellbar, dennoch habe man Verständnis dafür, dass es Einschränkungen geben müsse. Denkbar ist für den ZdK-Vorsitzenden Thomas Sternberg auch ein Gesangsverbot. Bereits jetzt sei das Singen von Liedern in vielen Bistümern ausgesetzt. Er setzte auf den Einfallsreichtum der Gemeinden, sagte Sternberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Das Fest kann Kreativität freisetzen, mit Hausgottesdiensten, Gebeten, Gesang im Freien und anderem mehr." Mit Abstandsgebot, Meldepflicht, Desinfektion und Rücksicht seien Gottesdienste aber grundsätzlich möglich.

Ein Gesangsverbot in allen Kirchen hatten bereits der Virologe Alexander Kekulé und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gefordert. Bund und Länder wollen morgen über bundesweite Auflagen auch für Gottesdienste an Weihnachten beraten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. November 2020 um 09:37 Uhr.

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