Benjamin Tausche | Bildquelle: <mdr>

tagesthemen mittendrin Lockdown-Menü à la Azubi

Stand: 04.01.2021 10:53 Uhr

Schweinebraten, Knödel und winterlicher Birnenkuchen - verkauft durchs Fenster. So weit, so normal in Lockdown-Zeiten. Doch das Menü haben Hotel-Auszubildende kreiert. Für sie geht es in der Corona-Krise auch um ihre Zukunft.

Von Julia Grünwald, MDR

"So komisch es klingt, aber für die Ausbildung hat der Lockdown auch was Gutes", sagt Küchenchef Sven Petzold und zuckt mit dem Schultern. Der Koch ist für zwei Lehrlinge in einem kleinen Familienhotel im Herzen der Altstadt von Pirna zuständig. "Jetzt haben wir Zeit, ihnen Dinge zu zeigen, für die sonst die Zeit fehlt."

Normalerweise wäre das Vier-Sterne-Hotel nahe der Elbe so kurz nach Neujahr noch immer voll mit Urlaubern, die es in die Sächsische Schweiz zieht. Abends wäre jeder Tisch im Weinkeller besetzt, erzählt der Ausbilder. In der Küche verstünde man vor lauter Brutzeln und Schnippeln kaum ein Wort.

"Zur Weihnachtszeit und Silvester gehen hier am Abend rund 200 Essen raus. Da ist hier die Hölle los", berichtet Petzold von normalen Zeiten. Diesen Stress zu managen und einen kühlen Kopf zu bewahren, könne er seinen Azubis gerade nicht beibringen.

#mittendrin: Hotelfach-Auszubildende und ihre Erfahrungen in Corona-Zeiten
tagesthemen 22:45 Uhr, 04.01.2021, Julia Grünwald, MDR

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Azubi-Menüs to go

Stattdessen versucht er, in den Wochen des Lockdowns zu improvisieren. Schweinebraten mit Lebkuchensauce, dazu Spekulatiusknödel, ein bunter Salat und als Dessert: winterlicher Birnenkuchen. In der Weihnachtszeit sind täglich Dutzende Essen rausgegangen - verkauft durchs Fenster am Hotel. Kostenpunkt: 22 Euro.

"Das ist eine Investition in die Gastronomie vor Ort und in unsere Fachkräfte", betont Katja Riedel. Die Mitinhaberin ist ebenfalls Ausbilderin in dem über 100 Jahre alten Hotel unweit des Pirnaer Marktes. Seit Jahren beobachtet sie mit Sorge die Entwicklung am Ausbildungsmarkt. Jetzt in der Corona-Krise und dem Lockdown brauche es motivierende Signale für die Azubis, sagt sie. "Wir wollen zeigen, wir machen weiter und übernehmen euch, wenn ihr bleiben möchtet", sagt die Hotelfachfrau.

Bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr entwickelte die Belegschaft mit den Azubis Ideen, wie es weitergehen kann, wenn das Haus schließen muss. Herausgekommen sind - pünktlich zum zweiten Lockdown - selbst kreierte Menüs: geplant, eingekauft und gekocht von den Azubis Kevin Fiebig und Benjamin Tausche.

Esssen auf einem Teller | Bildquelle: <mdr>
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Drei-Gänge-Menü to go: Für die Hotel-Auszubildenden in Pirna ein wichtiges Projekt.

Azubi Kevin Fiebrig serviert | Bildquelle: <mdr>
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Kevin Fiebig serviert das Menü. Wegen des Lockdowns wird es durchs Fenster verkauft.

Der Abschluss - ein Glücksspiel

Besonders für den 19-Jährigen Tausche ist das ein wichtiges Projekt. Im Sommer will er seine Ausbildung abschließen und die Zeit bis dahin zum Üben nutzen.

"Ich bin optimistisch, dass ich gut vorbereitet bin", sagt der angehende Koch. "Für die Prüfung muss ich auch ein eigenes Drei-Gänge-Menü planen und kochen, das kann ich jetzt hier jeden Tag machen." Und doch ist sein Abschluss im Sommer unerwartet schwierig. Zwar weiß die Industrie- und Handelskammer um die aktuelle Situation der Auszubildenden, dennoch muss geprüft werden, ob die Ausbildungszeit während des Lockdowns anerkannt wird. Welche Auswirkungen Corona auf die Auszubildenden im ersten und zweiten Lehrjahr hat, kann in der Branche noch niemand sagen.  

Warten auf Hilfen des Bundes

Auch wie es finanziell weitergeht, ist unklar. Noch werde der Hotelbetrieb aus den Reserven bezahlt, sagt Mitinhaberin Riedel. "Wir haben zwar alle Hilfen beantragt, aber noch ist kein Geld geflossen." Die Einnahmen durch die Speisen zum Mitnehmen sieht sie als einen Tropfen auf den heißen Stein. Dass Hotels und Restaurants Mitte Januar wieder öffnen dürfen, glaubt hier niemand.

Um kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe während der Corona-Zeit zu unterstützen, brachte die Bundesregierung im Sommer das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" auf den Weg - in Höhe von bis zu 410 Millionen Euro. Betriebe, die weiterhin ausbilden und sogar neue Lehrstellen schaffen, erhalten Prämien. Auch die hat man im Hotel in Pirna beantragt. Chefin Riedel zieht allerdings ein ernüchterndes Fazit: "Wer angeschlagen ist, kann damit allein keine Azubis bezahlen." Ein Anreiz, weiter auszubilden, könne es aber trotzdem sein.

Katja Riedel | Bildquelle: <mdr>
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Wer heute nicht ausbilde, habe morgen kein Personal mehr, argumentiert Hotel-Chefin Katja Riedel.

Diese Hoffnung teilt auch der Hotel- und Gaststättenverband. Aktionen wie das Azubi-Menü aus Pirna kommen bei den Experten gut an. Laut Verband könnten durch solche Ideen zumindest ein Teil der Ausbildungsinhalte vermittelt werden. Und - und noch viel wichtiger: Auszubildende würden motiviert, den Beruf zu ergreifen.

Im Familienhotel in Pirna wünscht man sich, dass die Azubi-Aktion Nachahmer findet. Wer heute nicht ausbilde, habe morgen kein Personal mehr, betont Riedel. Sie hofft, wie so viele in der Hotel-und Gastrobranche, bald wieder Gäste empfangen zu können. "Die Zimmer sind renoviert, die Azubis fit, wir sind bereit."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. Januar 2021 um 22:45 Uhr.

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