Duisburg Hoffnungsträger Hafen

Stand: 09.03.2021 12:47 Uhr

Der Duisburger Hafen ist der Endpunkt der "Neuen Seidenstraße". Durch die Verbindung zu China lief das vergangene Jahr für den größten Binnenhafen Europas sehr erfolgreich. Davon soll auch der Rest der Stadt profitieren.

Von David Zajonz, WDR

Von Krisenstimmung ist am Duisburger Hafen nichts zu spüren - im Gegenteil. Gerade mit Blick auf China habe er im vergangenen Jahr eine "Sonderkonjunktur" erlebt, sagt Hafenchef Erich Staake. "Wir haben das Volumen fast verdoppelt, fahren 60 Züge pro Woche. Im Jahr davor waren es im Schnitt um die 35."

Besuch vom chinesischen Staatspräsidenten

Chinas prestigereiches Infrastrukturprojekt, die "Neue Seidenstraße", findet in Duisburg ihren Endpunkt. Hier kommen die Waren aus China mit Schiffen und Zügen an und werden dann europaweit weiterverteilt. Im Jahr 2014 war deshalb sogar Staatspräsident Xi Jinping zu Besuch.

Aktuell profitiert der am Rhein gelegene Hafen unter anderem davon, dass die Europäer in der Corona-Zeit verstärkt Medizinprodukte und Elektronikartikel aus China kaufen. Außerdem sind die weltweiten Preise für den Transport per Containerschiff stark gestiegen, der Schienenverkehr ist dadurch wettbewerbsfähiger geworden. Hafenchef Staake will das Gelände weiter vergrößern, schon jetzt entspricht die Fläche 2170 Fußballfeldern.

In China bekannt geworden

Duisburg habe sich in China einen Namen gemacht, beobachtet Yundan Bao. Sie arbeitet für eine Beratungsfirma, die chinesische Unternehmen in Deutschland unterstützt. Ihre Kunden berichten ihr, dass Duisburg in China inzwischen bekannter sei als viele andere deutsche Städte - "bekannter als Köln oder manchmal sogar bekannter als München".

Ihre Arbeitsstelle würde es ohne die "Neue Seidenstraße" in Duisburg wohl so nicht geben. Bao kam 2010 zum Studium hierher, heute begegnen ihr im Alltag deutlich mehr Chinesen als damals. In den vergangenen zehn Jahren sei ihre neue Heimatstadt schrittweise chinesischer geworden ist, erzählt sie. So haben sich in der Nähe der Universität - mit ihren vielen Studierenden aus China - chinesische Restaurants und Geschäfte angesiedelt.

Duisburgs enge Beziehung zu China reicht aber schon Jahrzehnte zurück. Als erste deutsche Stadt gründete Duisburg 1982 eine Städtepartnerschaft mit einer chinesischen Stadt - ausgerechnet mit Wuhan, dem Ursprungsort des Coronavirus.

Stadt kämpft weiter mit Strukturwandel

Für Duisburg bedeuten die enge Verbindung zu China und der boomende Hafen Hoffnung. Die stark von ihrer Industriegeschichte geprägte Ruhrgebietsstadt kämpft mit dem Strukturwandel. Die Arbeitslosenquote liegt im zweistelligen Bereich und damit deutlich höher als der Bundesdurchschnitt. Mehr als ein Zehntel der Arbeitsplätze in der Stadt gehören zu Unternehmen, die am Hafen ansässig sind.

Von der Hafennähe profitieren auch junge Unternehmen wie "Gapcharge". Zusammen mit anderen Start-Ups hat die Firma ihr Büro am Duisburger Innenhafen, in einem Gebäude, das noch in den 1990er-Jahren als Getreidespeicher diente. "Gapcharge" entwickelt kabellose Ladetechnik für Logistikfahrzeuge.

Der Hafen sei dafür "die perfekte Spielwiese", sagt Firmenchef Gregor Schmid-Szybisty. Dort finden die Gründer passende Partnerunternehmen, um ihre Technologie auszuprobieren und zu verkaufen. China wiederum sei wichtig als Exportmarkt, aber auch als Zulieferer, sagt Ladetechnik-Entwickler Schmid-Szybisty: "So ziemlich jede unserer Komponenten kommt aus China."

Die beiden Gründer von Gapcharge Stefan Sommer (links) und Gregor Schmid-Szybisty (rechts) | Bildquelle: David Zajonz / WDR
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Die "Gapcharge"-Gründer Stefan Sommer (links) und Gregor Schmid-Szybisty (rechts) profitieren von der engen China-Bindung des Hafens.

Zahl chinesischer Unternehmen verdreifacht

Die Duisburger Wirtschaftsförderung spricht von etwa 120 chinesischen Unternehmen in der Stadt. Damit habe sich die Zahl seit Anfang 2014 verdreifacht. Allerdings kommen die Unternehmen größtenteils aus dem Logistikbereich. Größere Ansiedlungen von Firmen aus anderen Branchen bleiben bislang weitgehend aus. Der Versuch in Duisburg ein großes deutsch-chinesisches Handelszentrum zu bauen, ist ins Stocken geraten.

Seit Februar hat die Stadt mit Rasmus Beck einen neuen Wirtschaftsförderer. Er hat sich zum Ziel gesetzt, dass sich der wirtschaftliche Erfolg des Hafens künftig auch abseits des Logistiksektors stärker auf den Rest der Stadt übertragen soll.

Lagergebäude im Duisburger Innenhafen | Bildquelle: David Zajonz / WDR
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Am Duisburger Innenhafen sind Räume für Start-Ups entstanden.

Duisburg könnte Deutschlands China-Stadt werden

Eine Abhängigkeit von China befürchten sie in Duisburg nicht. Anders als etwa im griechischen Piräus ist China hier nicht am Hafen beteiligt. Eigentümer sind das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt. Der Handel mit China ist außerdem ausgeglichener geworden. Früher entsprach die "Neue Seidenstraße" eher einer Einbahnstraße. Drei von vier Containern seien damals leer zurückgegangen, erzählt Hafenchef Staake, inzwischen sei es immerhin nur noch jeder Zweite.

Kritiker bemängeln jedoch, Duisburg fehle es an einer Strategie im Umgang mit chinesischen Investments. Staake will nicht öffentlich darüber urteilen, ob es in der Stadt genügend Visionen dafür gibt. Er wünscht sich aber, dass Duisburg sein Potential nutzt: "Die Chancen sind groß, aber dazu muss man Mut haben und den Willen und die Bereitschaft, Dinge anzupacken."

Duisburg könnte zu Deutschlands China-Stadt werden. Derzeit ist es immerhin schon Chinas Logistikdrehscheibe in Deutschland.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 09. März 2021 um 22:15 Uhr.

Korrespondent

David Zajonz | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo WDR

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