Abitur in der Pandemie Allein im Internat

Stand: 17.03.2021 13:10 Uhr

Corona hat den Schulalltag verändert. Doch für Jugendliche, die normalerweise auch in der Schule wohnen, hat die Pandemie noch einmal ganz anders zugeschlagen. Nähe und Ausgelassenheit - Fehlanzeige.

Von Friederike Rohmann, MDR

Es ist gespenstisch still an der Landesschule Pforta, einem Internat im Saale-Unstrut-Tal, das sich in Gemäuern aus dem zwölften Jahrhundert befindet. 250 Schülerinnen und Schüler von Klasse neun bis Klasse zwölf leben und lernen normalerweise hier. Für viele ist "Pforte", wie hier alle ihr Internat nennen, eine zweite Heimat. Doch vor Ort sein kann wegen der Pandemie derzeit nur der Abitur-Jahrgang.

Auf den Gängen der fünf Internatshäuser ist es leer. Maximal zu zweit dürfen die Abiturientinnen und Abiturienten auf ein Zimmer, gegenseitige Besuche sind nicht erlaubt. "Dadurch, dass jetzt nur die Zwölftklässler da sind, ist es manchmal auch ein bisschen einsam", erzählt Fiona McCloy, die in diesem Jahr ihr Abitur macht. "Dazu kommt, dass wir Abstand halten müssen zu allen Leuten. Das ist komisch, weil man das hier im Internat einfach nicht gewohnt ist."

Keine Partys, kaum Internats-Rituale

Normalerweise sind Chorproben, die Theater-AG, Geburtstagsfeiern oder Ausflüge feste Bestandteile des Internatsalltags - genauso wie die vielen Traditionen in "Pforte". Zu denen gehört auch, dass die Abschlussjahrgänge gegenüber den jüngeren Klassen Privilegien genießen. Im Speisesaal etwa dürfen sie an der "Zwölfer-Tafel" sitzen. Jetzt sind sie sowieso nur unter sich.

Die Schülerinnen und Schüler der zwölften Klasse nehmen außerdem die Neuntklässler mit Ritualen in die Schulgemeinschaft auf. Auf diese Momente hatte die Abiturientin Josefine Beyrich lange hingefiebert - jetzt fallen sie einfach aus. "Das ist was, auf das man sich richtig freut: die zwölfte Klasse in 'Pforte'", sagt sie. "Wir dachten immer: Das muss das krasseste Jahr sein. Und wenn man jetzt versucht, sich zu erinnern, was wir eigentlich in unserer zwölften Klasse gemacht haben, dann ist das sehr ernüchternd."

Kreuzgang auf dem Gelände der Landesschule Pforta | Bildquelle: MDR Friederike Rohmann
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Leere Gänge statt Schülergetümmel - Prüfungen gibt es aber trotz der Corona-Pandemie.

Abstand statt Nähe

Das Leben im Internat hat sich geändert. Vieles ist ausgefallen, und auch der Ausblick ist eher dürftig: Ob es eine Abschlussfahrt oder einen Abiball geben wird, ist ungewiss. McCloy und Beyrich sind traurig, dass ihnen durch die Pandemie viel Schönes genommen wird - Erlebnisse, die sich nicht wiederholen lassen. 

Beyrich findet aber auch, dass sie es im Internat während der Pandemie besser hätten als Gleichaltrige an anderen Schulen: "Dadurch, dass wir anreisen durften und innerhalb unserer Klostermauern ein relativ abgeschlossener Bereich sind, hat man fast das Gefühl, einen nahezu normalen Alltag zu haben. Das ist ja an anderen Schule gerade nicht so. Außerdem sind wir hier wenigstens zusammen und haben unseren Jahrgang."

Abiturientinnen Fiona McCloy und Josefine Beyrich | Bildquelle: MDR Friederike Rohmann
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Abitur in fast leeren Klostermauern - Fiona McCloy und Josefine Beyrich sind dennoch zuversichtlich.

"Was sind wir für ein krasser Jahrgang"

Ende April beginnen die Abiturprüfungen in Sachsen-Anhalt. Nach zwei Lockdowns und wochenlangem Homeschooling. Angst, die Prüfungen wegen der Pandemie nicht zu schaffen, haben beide nicht. Doch ein wenig benachteiligt gegenüber anderen Abschlussjahrgängen vor ihnen fühlen sie sich schon, sagt McCloy: "Es ist einfach eine stressigere Situation. Es ist die ganze Zeit so ein Grundstress da, der in anderen Jahrgängen halt nicht so da war, schätze ich."

Wegen dem, was nicht sein konnte, sind die Abiturientinnen enttäuscht - aber auch stolz darauf, was sie trotz allem aus ihrem letzten Jahr an der Schule gemacht haben. "Ich glaube, vielleicht schauen wir auch in einigen Jahren zurück und denken: 'Pandemie - haben wir weggesteckt. Was sind wir für ein krasser Jahrgang'", sagt Beyrich und lacht.

Klosterkirche auf dem Gelände der Landesschule Pforta | Bildquelle: MDR Friederike Rohmann
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Ruhe vor dem Prüfungsstress - Ende April beginnen die Abiturprüfungen in Sachsen-Anhalt.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. März 2021 um 22:15 Uhr.

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