Corona und der Sport Olympia-Saison mit vielen Fragezeichen

Stand: 10.03.2021 10:59 Uhr

Die Kanutinnen Kriegerstein und Dietze träumen von einer weiteren Olympia-Medaille. Doch wegen der Corona-Pandemie stehen die Spiele in Tokio weiter auf der Kippe. Hinzu kommt die ständige Angst vor einer Infektion.

Von André Berthold, mdr

Auf den ersten Blick wirkt alles normal bei Steffi Kriegerstein und Tina Dietze. Es sind die ersten warmen Tage des Jahres, die beiden Kanutinnen sind auf den Kanälen Leipzigs unterwegs. Doch normal ist bei ihnen gerade nichts.

Corona als Formkiller

Kriegerstein und Dietze gehören zur Deutschen Nationalmannschaft. Bei den letzten Olympischen Spielen gewannen sie zusammen die Silbermedaille - ein Erfolg, den sie in im Sommer in Tokio wiederholen wollen. Doch Kriegerstein hat eine Corona-Infektion hinter sich, von ihrer Form hat das Virus nicht viel übrig gelassen.

Noch immer kämpft die 28-Jährige mit den Corona-Folgen. Sie kann gerade nur leichten Sport machen. Ruhiges Paddeln oder Spaziergänge stehen bei ihr auf dem Plan. Ihre Lunge brenne bei der kleinsten Belastung, berichtet sie. Außerdem habe sie ständig Kopfschmerzen, und auch der Puls gehe bei jeder kleinen Belastung nach oben.

Im Moment steht sie im ständigen Austausch mit den Ärzten an der Uniklinik Dresden. Doch wann sie wieder voll belastbar ist und sie wieder richtig trainieren kann, können auch die Ärzte nicht sagen.

Der "Bammel" fährt mit

Ihre Bootspartnerin und Freundin Dietze kann im Moment zwar voll trainieren - doch bei ihr fährt der "Bammel", wie sie es nennt, bei jeder Trainingseinheit mit. Das Virus könne einen immer treffen: zu Hause in Leipzig, bei Wettkämpfen oder Trainingslagern. Auch Kriegerstein wisse schließlich nicht, wo sie sich angesteckt hat.

Es sei eine komische Situation, sagt Dietze. Auf der einen Seite sei sie dankbar, dass sie trainieren könne und die Möglichkeit habe, ins Trainingslager zu fahren. Doch auf der anderen Seite sei genau das die Gefahr, denn sie sei ständig unterwegs und treffe Menschen.

"Playbook" des IOC: Nur Klatschen erlaubt

Die Saison der beiden ist mit vielen Fragezeichen versehen. Denn noch steht überhaupt nicht fest, ob und in welcher Form die schon einmal verschobenen Olympischen Spiele stattfinden.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ließ einen ersten groben Ablauf an die Sportler verteilen. Im sogenannten Playbook wird ein möglicher Ablauf skizziert. Die Eckpunkte: keine Zuschauer, regelmäßige Tests, ein abgeschirmtes Olympisches Dorf. Selbst aufs Anfeuern am Streckenrand soll verzichtet werden. "Wir dürfen nur klatschen, das ist absurd", sagt Dietze.

An den Medaillen hängen die Trainerstellen

Eine erneute Verschiebung oder gar eine Absage der Spiele wollen beide nicht. Zu viele Sportler würden sich weltweit darauf vorbereiten, sagen sie. "Bei uns dauert so ein Aufbau rund zwei Jahre", erklärt Dietze. "Das einfach wegzuwerfen, kann man niemanden antun."

Außerdem sind die Spiele auch ein Schaufenster der Randsportarten. Nur hier genießen sie eine weltweite Aufmerksamkeit. Gleichzeitig sind sie der Maßstab für die Sportförderung in Deutschland: Je erfolgreicher eine Sportart bei den Olympischen Spielen ist, desto mehr Fördermittel gibt es. Daran hängen auch einzelne Trainerstellen.

Dietze und Kriegerstein haben mit ihren Erfolgen bei den letzten Spielen in Rio de Janeiro dafür gesorgt, dass Kanurennsport zu den erfolgreichsten deutschen Sportarten gehörte. Sowohl die beiden Kanutinnen als auch Trainer und Verband hoffen, dass es in Tokio wieder so wird - und ihnen das Virus keinen Strich durch die Rechnung macht.

Über dieses Thema berichten die tagesthemen am 10. März 2021 um 22:15 Uhr.

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